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Mineralwasser zum Nulltarif

Halbtageswanderung des Schwäbischen Albvereins Böblingen hat in den Travertinpark in Stuttgart-Bad-Cannstatt geführt

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    Besuch im im Travertinpark: Die Albverein-Wanderer stehen vor einer restaurierten Steingattersäge und einer Kranbahn Foto: Herbert Fauser

Artikel vom 17. März 2019 - 17:30

BÖBLINGEN/STUTTGART (red). Bei sonnigem Wetter sind Mitglieder und Gäste des Schwäbischen Albvereins zuletzt von Stuttgart-Münster durch den Travertinpark zu den Cannstatter Mineralquellen gewandert.

Travertin war vor allem in der Zeit zwischen den Weltkriegen ein begehrter Baustein. Wohnhäuser wurden damit gebaut und Fassaden von bekannten Gebäuden verkleidet, wie in Stuttgart der Mittnachtbau, das Hotel Zeppelin und der Neubau der Staatsgalerie. Die Bildung des gelbbraunen bis ockerfarbenen Gesteins begann im Quellgebiet der Cannstatter Mineralwässer vor etwa 500 000 Jahren. Travertin ist ein aus Mineralwasser abgelagerter Kalkstein. Ab 1900 wurde der Stein industriell abgebaut. Knapp 100 Jahre später war die Ära der Steinbrecher zu Ende. Zurück blieben die Steinbrüche.

Auf den Arealen zweier Steinbruchfirmen zwischen dem Wohngebiet Hallschlag und der ehemaligen Zuckerfabrik ist der Travertinpark entstanden. Hier wird der Besucher umfassend über die Entstehung und die frühere Bearbeitung des Gesteins informiert. Bei der Gestaltung des Parks wurde große Rücksicht auf die dort vorkommenden Zaun- und Mauereidechsen genommen. Ein Schotterhang, Schotterinseln und Felsquader aus den Überbleibseln der Steinbearbeitung wie auch die hohen Travertinwände im aufgelassenen Steinbruch bieten ideale Lebensräume für viele wärmeliebende Tierarten. Alte Steinbearbeitungsmaschinen, Gleisanlagen sowie eine Kranbahn wurden als Industriedenkmale in den Park integriert. Inmitten dieser Maschinenriesen legten die Wanderer eine Pause ein und genossen die Aussicht auf Bad Cannstatt und das Neckartal, zum Kappelberg und zum Rotenberg mit der Grabkapelle.

Anschließend ging es oberhalb der Weinberglage "Cannstatter Halde" zum Römerkastell, wo 1908 die Reiterkaserne errichtet wurde. Abwärts über die Altenburger Staffel gelangte die Gruppe zur Mombachquelle. Sie tritt als einzige Mineralquelle Stuttgarts in einem Quelltopf zutage. Wenig später hatten die Albvereinler Gelegenheit, ihre Trinkflaschen zum Nulltarif an der Auquelle mit Mineralwasser zu füllen. Aber Sauerwasser - obwohl gesund - ist nicht jedermanns Geschmack. Das Mineralbad Leuze und das Hallenbad Cannstatt werden mit Wasser der Auquelle versorgt.

Das Cannstatter Sauerwasser bildet sich aus Niederschlagswasser, das vor allem auf den Gäuflächen rund um Böblingen, Sindelfingen, Renningen in den Muschelkalk einsickert. Im Untergrund strömt es, der Schichtneigung folgend, unter dem Stuttgarter Talkessel hindurch bis nach Cannstatt. Auf dem langen Weg wird aus dem Karstwasser allmählich Sauerwasser. Im Umfeld der Mineralquellen kommt aus großer Tiefe noch Solewasser mit gelöstem Gips, Steinsalz und Kohlensäure hinzu.

Im Brunnenhof des Kursaals kann man an der Wilhelmsquelle kosten

Nach Überquerung des Neckars flanierten die Böblinger Wanderer durch die belebten Kuranlagen zum Kursaal Bad Cannstatt. In dessen Brunnenhof gab es die Möglichkeit Mineralwasser der Wilhelmsquelle zu kosten. Ein kurzer Abstecher führte zur Daimler-Gedächtnisstätte, wo Daimler im Anbau seines Gewächshauses eine Versuchswerkstatt eingerichtet und zusammen mit Maybach im Geheimen im Jahr 1883 den ersten schnelllaufenden Verbrennungsmotor entwickelt hat.

Weiter ging es in Richtung Stadtmitte. Mit einem Rundgang durch die geschichtsträchtige Altstadt von Bad Cannstatt endete dieser abwechslungsreiche Wandertag.

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