Förderverein Freibad Schönaich: Trotz Tumult zufrieden

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    Im Schönaicher Freibad herrscht längst wieder Hochbetrieb: Zwei kleine Zwischenfälle sorgen für Unruhen Fotos: Thomas Bischof

Erst muss das Sommerfest des Freibades entfallen, weil der Förderverein zu wenige Helfer findet, dann verletzt sich ein Junge auf einem Kinderkarussell und die Gemeinde wird angezeigt. Rosige Zeiten sehen anderes aus. Trotzdem blickt der Fördervereinsvorsitzende Dieter Gäßler zuversichtlich in die Zukunft des Bades.

Artikel vom 09. Juli 2019 - 17:00

Von Isabelle Zeiher

Herr Gäßler, zuletzt hat der Förderverein Freibad Schönaich das Sommerfest, das am 20. Juli stattfinden sollte, abgesagt. Nur zehn Helfer hätten sich gemeldet. Wie kann das bei 420 Mitgliedern passieren?

Wir haben sehr viele ältere Mitglieder, die uns zwar finanziell unterstützen, aber nicht anpacken können. In den vergangenen Jahren haben wir die Helfer aus unserem Bekannten- und Freundeskreis rekrutiert. Bei denen stehen dieses Jahr aber einige private Feste an - beispielsweise runde Geburtstage. An richtig heißen Tagen brauchen wir aber mindestens 40 Personen. Das war uns dann zu risikoreich.

Als die Entscheidung, das Fest abzusagen, getroffen war - wie ging es Ihnen und Ihrem Team?

Es war eine Erleichterung. Die ganze Anspannung fiel ab. Es war keine leichte Entscheidung, aber eine logische. Wir feiern lieber kein Fest, als dass wir etwas Halblebiges organisieren.

 

Wie sieht es nächstes Jahr aus?

Wir wollen in kleinerer Form feiern. Wir möchten den "Badeabend bis in die Nacht" beibehalten, jedoch statt Bierzelt wird es mittags eine Hüpfburg für die Kinder und einen Kuchenverkauf geben. Zum "Abendbaden" möchten wir dann Cocktails anbieten. So haben wir dann für jedes Alter etwas im Angebot. Das ist der Plan, aber noch ist nichts in trockenen Tüchern.

 

Vor Kurzem gab es im Freibad einen Unfall am Metallkarussell, das in der prallen Sonne stand. Ein zweijähriges Kind verbrannte sich beim Spielen die Füße. Die Gemeinde wurde daraufhin angezeigt, trägt aber wohl keine Schuld (siehe Hintergrund). Trotzdem wurde das Spielgerät und die Rutsche aus Metall abgebaut - wirkt das nicht wie ein Schuldgeständnis?

Das könnte man auf den ersten Blick so sehen, ist aber nicht so. Das Karussell ist ein ganz normales Spielgerät, das auch an vielen anderen Plätzen steht und vom TÜV abgenommen wurde. Wenn die Sonne scheint, liegt es in der Natur der Sache, dass es heiß wird und man es nicht zu lange berühren darf. Auch geteerte Gehwege werden heiß, ebenso der Sand am Strand. Bei einem zweijährigen Kind ist da halt die Aufsichtsperson gefragt. Das Gerät steht da seit 2012 und nie ist etwas passiert, auch nicht im vergangenen extrem heißen Sommer. Trotzdem, auf eine Anzeige bei der Polizei müssen wir reagieren. Deswegen hat die Gemeinde beschlossen, die Geräte vorerst abzubauen, um nach Alternativen zu suchen.

 

Wie könnten diese Alternativen aussehen?

Die Rutsche am Kletterturm werden wir anders montieren - Richtung Nord-West. Dann scheint die Sonne nicht mehr so stark drauf. Beim Karussell überlegen wir noch.

 

Wie war die Reaktion bei den anderen Badegästen?

Die haben sich beschwert und gefragt, warum wir die Spielgeräte abbauen. Nur weil einer nicht auf sein Kind aufgepasst hätte, müssten nun alle anderen darunter leiden. Leider herrscht zurzeit eine Klagementalität. Man sucht nicht bei sich die Schuld, sondern zeigt sofort an.

 

Macht es Ihnen und Ihrem Team überhaupt noch Spaß, nach diesen Rückschlägen?

Ja natürlich. Wir lassen uns nicht von solchen Kleinigkeiten verunsichern. Beim Sommerfest zum Beispiel, wäre es viel schlimmer gewesen, wenn wir es veranstaltet hätten und dann hätte es den ganzen lang Tag geregnet. Da wären richtige Unkosten entstanden.

 

Wie sieht die Zukunft des Schönaicher Freibades aus?

Sehr gut. Der Badebetrieb läuft - wir haben sogar ein wenig mehr Gäste als im Vorjahr. Außerdem arbeiten wir mit zuverlässigen Kräften. Der wichtigste Punkt ist, dass die Gemeinde gerade daran arbeitet, dass wir dauerhaft einen ausgebildeten Betriebsleiter haben. Den brauchen wir nach den neusten Regelungen unbedingt. Wir sind ein kleines, feines Freibad. Ein Treffpunkt für Schönaicher Jugendliche, die mit dem Fahrrad herradeln, für Familien mit Kindern und für Ältere die Ruhe suchen. Und das werden wir auch bleiben.

  Wer hat Schuld?
    Am 19. Juni hat sich ein zweijähriges Kind im Schönaicher Freibad die Fußsohlen beim Spielen an einem heißen Metallkarussell verbrannt. Daraufhin zeigte die Familie die Gemeinde an. Um auf Nummer sicher zu gehen, entschied die Verwaltung das Karussell und eine metallische Rutsche abzubauen.
 
    Wer hat die Aufsichtspflicht? "Der Betriebsleiter muss dafür sorgen, dass der Freibadbesuch ohne drohende Gefahr verlaufen kann. Das Badepersonal hat die Aufsichtspflicht", erklärt Schönaichs Bürgermeister Daniel Schamburek bei der Gemeinderatssitzung, "wenn Kinder unter drei Jahren an den Geräten spielen, liegt die Aufsichtspflicht bei den Eltern."
 
    Hätte man mit dem Vorfall rechnen können? "Das Gerät steht dort nicht illegal. Es ist TÜV abgenommen", sagt Schamburek weiter.
 
    Warum wurden die Spielgeräte trotzdem abgebaut? "Wir wollen erst mal einen kühlen Kopf bewahren, auf Nummer sicher gehen, den Sachverhalt prüfen und nach Alternativen suchen", sagt der Bürgermeister. Wichtig sei dabei, zu Bedenken, dass auch bei den Alternativen Unfälle möglich sind.
 
    Ratschlag an die Eltern? "Bei heißem Wetter achten Sie im Freibad darauf, wo es heiße Oberflächen geben könnte", appelliert der Bürgermeister Daniel Schamburek.

 

 

 

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