Die Natur beeindruckt im Remstalkino

Mitglieder des Böblinger Albvereins wanderten von Strümpfelbach nach Beutelsbach

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    Auf und ab: Vor der Wandergruppe tut sich eine Steigung auf Foto: red

Artikel vom 03. September 2019 - 14:00

BÖBLINGEN (red). Mit Geschichte, Kunst und Wein begann und endete die Sonntagswanderung von Strümpfelbach durch die Weinberge über Schnait nach Beutelsbach.

In Strümpfelbach angekommen, wurden die Wanderer sogleich, und buchstäblich mit "Hand und Fuß", von einer Skulptur des Künstlers Fritz Nuss auf den Skulpturenpfad gewiesen. Auf dem Weg in die Weinberge Richtung Karlstein gab es viel zu bestaunen. In jedem Vorgarten und am Wegesrand standen, saßen oder lagen bronzene Menschen-, Tier- oder Sagenfiguren aus der Werkstatt der bekannten Künstlerfamilie Nuss. Diese und die mit steigender Höhe immer fantastischeren Aussichten zogen die wandernden Betrachter so in Bann, dass sie die Mühen des Geländeanstiegs und der mittäglichen Temperaturen kaum wahrzunehmen schienen.

So kamen sie zwar pausenbereit, aber keineswegs wandermüde auf dem Karlstein an. Von hier oben bot sich dem Auge ein großartiges Panorama: Von den bewaldeten Schurwaldhöhen im Südwesten hinab ins dicht besiedelte Neckarbecken bis zu den Neckartalhängen, zum Asperg, zum Strom- und Heuchelberg und zu den ebenfalls rebenbestandenen nördlichen Remstalhängen. Auf dem für die Remstal Gartenschau neu gestalteten Rastplatz konnte man sich das Rucksackvesper schmecken lassen.

Im Randbereich des Schurwaldes führte die Wanderung weiter durch Wald und Streuobstwiesen bis zum Kirchplatz in Schnait. In dem kleinen Weinort wurde der Komponist, Musikpädagoge und Volksliedsammler Friedrich Silcher 1789 geboren.

Ab Schnait nahm ein Teil der Gruppe den Abkürzungsweg nach Beutelsbach. Der größere Teil der Wanderschar nahm den erneuten Anstieg in die Weinberge in Angriff. Ziel war, das auf einer Sandstein-Felsenplatte geschaffene Remstalkino. Auf den 26 aus Edelstahl und heimischem Kastanienholz gebauten Kinostühlen konnte man bequem ein großartiges Aussichtshighlight genießen und das Ziel Beutelsbach betrachten.

Im Anschluss, vorbei an den "Drei Riesen", verlief der Weg als "Biblischer Weinwanderweg" eine Weile auf der Höhe und dann abwärts bis zur Burgruine Beutelsbach. Informationstafeln bei der im Rahmen der Gartenschau restaurierten Burgruine gaben den Besuchern einen Einblick in die Geschichte der ehemaligen Burg und des Ortes Beutelsbach. Auf der 1514 noch bestehenden Burgkapelle der sonst schon zerfallenen Burg läutete Peter Gais aus Beutelsbach den Bauernaufstand der Bundschuh-Bewegung "Armer Konrad" im Remstal ein. Anführer "Gaispeter" und zahlreiche Aufständische wurden nach der Niederschlagung der Bauern mit dem Tode bestraft. Diese Zeit wird in Beutelsbach im dortigen Bauernkriegsmuseum thematisiert.

Auf dem letzten Wanderabschnitt gab es im Ort die prächtigen, mehrgeschossigen und Hunderte von Jahre alten Weingärtner-Fachwerkhäuser, mit dem aus Stein gemauertem Erdgeschoss und dem großen Rundbogentor in den Weinkeller zu betrachten.

Trotz starker Regenschauer blieb der Besuch des Kirchenbereichs der markanten und mit Wehrturm und mächtiger Ummauerung ausgestatteten Stiftskirche auf dem Programm. In der Kirche befand sich die Württemberger Grablege, bevor sie nach Stuttgart verlegt wurde.

Mit Erreichen des S-Bahnhofes Beutelsbach war das Streckensoll erfüllt und ein interessanter und schöner Wandertag für 37 Wanderfreunde abgeschlossen.

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