Feminismus für alle

Von Melissa Schaich

Artikel vom 08. März 2019 - 16:00

Feministinnen hassen Männer. Richtig? Falsch! Beim heutigen Feminismus geht es nicht um einen Geschlechterkampf, sondern darum zu zeigen, dass Sexismus, also die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, fatale Auswirkungen auf alle Geschlechter hat. Dabei sollen vor allem die jahrhundertealten Strukturen aufgebrochen werden, die Frauen allein aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt haben. Dass Frauen beispielsweise lange Zeit nicht in Mathematik und Physik unterrichtet wurden, da dies ihren "weiblichen" Qualitäten entgegenstünde, ist noch heute an der niedrigen Zahl von Frauen in Technikberufen zu spüren. Ebenso hat die Meinung des Psychoanalytikers Sigmund Freud, dass Frauen, die vergewaltigt werden, es ja eigentlich selbst so wollten, bis in die 1980er Jahre das deutsche Strafrecht geprägt und ist noch heute in der einen oder anderen politischen Debatte wiederzufinden.

Mit der Abschaffung von geschlechterspezifischen Ungerechtigkeiten soll eine Welt entstehen, in der alle Menschen freier leben können. Der Vorstellung von einigen Männern, dass Feminismus sie nichts anginge, weil sie eben keine Frauen seien, muss die Frage entgegengesetzt werden: Aber sicherlich seid ihr doch an einer gerechten Welt interessiert, oder?

Diskriminierende Strukturen werden von Menschen jeglichen Geschlechts durchgesetzt und können gleichzeitig katastrophale Konsequenzen für alle Geschlechter haben. Männer, die unserem Bild von Männlichkeit nicht entsprechen, Frauen, die unserem Bild von Weiblichkeit nicht entsprechen, sowie Menschen, die in keine der beiden Kategorien passen, haben nichts zu lachen innerhalb sexistischer Gesellschaftsstrukturen. Ein Beispiel: Als die Weltklasseläuferin Caster Semenya bei der Weltmeisterschaft 2009 die Konkurrenz mit weitem Abstand hinter sich ließ, kam sofort die Frage auf: Kann eine Frau so schnell sein? Daraufhin musste sie sich zahlreichen Untersuchungen unterziehen. Das Ergebnis: Semenya ist intersexuell. Um weiterhin an Wettkämpfen teilnehmen zu dürfen, musste sie mithilfe von Medikamenten ihren Testosteron-Spiegel senken. Es zeigt sich: Die Kategorien männlich/weiblich reichen hier nicht aus.

Feministische Kritik trifft auf so großen Widerstand, weil sie Verhaltensänderungen verlangt. Vorstellungen, die Frauen allein als hübsch, schwach und technik-unbegabt hinstellen und Männer als stark und dominant, sind längst hinfällig.

Eine Gesellschaft kann nur dann zufriedene und gesunde Individuen hervorbringen, wenn sie Menschen nicht von vornherein vorschreibt, wie sie auszusehen und sich zu verhalten haben.

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