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Holpriger Start fürs neueDagersheimer Ärztezentrum

Müssen viele Hausarzt-Patienten für drei Monate nach Darmsheim zur Behandlung?

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    Im Juli war die Welt noch in Ordnung: Die Allgemeinmediziner Andreas Kimminich, Gabriele Hensinger und Wilfried Gehrig (von links). Rechts der Geschäftsführer des neuen Medizinischen Versorgungszentrums, Wolfgang Fink, im Gruppenfoto Foto: red

Im Juli 2019, so die Planungen der Beteiligten, sollte es in der neuen Bebauung des alten Dagersheimer Volksbank-Areals aufmachen - ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ). Der Eröffnungstermin ist auch so fixiert. Und doch gestaltet sich der Start des Ärzte-vor-Ort-Projekts ziemlich holprig.

Artikel vom 01. März 2019 - 19:24

Von Siegfried Dannecker

DAGERSHEIM/DARMSHEIM. Wobei - holprig, das ist vielleicht noch wohlwollend umschrieben. Denn im Hintergrund des Umzugs ist Sand im Getriebe, weil sich der Vermieter jener Immobilie, wo die Allgemeinmediziner Andreas Kimminich und Gabriele Hensinger derzeit noch praktizieren, und der MVZ-Geschäftsführer nicht (mehr) grün, jedenfalls nicht handelseinig sind. Für Laien eh schwer zu beurteilen: Aussage gegen Aussage. Dem Dissens gehen diverse Gespräche voraus, Telefonate, MMS-Kommunikationen und gegenseitige Vorwürfe, nicht erreichbar zu sein und nicht zum Einlenken bereit.

Wolfgang Fink ist stinkesauer auf den Böblinger Unternehmer, weil der darauf poche, den Mietvertrag einzuhalten - die Verlängerung des Kontrakts für die Gewerbeeinheit in der Hauptstraße 37 um ein Jahr. Und wegen einer Miete, die der Böblinger Geschäftsmann rückwirkend erhöhen wolle. Den Mehraufwand beziffert Fink in einem Telefonat auf eine fünfstellige Summe.

Fink: Für Patienten ein Horrorszenario

Man habe, so Fink, alles versucht, den 41-Jährigen umzustimmen - im Sinne derer, die davon letztlich betroffen sind: die vielen Patientinnen und Patienten. Das sei erfolglos geblieben. Folge aus derzeitiger Sicht: Wenn die Praxisräume nach dem 31. März nicht mehr zur Verfügung stehen, die neuen Arztpraxen aber erst zum 1. Juli bezugsbereit sind, müssten 3000 Patienten, die man pro Quartal behandle, nach Darmsheim. Genauer: in die kleine Praxis von Wilfried Gehrig, der in der Karlstraße etwa 1000 Patienten pro Quartal behandelt. Für Wolfgang Fink ein Horrorszenario. Zwar werde man in einem Zwei-Schichten-System die missliche Lage in kleineren Räumlichkeiten wohl bewältigen. Aber für die zu Behandelnden sei der weitere Weg schlimm. "Denken Sie an die Oma ohne Angehörige", sagt Fink. Der Aufwand, für eine Übergangszeit auszuräumen und die ganzen Patientenkarteien mitzunehmen, sei "immens".

Gestern dann ein Treffen der Kreiszeitung mit dem Böblinger Vermieter. Der schildert den Sachverhalt komplett anders. Ja, er wolle - Vertrag ist Vertrag -, dass man sich an Absprachen halte. Aber die missliche Lage habe nicht er verschuldet, sondern die Gegenseite, die selbst zum 31. März gekündigt habe. Namentlich die beiden Mediziner, mit denen das Mietverhältnis gut sechs Jahre bestanden habe - "ohne je eine Erhöhung der Konditionen". Mittlerweile indes habe sich der Erwerber des Gebäudes, das er mit Kredit finanziert, über die Konditionen für gewerbliche Immobilien erkundigt. Statt der zehn Euro, die er bislang genommen habe, seien 18 für den Quadratmeter heute üblich, bedenke man Stellplätze und Kellerräume.

Dass er den Schwarzen Peter zugeschoben bekomme, ja dass man ihm mit medialer Öffentlichkeit bis hin zum Fernsehen und zur "Bild" drohe, stinkt dem 41-Jährigen mächtig. Er müsse planen können für einen Umbau, den er vorhabe - die Zimmervermietung an Handwerker oder Studenten. Der Böblinger taxiert die Mehrkosten für die Einhaltung des Vertrags auf maximal 9000 Euro, was er für jemanden, der als Unternehmer mit seinen Leistungen Geld verdient, für nicht unverhältnismäßig hält. Ein Untermietverhältnis, sagt er, akzeptiere er. Aber nur mit den Ärzten. Zu Wolfgang Fink habe er nach diversen Korrespondenzen keinen Draht mehr.

Die Karre steckt im Dreck: Gelingt es noch, sie wieder herauszuziehen?

Die "Karre", sie stecke tief im Dreck, das räumt der Böblinger Selbstständige ein, das Tischtuch schon weit durchschnitten. Für irreparabel hält es der 41-Jährige nicht. Gehe man auf seine Konditionen ein, sähe er immer noch eine Lösung.

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