Lesewettbewerb: Förderschüler erwecken Texte zum Leben

Kreisweiter Vorlesewettbewerb an der Böblinger Paul-Lechler-Schule - Schüler lesen aus ihren Lieblingsbüchern vor

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    Nicht alle der Vorleser konnten sich über elterliche Unterstützung im Publikum freuen - doch Publikum und Jury lauschten konzentriert Foto: Bischof

Von Petrosilius Zwackelmann bis Robinson Crusoe: Schüler aus dem ganzen Kreis Böblingen geben an der Paul-Lechler-Schule eigens ausgewählte Geschichten zum Besten. Die Gewinner freuen sich über einen Büchergutschein.

Artikel vom 15. April 2019 - 17:24

Von Jan-Philipp Schlecht

BÖBLINGEN. Alessandro Lorusso läuft mutig zum Vorlesetisch. Er nimmt Platz, richtet noch kurz das Mikro und sucht das Lesezeichen in seinem Lieblingsbuch. Dann geht es los. Er liest die Geschichte vom Zauberer Petrosilius Zwackelmann aus dem bekannten Kinderbuch "Der Räuber Hotzenplotz" von Otfried Preußler. Er gibt sich sichtlich Mühe und erhält Applaus, als er zu seinem Platz zurückgeht. Jetzt, da die Nervosität weg ist, fällt dem Fünftklässler ein großer Stein vom Herzen und er grinst über beide Ohren.

So wie er dürfen noch 13 andere Schüler von Förderschulen aus dem Kreis Böblingen am vergangenen Mittwoch im Musiksaal unterm Dach der Paul-Lechler-Schule (PLS) in Böblingen ihr Vorlese-Können zeigen. Und alle schlagen sich wacker. Darüber, dass der Wettbewerb nun schon zum zweiten Mal an der PLS stattfinden kann, freut sich besonders der Böblinger Kulturamtsleiter Peter Conzelmann.

In seiner Begrüßung lässt er die Schüler schätzen, wie viele Bücher eigentlich in der Böblinger Stadtbibliothek "Im Höfle" stünden? "5000", sagt einer aus dem Publikum, "6000", rät ein anderer. Conzelmann: "Es sind 130 000! Für Leseratten wie euch ist das das reinste Paradies." PLS-Schulleiter Steffen Heckele wünscht seinen Schützlingen gutes Gelingen und "lasst's laufen".

Drei Lesestufen im Wettbewerb

In drei Lesestufen sind die Schüler eingeteilt: Klasse eins bis drei, vier bis sechs und sieben bis neun. Außer der Paul-Lechler-Schule nehmen auch Schüler der Albert-Schweizer-Schule Herrenberg, der Heinrich-Harprecht-Schule Holzgerlingen und der Sindelfinger Martinsschule teil. Je Lesestufe treten fünf Schüler an, es gilt also, den besten aus 15 zu ermitteln. Sie haben sich bereits bei Vorlesewettbewerben an ihren Schulen gegen alle anderen durchgesetzt. Den Gewinnern des ersten Platzes in ihrer Lesestufe winkt ein Büchergutschein über 30 Euro der Böblinger Buchhandlung Vogel sowie eine Urkunde. Alle Teilnehmer erhalten darüber hinaus ein Buchgeschenk. Besonderer Dank gilt an dem Tag den Organisatoren des Wettbewerbs. Ihn haben die beiden PLS-Lehrer Renate Müller und Wolfgang Pudleiner zum zweiten Mal auf die Beine gestellt.

Pudleiner ist seit sechs Jahren als Lehrer an der Paul-Lechler-Schule tätig und geht nach Ablauf des Schuljahrs in den Ruhestand, weshalb der Tag auch ein kleiner Abschied für ihn war. Zuvor unterrichtete er über 27 Jahre in Stuttgart. Die Bandbreite der Geschichten reicht weit durch die Kinderliteratur. Luca Oberländer aus der sechsten Klasse der Sindelfinger Martinsschule wählt etwa einen Text über Robinson Crusoe aus und trägt ihn sehr lebendig vor. Er holt den Sieg in seiner Lesestufe und ist sichtlich stolz.

Bei nicht allen Kindern sitzen die Eltern im Publikum - fast traurig, wenn die Kleinen ihren Gewinn zum Teil allein entgegennehmen müssen. Nicht so bei den Jüngsten: Hier holt die kleine Laureta Rama den ersten Platz. Als sie schüchtern Gutschein und Buch bekommt, ruft ein Familienmitglied: "Laureta, jetzt freu Dich doch mal!"

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