Brücken zwischen Völkern gebaut

Vielfache Ehrungen für das Ehepaar Hablizel für deren Engagement und Diamantene Hochzeit - Besuch aus dem ukrainischen Andrejewka empfangen

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    Paul Nemeth (l.) überreicht dem Ehepaar zur Diamantenen Hochzeit zwei Urkunden Foto: red

Artikel vom 02. Juli 2019 - 16:48

BÖBLINGEN (red). Die Kraft des Ehepaars Selma und Herbert Hablizel scheint ungebrochen. Noch immer sind die beiden unermüdlich dabei, die Brücken ins Selma Hablizels Geburtsort in Andrejewka in der heutigen Ukraine aufrecht zu erhalten. Noch dazu feierten die beiden kürzlich ihre Diamantene Hochzeit mit vielen Freunden und Verwandten sowie einer Delegation aus der Südukraine.

Sogar Oberbürgermeister Stefan Belz empfing den Besuch aus Andrejewka: Der amtierende und der ehemalige Bürgermeister von Andrejewka sowie weitere aktive Mitglieder aus dem Bessarabiendeutschen Verein waren zur Diamantenen Hochzeit der beiden Ehrenbürger Andrejewkas angereist. Am 3. Juni trugen sich die Gäste in das Goldene Buch der Stadt Böblingen ein. Diesen Besuch nutzte Oberbürgermeister Stefan Belz, um die besonderen Bande zwischen Böblingen und Andrejewka zu würdigen, die auf das vielfache Engagement der Hablizels zurückgehen.

Selma und Herbert sind seit 2006 sehr aktiv im Bessarabiendeutschen Verein und regelmäßig nach Andrejewka gereist, dem Geburtsort von Selma Hablizel. 2013 erhielt zunächst Selma Hablizel die Ehrenbürgerschaft des Dorfes Andrejewka, 2018 dann auch Herbert Hablizel.

Auch der der Böblinger CDU-Landtagsabgeordnete Paul Nemeth ehrte das Ehepaar für seine Verdienste um die Völkerverständigung. Die beiden bauten Brücken zwischen den Völkern, sagte Nemeth anlässlich der Feierlichkeiten zur Verleihung der Ehrenbürgerschaft Andrejewkas an Herbert Hablizel. Gemeinsam engagieren sich die Eheleute seit vielen Jahren für den Ort, indem sie materielle Hilfe für soziale Einrichtungen, Schulen und Kindergärten leisten und die Sanierung der Kirche unterstützten.

Doppelte Ehrung durch CDU-Politiker Nemeth

Hablizels luden Familie, Freunde und Weggefährten in die SVB-Vereinsgaststätte Paladion ein. Nemeth nutzte diese Gelegenheit, das ehrenamtliche Engagement der beiden zu würdigen und ihnen die Ehrenurkunde des Landes Baden-Württemberg zur Diamantenen Hochzeit zu überreichen. "Sie beide haben eine unterschiedliche Herkunft. Sie haben im Laufe der Zeit und mit großem Engagement im Laufe der Jahre eine beeindruckende gemeinsame Geschichte neu geschrieben", sagte Paul Nemeth in seiner Rede. Er überreichte Selma Hablizel auch die Ehrenurkunde des Bundes der Vertriebenen für 60 Jahre Mitgliedschaft.

Selma Hablizel wurde 1938 im Dorf Andrejewka, das damals eine von mehreren deutschen Siedlungen in Bessarabien war, geboren. Dieser kleine Ort, der in der heutigen Südukraine liegt, war einst eine von rund 150 ehemals deutschen Siedlungen in Bessarabien. Kurz nach ihrer Geburt wurde Andrejewka im Jahr 1940 im Zuge des Hitler-Stalin-Pakts von der Sowjetunion besetzt. Die Bevölkerung wurde zunächst ins von Deutschland besetzte Polen umgesiedelt, bevor die Bessarabiendeutschen, die in der der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus politischen Gründen und wirtschaftlicher Not ans Schwarze Meer ausgewandert waren, nach dem Zweiten Weltkrieg auch von dort vertrieben wurden.

Auf ihrer Flucht verschlug es Selma Hablizel 1956 nach Böblingen. Sie arbeitete als "Frau vom Amt", wohnte im Mädchenheim Sonnenhalde und besuchte hin und wieder das Bärenkino. Dort traf sie eines Tages ihren späteren Mann Herbert. Drei Jahre später läuteten die Hochzeitsglocken. Als Herbert Hablizel im Jahr 2004 seinen Küchengerätehandel Hablizel und Türk verkaufte und in den Ruhestand ging, entschloss sich das Ehepaar, Selma Hablizels Wurzeln in Bessarabien zu erkunden.

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