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Kiffender Gewalttäter kommt hinter Gitter

20-jähriger nimmt Bewährungsauflagen auf die leichte Schuler und bedroht Frau mit abgebrochener Flasche am Böblinger Bahnhof

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    Mit einer zerbrochenen Flasche in der Hand bedrohte der Verurteilte eine 37-Jährige auf dem Bahnhofsvorplatz in Böblingen Symbolbild: Bischof

In Handschellen verließ ein 20-jähriger das Amtsgericht Böblingen. Der einschlägig vorbestrafte Asylbewerber mit Wohnsitz in Leonberg trieb rund um den Böblinger Bahnhof sein Unwesen, dröhnte sich mit Marihuana, Ecstasy und Wodka zu und konnte sich deshalb nicht immer an seine gewalttätigen Auftritte erinnern.

Artikel vom 08. März 2019

Von Matthias Weigert

BÖBLINGEN. Über ein Dutzend Zeugen halfen deshalb bei der Suche nach der Wahrheit nach: Polizisten und Krankenschwester ebenso wie vermeintliche oder tatsächliche Kontrahenten. Einen ganzen Vormittag investierte dafür Amtsrichter Ralf Rose, der den Angeklagten am Ende eine Jugendstrafe von einem Jahr und sechs Monaten aufbrummte, und zwar ohne Bewährung: "Sonst laufen Sie hier am Ende noch aus dem Gerichtssaal raus, rauchen einen Joint und erinnern sich dabei an die Verhandlung als Witzveranstaltung", brachte der Jurist seinen Eindruck von der Wirklichkeitswahrnehmung und der Lebenseinstellung des Angeklagten auf den Punkt.

Der afghanische Heranwachsende aus Leonberg lebt seit 2015 in Deutschland und geht derzeit gerichtlich gegen seinen ablehnenden Asylbescheid vor. Obwohl das Böblinger Amtsgericht sieben Anklagen aus dem Bereich Gewalt und Drogen zusammengetragen hatte. Und obwohl der junge Mann bereits wegen ähnlicher Delikte von Leonberger Amtsrichtern eine Bewährungsstrafe aufgebrummt bekam.

Dementsprechend schlecht bewertet Ralf Rose auch die Sozialprognose des zur Tatzeit 19-Jährigen. Schließlich hat der Afghane erwiesenermaßen nur einen kleinen Teil seine auferlegten Arbeitsstunden bis Ende Februar abgeleistet. Und auch die Drogenberatung ist erst seit Kurzem für den Afghanen zur Anlaufstelle geworden, damit der tägliche Joint und der Griff zur Flasche nicht weiter zu filmreifen Gewaltexzessen führen, die die Ordnungshüter auf den Plan rufen.

Eine 37-jährige Zeugin ist deshalb laut eigenen Angaben noch immer in psychiatrischer Behandlung und muss Beruhigungspillen schlucken. Der verurteilte Gewalttäter hatte laut eigenem Eingeständnis mit einer abgebrochenen Flasche hantiert, als es auf dem Bahnhofsvorplatz zu Streit kam wegen lauter Musik. Amtsrichter Rose wertet den Vorfall eindeutig: "Die Bedrohung mit einer abgebrochenen Flasche und die beleidigen Worte - die Frau hat Todesängste ausgestanden. Das war eine massive Tat, die deutliche Sanktionen nach sich zieht", begründete der Böblinger Amtsrichter das Urteil. Und auch der Staatsanwalt konnte über den Angeklagten nur den Stab brechen, "der sich in seiner Ehre beleidigt fühlte, deshalb die vermeintlich Deutsche rassistisch beleidigte und der Türkin seine respektlose Haltung gegenüber Frauen offenbarte". Strafmindernd spielten zwei Freisprüche wegen Diebstahls und gefährlicher Körperverletzung kaum noch eine Rolle, nachdem Richter Ralf Rose auch nicht jedem vergesslichen Beteiligten im Zeugenstand Glauben schenken mochte.

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