Böblinger Mordfall: Anklage hält Täter für schuldunfähig

Familiendrama in der Eugen-Bolz-Straße im Dezember 2018: 17-Jähriger ersticht Mutter und Oma

  • img
    Hier hat sich die schreckliche Tat zugetragen / Foto: SDMG/Archiv

Das Entsetzen in der Stadt war groß: Ein damals 17-Jähriger hatte im Dezember in der Böblinger Eugen-Bolz-Straße seine Mutter und seine Großmutter in der Nacht erstochen. Nun wird die Familientragödie vor der Schwurgerichtskammer des Stuttgarter Landgerichts verhandelt.

Artikel vom 14. Mai 2019 - 14:06

Von Bernd S. Winckler

BÖBLINGEN/STUTTGART. Angeklagt ist der heute 18-Jährige wegen Mordes. Allerdings sieht die Staatsanwaltschaft den Täter als schuldunfähig, weil er psychisch krank ist und eventuell im Drogenrausch gehandelt hat.

Der Prozess vor der 3. Großen Jugendstrafkammer findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, weil der Angeklagte zur Tatzeit 17 Jahre alt war und daher im strafrechtlichen Sinne als Jugendlicher gilt. Zudem handelt es sich bei dem Prozess um ein sogenanntes Sicherungsverfahren. Ein Verfahren, bei dem ausschließlich die Frage zu klären ist, wie sich die psychische Krankheit des 18-Jährigen - womöglich ausgelöst durch seine Drogensucht - auf die Tat ausgewirkt hat und ob der Angeklagte im Rausch handelte.

Dann nämlich müsste er, wie es laut Antragsschrift am gestrigen ersten Verhandlungstag vorgetragen wurde, in eine geschlossene Jugendpsychiatrie eingewiesen werden. Zudem müssten die Richter ihn freisprechen. Doch die Richter entscheiden auch, ob der Angeklagte als gefährlich für die Allgemeinheit eingestuft wird und ob bei einer Freilassung weitere Gewalttaten von ihm zu erwarten sind. Obendrein geht es auch um eine intensive Drogentherapie. Um all diese Fragen zu klären, hat das Gericht Gutachter bestellt.

Die Tat selbst soll der 18-Jährige in der Nacht zum 11. Dezember 2018 gegen zwei Uhr in der elterlichen Wohnung in der Eugen-Bolz-Straße begangen haben. Die Anklage geht davon aus, dass er zunächst Streit mit der Mutter wegen seiner Drogensucht bekam. Dabei soll er sie beleidigt und auch körperlich misshandelt haben, ehe er zum Küchenmesser griff und zuerst auf die Mutter, dann auf die 68-jährige Großmutter mehrmals einstach. Danach legte er die Tatwaffe auf dem Balkon der Wohnung ab, rief selbst die Polizei und ließ sich ohne Widerstand festnehmen. Mit dem Jugendlichen, seiner Mutter und der Großmutter lebten in der Böblinger Wohnung noch zwei Geschwister im Alter von drei und 14 Jahren.

Freunde des 18-Jährigen hatten berichtet, dass der Angeklagte schon seit einiger Zeit drogensüchtig sei. Er habe Diebstähle begangen, um die Sucht zu finanzieren. Aktenkundig war aber nur ein 100-Euro-Diebstahl aus seiner Klassenkasse.

Ein psychiatrischer Sachverständiger sowie eine Gerichtsmedizinerin werden im Laufe des nichtöffentlichen Verfahrens über die möglichen Folgen des Rauschgiftkonsums sowie der Verletzungen, an denen Mutter und Großmutter zu Tode kamen, berichten. Ein Urteil soll am 7. Juli gesprochen werden. Ob dies öffentlich stattfindet, ist noch nicht entschieden.

Verwandte Artikel