Burgerfestival auf dem Böblinger Marktplatz

Musik und Röstaromen in der Luft: "Grill & Burger Festival" auf dem Böblinger Marktplatz lockt mit fleischlichen Genüssen

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    Da läuft einem das Wasser im Mund zusammen

"Das Ding ist tot", sagt Christian Baudisch über den Böblinger Marktplatz. Der Leiter des Deutschen Fleischermuseums muss es wissen. Von seinem Arbeitsplatz aus hat er den besten Blick auf das tote Herz der Stadt. Ab und an sendet der Marktplatz aber doch ein kleines Lebenszeichen - so wie jetzt beim "Grill & Burger Festival".

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Grill & Burger Festival 2019
Eindrücke vom Grill & Burger Festival auf dem Böblinger Marktplatz
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Artikel vom 19. Mai 2019 - 19:24

Von Eddie Langner

BÖBLINGEN. Die Besucherresonanz beim "Grill & Burger Festival" am Wochenende auf dem Marktplatz war so wie das Wetter: durchwachsen. Die Regengüsse an allen drei Tagen werden aber wohl nicht der alleinige Grund dafür sein, dass die fahrenden "Burger-Meister" am Ende keine allzu positive Bilanz ziehen dürften.

 

Immer der Nase nach: Sonntag, 11 Uhr. In der Poststraße, am Fuße des Schlossbergs liegt ein verführerischer Geruch von Holzkohle und Grillaromen in der Luft. Wer ihm folgt, landet auf dem Marktplatz, wo sich 16 mobile Essensstände (Neudeutsch: Food Trucks) dicht an dicht auf dem Rathausvorplatz drängen. "Fleisch ist mein Gemüse" steht auf der Rückseite eines zur fahrbaren Küche umgebauten Transporters. Noch tendiert die Besucherzahl gegen Null.

 

Vom Fohlen zum fahrenden Flammenbrater: Als der Stundenzeiger auf der Rathausuhr sich langsam Richtung Mittag bewegt, finden sich die ersten Gäste ein. Viele zieht es direkt zu einem besonders auffälligen Stand. "The Rolling Grill" steht auf einem gelben US-Schulbus, der direkt vor den Rathausarkaden parkt. Das Fahrzeug gehört Eric Elbern aus Esslingen. Die Lebensgeschichte des 44-Jährigen würde locker den Stoff für einen Roman abgegeben: Der im Rheinland aufgewachsene Elbern war einst auf dem Weg zu einer Karriere als Profifußballer bei Borussia Mönchengladbach. "Ich habe dort bis zur A-Jugend gespielt und es in die zweite Mannschaft geschafft", erzählt er, wie er einst mit seinem alten Schulkameraden Michael Frontzeck bei den Fohlen kickte. Dann verletzte er sich. "Kaputtes Knie", sagt er schulterzuckend. Der gelernte Hotelfachwirt bereiste daraufhin die Welt, lebte und arbeitete jahrelang in Spanien, außerdem in New York und in Zürich. Zurück in Deutschland betrieb er einen Gastronomiebetrieb in luftiger Höhe: auf dem Stuttgarter Fernsehturm. Als Bürgermeister Fritz Kuhn den Turm vor sechs Jahren aus Brandschutzgründen kurzfristig und ohne Absprache mit den Gastwirten schließen ließ, stand Elbern vor dem beruflichen Aus.

 

Ein Bus voller Burger: "Ein eigenes Restaurant in Stuttgart ist nicht bezahlbar", erklärt er, warum er mittlerweile seinen Lebensunterhalt mit einem zum Food Truck umgebauten US-Schulbus verdient. Das gelbe Ungetüm hat er nach eigenen Angaben für 22 000 Dollar in den USA gekauft und für weitere 1500 Dollar nach Deutschland verschiffen lassen. Danach investierte er ein Vielfaches in den Bus, um ihn in eine rollende Grillküche zu verwandeln. Das Konzept ging offenbar auf: In der Festivalsaison gehen die Buletten laut Elbern zu Tausenden über den Tresen. Hier in Böblingen laufe der Verkauf an diesem Wochenende allerdings weniger gut. "Schau dich doch um", sagt er und weist mit weit schweifender Armbewegung auf den Marktplatz, "es ist bald Mittag und hier sind kaum 50 Leute." Ob es an der Werbung, am Wetter oder an der Örtlichkeit liegt, vermag er nicht zu sagen.

 

Qualität gegen Quantität: Andere Anbieter sind da nicht ganz so kritisch. "Wir sind eigentlich recht zufrieden", sagt Alexander Meschkowski. Der 35-Jährige aus Pfaffenhofen bei Ulm bietet mit seinem Dalice Diner Rib-Eye-Burgerfleisch aus regionaler Herstellung an. Auch andere Anbieter hier auf dem Marktplatz setzen auf Nachhaltigkeit und Bio-Qualität. Der Münchner Koch und Metzgermeister Karl-Heinz Drews bereitet sein frisch zubereitetes Fleisch direkt vor den Augen der Gäste auf einer zum Grill umgebauten Tonne zu. Bis zu zwölf Euro kostet so ein Drews-Burger. Wie aber selbst Schulbus-Griller Elbern als Mitbewerber versichert, seien diese fleischlichen Genüsse jeden Cent wert. Zusammen mit einigen weiteren Anbietern - darunter die Burger-Werkstatt von Andrea und Paul Winter aus Steyr in Oberösterreich oder "Texas Grill Master" Christine Theodoulidis aus Laichingen - stemmen Elbern und Drews sich entschieden gegen den aktuellen Billig-Trend mit Tiefkühlware und fragwürdigen Hygienestandards in der Food-Truck-Szene.

 

Standortdebatte: Mittlerweile ist es kurz vor 13 Uhr. Christian Baudisch, der Leiter des Fleischermuseums, bereitet sich langsam auf seine Führung durch die aktuelle Ausstellung vor. Ein paar Gäste sind schon im Museum gewesen, darunter ein Ehepaar aus North Carolina, das gerade auf Verwandtschaftsbesuch in Böblingen ist. An diesem Wochenende, an dem ihm das Burgerfestival mit Live-Bands und zahlreichen Essensangeboten ein paar zusätzliche Besucher beschert, sieht Baudisch, was auf dem Marktplatz los sein könnte - wenn hier denn mehr los wäre. Die Realität sieht allerdings anders aus: "Hier gibt es sehr viel Leerstand und so gut wie keine Laufkundschaft", stellt Baudisch fest. Ein Problem sieht er daran, dass der Wochenmarkt nicht hier oben, sondern unten am See stattfindet. "Ein Marktplatz, auf dem kein Markt ist, ist tot", sagt der Museumsleiter. Der Sindelfinger Festivalbesucher Jan Grauer kritisiert die Unsichtbarkeit des Standorts. Der 22-Jährige war bereits am Samstag hier. "Ich finde das Festival wirklich gut", sagt er. "Aber hier oben bekommt das doch keiner mit. Die müssten das am See machen", fordert er. "Genau so ist es!", sagt Eckehard Lindacher. Der Hörakustik-Fachmann hat offenbar auch abseits der Arbeit ein feines Gehör. Im Vorbeigehen hat er die Unterhaltung mitbekommen und hält auf Nachfrage der Kreiszeitung nicht mit seiner Meinung hinter dem Berg: "Der Marktplatz ist doch totgewohnt", findet Lindacher. Zumal man hier oben doch immer ganz schnell Probleme mit Anwohnerbeschwerden bekomme.

 

Die Qual mit der Wahl: Dem würde Alper Oral wohl deutlich widersprechen. Der Stuttgarter Unternehmer ist als Organisator des Festivals fest vom Marktplatz als Standort überzeugt. "Das Ambiente mit den schönen Fachwerkhäusern passt einfach", findet er. Ein bisschen Probleme hätten ihm in diesem Jahr allerdings das Wetter und die Wahl gemacht. Die Wahl? Gab's denn zu wenig Platz für Plakate? "Nicht zu wenig Platz, sondern zu wenig Plakate", erklärt der Veranstalter, "wegen der vielen Aufträge vor der Wahl waren die Druckereien ausverkauft." Mit dem Festivalwochenende an sich sei er aber dennoch sehr zufrieden, betont Alper Oral. Deswegen soll auch im Mai 2020 wieder leckerer Grillduft die Besucher auf den Marktplatz locken.

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