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Der Schönaicher Bäcker macht seinen ersten Spätzlesteig im Kongo

E-Mail aus Afrika (1): Der ehemalige Dirigent Harald Spindler baute in Kinshasa eigene Bäckerei

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    Bis Harald Spindler seine ersten Brezeln im Kongo backen konnte, war es ein langer Weg Foto: red

Artikel vom 10. März 2019 - 16:30

Von Florian Ladenburger

SCHÖNAICH/KINSHASA. Es war ein großer Schritt für Harald Spindler. Der ehemalige Dirigent lernte in Schönaich das Bäckerhandwerk und wanderte im Sommer letzten Jahres mit 58 Jahren aus. Kinshasa war sein Ziel, die Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo. Mehr als ein halbes Jahr ist das her. Hat sein abenteuerlicher Umzug geklappt? Kürzlich kam die erste Meldung aus Afrika per E-Mail.

"31. Juli 2018. Ankunft im kühlen Kinshasa bei 23 Grad. In Deutschland hatten wir seinerzeit 37 Grad. Einzug mit acht Koffern in den Rohbau. Das war hart. Mir war klar: Der Kampf beginnt. Um 18.30 Uhr ist es dunkel, um 6 Uhr ist es hell. Ich genieße die langen Nächte, auch wenn jedes Motorrad durchs Schlafzimmer zu fahren scheint, da es noch keine Fenster gibt."

"Seit 15. August habe ich nach vielen Hindernissen endlich einen Stromanschluss. Der Strom selbst ist sehr oft unterbrochen. Seit gestern stehe ich unter Starkstrom, seit ich erfuhr, dass der Container zwei Wochen früher als angekündigt im Hafen angekommen ist. Man sagt mir, er kann in drei Tagen vielleicht schon vor der Tür stehen." In besagtem Container sind Spindlers Backmaschinen eingelagert. Er hatte sie auf dem Seeweg nach Kinshasa geschickt.

Doch das Leben muss weitergehen und so machte er am 21. August seinen ersten Teig in Kinshasa: "ein Spätzlesteig für einen Gaisburger Marsch". Dann der große Tag. "30. August. Der Container soll heute um 6 Uhr am Haus ankommen und entladen werden. Hektische Vorbereitungen und End-arbeiten auf der Baustelle. Dann nachts um 3 Uhr der Anruf: Der Container hat kurz vor der Stadt eine Panne, alles muss auf einen Tag später umgepolt werden.

31. August. Alles kommt - anders. Statt um 7 Uhr ist der Container erst um 10.30 Uhr da. Der Fahrer ist nicht bereit, wie abgesprochen ins Quartier, das Wohngebiet, zu fahren. Die Entfernung Container - Bäckerei ist viel weiter als gedacht. Das Vorhängeschloss am Container hält selbst afrikanischen Hammerschlägen 30 Minuten stand.

Der bestellte Stapler kommt nicht, der Lkw ist defekt, der Kran zu groß

Eigentlich hatte ich einen großen Stapler bestellt für den 3,5 Tonnen schweren Ofen. Dazu mietete ich einen Lkw mit Kran für den Umzug. Es kam kein Stapler, dafür ein zweiter Lkw mit Kran. Mit dem Kran wollte ich noch ein Eisengestell aufs Dach heben, um darauf den Wassertank zu platzieren."

Doch der Kranfahrer - zufälligerweise arbeitete er bei einer deutschen Firma - weigerte sich. Aus Platzgründen konnte er die Seitenfüße als Stabilisatoren des Krans, nicht ausfahren. So sägten sie das Teil kurzerhand in zwei Stücke. Der Kranfahrer sagte dann: "Kein Problem, ich hebe die Teile am Ende des Tages aufs Dach." Natürlich kam es wieder ganz anders. "Das Containerausladen dauerte bis 22 Uhr - nachts, da hebt man nichts mehr auf ein Dach. Die Teile wurden etliche Tage später von etwa 15 afrikanischen Jungs sehr risikoreich mit Seilen auf das Dach gewuchtet. Da kein Stapler da war, wurde das Ausladen des Ofens eine dreistündige Aktion." Und dann stand der Ofen noch nicht in der Bäckerei, sondern auf der Ladefläche eines Lkw. Der hatte dann nach 200 Metern eine technische Panne und blieb stehen.

Kurzerhand mietete Spindler einen zweiten Lkw. Auf den luden er und seine Helfer die restlichen Maschinen aus dem Container. Doch: "Mit ihm hatten wir fahrtechnisch ein Problem. Er blieb in einer Kurve hängen und eine Maschine stürzte auf den Fuß eines Jungen." Der defekte Lkw wurde repariert, der Kurven-Lkw fand einen anderen Weg zur Bäckerei. "Die sehr schweren Maschinen wurden vom Lkw gehievt und wie zu Pharaos Zeiten von 20 Leuten mit Seilen die letzten 60 Meter durch den Sand geschleift. Am Abend war ich fertig. Richtig fertig. Ohne die Hilfe vieler Leute, auch fremder Leute, hätte ich den Tag nicht geschafft." Am nächsten Tag ging es weiter: "Für die 90-Grad-Drehung des Ofens in der Backstube mit drei Stahlrohren und Wagenheber benötigten wir allein den ganzen folgenden Tag."

Wie geht es weiter und wann verkauft Spindler seine erste Brezel? Wir warten gespannt auf die nächste E-Mail aus Afrika.

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