Familiendrama: Angeklagter hat Mutter schon einmal misshandelt

Familiendrama: Prozess fortgesetzt

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    Symbolbild: Archiv

Artikel vom 20. Mai 2019 - 14:18

Von Bernd S. Winckler

BÖBLINGEN. Im nicht öffentlichen Prozess gegen einen 18-Jährigen, der im vergangenen Dezember seine Mutter und seine Oma getötet haben soll, haben die Richter am Stuttgarter Landgericht die ersten Zeugen vernommen. Dabei kam die Drogensucht des heute 18-jährigen Angeklagten zur Sprache.

Nach Erkenntnissen der Gutachter handelte der Angeklagte im Zustand eines Drogenentzugs und gilt somit schuldunfähig. Da der Beschuldigte zur Tatzeit am 11. Dezember vergangenen Jahres noch keine 18 Jahre alt war, wird hinter verschlossenen Türen verhandelt. Nur sporadische Mitteilungen dringen nach außen.

Fest steht mittlerweile, dass es für den Angeklagten keine Haft- oder Jugendstrafe geben wird. Die Gutachter haben von der Staatsanwaltschaft und dem Gericht jedoch den Auftrag erhalten, festzustellen, ob der 18-Jährige durch seinen Drogenkonsum in den vergangenen zwei Jahren sein Wesen veränderte und er somit psychisch krank wurde. In Freiheit wird er nicht kommen, auch wenn diese Frage bejaht werden sollte. Denn dann besteht die Gefahr, dass er weitere Angriffe gegen Menschen verüben könnte. Um diese zu verhindern, müsste er in eine jugendpsychiatrische Einrichtung eingewiesen werden.

Klassenkameraden berichteten im Zeugenstand, dass der 18-Jährige, der die Tat offenbar gestanden hat, schwer drogensüchtig war und dass sich durch seinen permanenten Drogenkonsum auch sein Wesen verändert habe und er gewalttätig wurde. Von wem der Beschuldigte diese großen Mengen von Rauschgift - es soll sich um Marihuana bis hin zu harten Drogen handeln - bekam, dürfte in dem Verfahren ebenfalls ein Thema sein. Der Dealer wäre strafrechtlich zu verfolgen, weil er Drogen an einen Minderjährigen abgegeben hat.

Um seine Drogensucht zu finanzieren, so die Zeugen, habe der Jugendliche sich sogar an der Klassenkasse seiner Schule vergriffen und in den Umkleidekabinen der Sporthalle seine eigenen Freunde bestohlen. Ein Nachbar hatte berichtet, dass Stunden vor der Tat der Beschuldigte vor dem Haus ständig aufgeregt im Kreis gelaufen sei. In der Hand habe er eine Tüte gehalten. In der folgenden Nacht geschah dann die Tat.

Gewalt habe der Angeklagte laut den Zeugen auch gegenüber seinen eigenen Kumpels ausgeübt. Und auch gegen die eigene Mutter, die er einmal Anfang letzten Jahres misshandelt und niedergeschlagen habe. Auch dabei sei es um Geld für Drogenbeschaffung gegangen. Dafür sei der 18-Jährige zunächst in eine Drogenentzugseinrichtung gebracht worden. Die Therapie brachte jedoch keinen Erfolg.

Bereits am ersten Prozesstag hatte Staatsanwältin Anja Neubauer vor der Stuttgarter Jugendstrafkammer den Antrag gestellt, den 18-Jährigen nicht zu verurteilen, sondern wegen seines durch Drogen aufgetretenen schweren psychischen Defekts mit Gefährlichkeit in eine geschlossene Klinik einzuweisen. Inwieweit die Gutachter dies jetzt im Prozess unterstützen, hängt vom Verhalten des Beschuldigten ab. Er sei, so war gestern zu erfahren, derzeit nicht in Untersuchungshaft, sondern in einer entsprechenden Einrichtung für psychisch kranke Jugendliche untergebracht. Das Gutachten soll am nächsten Verhandlungstag vorgetragen werden.

Das Gericht hat noch vier weitere Verhandlungstage angesetzt. Möglicherweise wird das Urteil jedoch bereits am 4. und nicht erst am 7. Juni gesprochen.

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