Vergärungsanlage in Leonberg wird erweitert

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    Am Standort der Leonberger Vergärungsanlage zwischen Solitude-Rennstrecke und Autobahn wird eine zusätzliche Vergärungsanlage gebaut Foto: red

Artikel vom 12. Juni 2019 - 15:00

Von Michael Stürm

LEONBERG. Die Bioabfall-Vergärungsanlage in Leonberg wird vergrößert. Ab dem Jahr 2022 soll dort auch der Biomüll des Landkreises Esslingen verwertet werden. Hierzu haben die beiden Landkreise jetzt eine gemeinsame Gesellschaft gegründet.

Die Kooperation der beiden Landkreise in der Biomüllbeseitigung hat bereits Tradition. Seit 23 Jahren werden die Gärreste aus Leonberg im Esslinger Kompostwerk verarbeitet. Nun wird diese Abfallbeziehung intensiviert. Hintergrund ist, dass auch der Landkreis Esslingen seinen Biomüll ökologisch verwerten möchte, aber hierfür keinen geeigneten Standort besitzt. Da lag es nahe, die Vergärung des Esslinger Biomaterials im Landkreis Böblingen zu erledigen, wo Know-how und ein Standort mit Erweiterungskapazitäten schon vorhanden sind. Statt derzeit 35 900 Tonnen pro Jahr werden in Leonberg in Zukunft rund 56 000 Tonnen Grüntonnen-Abfall vergärt.

Bioabfallentsorgung über die Autobahn. Wird damit nicht Müll-Tourismus produziert? "Nein", erwidert Wolfgang Bagin, Chef des Abfallwirtschaftsbetriebs in Böblingen. "Wir bringen sowieso regelmäßig die Gärreste nach Esslingen. In Zukunft nehmen wir auf dem Rückweg den Biomüll aus Esslingen mit." Ein "paar Fahrten mehr", räumt Bagin ein, werden aber wohl nötig werden.

"Win-win-Situation"

Unter dem Strich sieht Bagin in der künftigen Regelung jedoch eine Win-win-Situation. Denn bei der Vergärung entsteht Biogas. Dieses wird zum Betrieb eines Blockheizkraftwerks vor Ort verwendet sowie als Strom, und in Zukunft vielleicht auch einmal als Erdgas, ins Netz abgegeben. Was nach der Gärung übrig bleibt, wird in Esslingen zu Gartenkompost verarbeitet und so dem natürlichen Kreislauf wieder zugeführt. "Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz", heißt es in einer Pressemitteilung des Böblinger Landratsamtes. "Der Charme", ergänzt Wolfgang Bagin, "liegt darin, dass aus dem Esslinger Biomüll Energie gewonnen wird. Das ist billiger und ökologisch sinnvoller als diesen zu verbrennen."

Synergieeffekte sieht Bagin auch, weil in Leonberg am Standort zwischen Solitude-Rennstrecke und Autobahn schon die notwendige Infrastruktur steht. Neben dem Neubau einer zusätzlichen Vergärungseinrichtung muss nur die Anlieferungshalle vergrößert werden. Rund zehn Millionen Euro wird die neue Gesellschaft dafür aufbringen. 65 Prozent steuert der Landkreis Böblingen bei, 35 Prozent die Esslinger Kollegen. Das entspricht den Anteilen an der neuen Gesellschaft. Diese bilden auch die Abfallmenge ab, die die beiden Landkreise in Leonberg jedes Jahr abliefern.

Bis die erweiterte Anlage steht, wird es noch über zwei Jahre dauern. Die Planungen beginnen jetzt. Wann die Bauarbeiten starten, hängt auch noch von erhofften Fördermitteln ab. Wolfgang Bagin, der in seinem demnächst beginnenden Ruhestand die Geschäftsführung der neuen Gesellschaft übernehmen wird, hofft, dass der Betrieb im Jahr 2022 starten kann.

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