Kritik an neuer Konzeption für Böblinger Museen

Artikel vom 09. Juli 2019 - 17:24

Von Robert Krülle

BÖBLINGEN. Am Montag hat die Stadtverwaltung ein Gutachten zur Böblinger Museumslandschaft vorgestellt, umgehend hat sich Günter Scholz zu Wort gemeldet und die Konzeption scharf kritisiert. Der ehemalige Kulturamtsleiter hat das Bauernkriegsmuseum in den 1980er Jahren mit aufgebaut und steht dem Verein der Museumsfreunde seit mehr als zehn Jahren vor. Dass die Gutachter die Schließung des Bauernkriegsmuseums empfehlen, kann Günter Scholz - natürlich - nicht gutheißen. In einem Brief an die rund 250 Mitglieder des Fördervereins macht er das deutlich.

"Die Schlussfolgerungen des Gutachtens zu Bauernkriegsmuseum und Zehntscheuer lehne ich entschieden ab", schreibt Scholz. Dass die Städtische Galerie künftig den gesamten Raum der Zehntscheuer einnehmen solle, verwundert ihn. "Allein schon die Tatsache, dass die Gutachter in der eng strukturierten Zehntscheuer den bestmöglichen Ort für eine moderne Gemäldegalerie sehen, lässt an ihrer Kompetenz zweifeln", kritisiert Günter Scholz, der von 1993 bis 2005 das Böblinger Kulturamt leitete. Noch vor Kurzem sei das Böblinger Bauernkriegsmuseum mit Alleinstellungsmerkmal als "Leuchtturm der Freiheit" gerühmt worden, zudem habe man einen Ausbau in der Zehntscheuer in Aussicht gestellt. "Würde Böblingen sein Bauernkriegsmuseum verlieren, wäre die Stadt um vieles ärmer, dafür aber wegen kulturellen Kahlschlags gewiss in aller Munde", bemerkt Scholz süffisant.

Dass er als Initiator des Bauernkriegsmuseums und Vorsitzender der Museumsfreunde bislang keine offizielle Stellungnahme bei der Stadt abgeben durfte, wurmt Günter Scholz gewaltig. Umso mehr ist der Blick jetzt auf die sogenannte Museumskonferenz am kommenden Montag, 15. Juli, von 13 bis 18 Uhr gerichtet. An diesem Nachmittag will die Stadtverwaltung die Konzeption im Neuen Rathaus mit interessierten Bürgern diskutieren (Anmeldung unter conzelmann@boeblingen.de per Mail). "Trotz erheblicher Bedenken habe ich mich zur Teilnahme entschlossen", kündigt Günter Scholz an, "ich gehe davon aus, dass den Museumsfreunden ausreichend Gelegenheit zur Kritik an den Thesen der Gutachter gegeben wird." Gleichzeitig ermuntert der Vereinsvorsitzende seine Mitglieder, ebenfalls teilzunehmen.

Wobei die Museumsfreunde in den kommenden Tagen Gelegenheit haben, sich auszutauschen. Denn von heute bis Sonntag sind fast mehr als 40 Mitglieder auf Kulturreise in Berlin und Potsdam.

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