So haben unsere Leser vor 50 Jahren die Mondlandung erlebt

Am 20. Juli 1969 elektrisiert einer der größten Momente der Menschheitsgeschichte die Massen: Die erste bemannte Landung auf dem Mond

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    Ein Ereignis, das auch seine Spuren im Kreis Böblingen hinterlassen hat: Die Mondlandung am 21. Juli 1969 Bild: Nasa

Ein kleiner Schritt für den US-Astronauten Neil Armstrong, ein gigantischer für die Menschheit: Er wurde auch um Kreis Böblingen fieberhaft verfolgt. Die schönsten Anekdoten zu diesem denkwürdigen Tag erscheinen in einer kleinen Serie, die am Montag startet.

Artikel vom 21. Juli 2019 - 12:52

Von unserer Redaktion

Countdown zur Landung am Radio gelauscht

Was Jörg Lanksweirt mit Astronaut Charlie Duke verbindet

Jörg Lanksweirt aus Böblingen mit dem US-Astronauten Charlie Duke

BÖBLINGEN (jps). An den Start von Apollo 11 hat Jörg Lanksweirt noch lebhafte Erinnerungen: „Damals standen wir gebannt vor dem Fernseher, als der NASA-Sprecher Jack King mit seiner sonoren Stimme den Countdown herunterzählte. Bei der Absprengung der ersten Stufe erschrak ich, da die Retrotriebwerke schon den Eindruck einer Explosion machten.“ Die Landung verfolgte der Böblinger mit seiner Familie gebannt im Wohnzimmer: „Ich hörte über AFN den Originalfunkverkehr mit und übersetzte die Sekundenanzeige, die der Verbindungssprecher Charlie Duke, herunterzählte. Als ich ,noch 17 Sekunden' übersetzte, kam im Fernsehen ,gelandet'“ Was er als Bub damals nicht sofort verstand: 17 Sekunden war die Treibstoffrestansage.
Das Thema Raumfahrt faszinierte den langjährigen IBM-Mitarbeiter sein ganzes Leben lang. „Als ich Charlie Duke 2014 bei einer Weltraumkonferenz traf, lachten wir darüber.“ Tatsächlich fand der Mondausstieg nach deutscher Zeit am Montag, 21. Juli, nach Mitternacht statt. Lanksweirt verfolgte mit seiner Mutter gebannt die verwaschenen Fernsehbilder vom Mond. Und war damit allein nicht zufrieden: „Am Morgen kaufte ich mir die Kreiszeitung, Stuttgarter Zeitung und die Bild-Zeitung, die titelte: ,Der Mond ist jetzt ein Ami?“, erinnert er sich. Die Ausgaben hütet Lanksweirt seitdem wie einen Schatz.

 


 

Der Mondlandung ein Denkmal gepflanzt

Rudolf Springholz stiftet Böblingen anno 1970 eine Linde am Ganssee, weil ihn das Ereignis fasziniert wie kaum ein anderes

Der Böblinger Rudolf Springholz umarmt seine Mondlinde    Foto: EER

Von Jan-Philipp Schlecht

BÖBLINGEN. Als Rudolf Springholz am Ganssee steht, ist er stolz. Stolz, dass die von ihm gestiftete Linde mittlerweile eine stattliche Höhe von über zehn Metern erreicht hat. Sie steht ein paar Schritte vom Ufer des kleinen Sees entfernt und ihr prächtiger Stamm lässt auf eine gute Gesundheit schließen. Auch ihr Stifter kommt putzmunter zum Fototermin, obwohl er bereits 87 Lenze zählt.
Damals, auf den Tag genau vor 50 Jahren, ist er von dem bis dahin unvorstellbaren Unterfangen einer bemannten Mondmission zutiefst beeindruckt. „Für den Flugabschnitt von der Erde bis zur Umlaufbahn beim Mond wurde in die dritte Raketenstufe ein IBM-Spezialcomputer eingebaut“, erinnert er sich. Schon seit 1958 hatte er die Programmierung elektronischer Rechenanlagen gelehrt. Bei der IBM war er später im Vertrieb tätig und kannte die Spezialcomputer von seiner täglichen Arbeit. „Dass solche Computerkomponenten bei der Reise auf den Mond mit dabei waren, hat viele IBM-Mitarbeiter – und so auch mich – fasziniert. Ich betrachtete dieses Ereignis als Meilenstein in der Geschichte der Menschheit.“
Springholz fasst 1969 also den Entschluss, dieses Ereignis in Form einer von ihm gestifteten Linde zu verewigen. „Die Linde gilt nämlich wegen i

hrer angeblich weiblich-weichlichen Natur auch als Baum des Mondes“, sagt er heute. Doch die Wahl der Baumart hat auch einen persönlichen, olfaktorischen Hintergrund: „Ich habe immer noch den Duft in der Nase, der im Juli von den blühenden, mächtigen Linden ausging, die auf beiden Seiten der Auffahrt zu unserem Hof im Riesengebirge standen.“
Springholz nimmt also Kontakt auf mit dem damaligen Leiter des Böblinger Gartenbauamtes, Wolfram Geiger. Auch der war von dem Vorschlag angetan und suchte bei einer Baumschule einen passenden Baum aus. Kostenpunkt: 150 D-Mark. Bis der aber neben den Ganssee gesetzt werden konnte,  gingen noch mal einige Monate ins Land.
Erst Anfang Mai 1970 wurde der immerhin schon fünf Meter hohe Sprössling im Rahmen einer kleinen Feier im Ganssee eingesetzt. Heute, 50 Jahre später, erinnert nichts mehr an den besonderen Hintergrund des Baumes. Eine kleine silberne Plakette weist ihn als Baum Nummer 4170 im städtischen Bestand aus. Von einer kleinen Gedenktafel fehlt jede Spur. „Ursprünglich gab es die, doch sie wurde zwischenzeitlich abgenommen“, sagt Rudolf Springholz.
Vielleicht wagt er einen Anlauf, sie wieder anbringen zu lassen? Der amtierende Oberbürgermeister Stefan Belz ist ja schließlich promovierter Luft- und Raumfahrttechniker und dürfte wohl eine gewisse Affinität zur Landung auf dem Erdtrabanten haben.

 


 

Im Zeltlager kurzerhand Antennenmast aufgebaut

KRZ-Leser Heinz Lüdemann beweist Improvisationstalent

HOLZGERLINGEN (mmü). Heinz Lüdemann ist nicht nur als Ausstellungsmacher im Holzgerlinger Heimatmuseum bekannt. Der studierte Physiker ist begeisterter Hobbyastronom, der dann schon mal Führungen zur Vollmondfinsternis anbietet – wie im letzten Jahr. An den Tag der Mondlandung erinnert er sich, als sei er gestern gewesen.
Schon damals hatte Lüdemann ein Herz fürs DRK, und so war er gemeinsam mit Karin, seiner späteren Ehefrau, als Lagerleiter auf einem Wochenende mit 120 Jugendrotkreuzlern an der Nordsee in Sankt Peter-Ording zugange. „Einen Fernseher hatten wir selbstverständlich nicht“, erinnert sich Lüdemann, „aber die Mondlandung wollten wir uns dann doch nicht entgehen lassen.“ Und so kam?s, wie es kommen musste. Der junge Mann mit Faible für technische Finessen lieh ein TV-Gerät, ließ ruckzuck einen Masten errichten und oben drauf eine Antenne installieren. Kabel wurden von dort bis ins Verpflegungszelt hinein verlegt. Und der Empfang hat dann auch leidlich geklappt, hoch droben an der rauen Nordsee. Nur die Mondlandung – die ließ auf sich warten. Zwar setzte Armstrong seinen Fuß bereits um kurz nach 21 Uhr MEZ auf den Mondboden. Doch bis die ersten Bilder über die Mattscheibe flimmerten, wurde es später und später.
Statt Apollo auf dem Mond liefen olle Westernschinken über den Bildschirm, erinnert sich Lüdemann, womit man das damals noch hoch verehrte Fernsehpublikum wohl bei Laune und Stange halten wollte. „Damit war der Fernsehkonsum für die nächsten 50 Jahre gedeckt“, flachst Lüdemann. Die etwas älteren unter den jungen Lebensrettern hielten aber durch – bis es gegen 3.30 Uhr endlich so weit war.
Doch für Spätzubettgeher kannte Lüdemann keine Gnade. „Da waren wir bockelhart.“ Und so wurde auch am Tag nach der Mondlandung „morgens um 7 Uhr“ zum „Flaggen-Appell“ geschritten: Gehisst wurden die Flaggen Schleswig-Holsteins und des Jugendrotkreuzes, die fast wie Armstrongs Stars-and-Stripes-Fläggli im Wind flatterten. Und danach? War erst mal eine Ration Frühsport angesagt – mit Marsch ins Watt. Ja, das waren halt noch Zeiten.

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