Zwischen Filder und Schönbuch

Albverein Böblingen wanderte von Oberaichen nach Echterdingen

Artikel vom 28. Februar 2019 - 14:36

BÖBLINGEN (red). Der Blick auf die Wetterkarte versprach nur nasses Wanderwetter. Doch 29 Wanderinnen und Wanderer aus Böblingen, Sindelfingen und Orten drumherum schreckte diese Aussicht nicht ab. So machte sich an der S-Bahnstation Oberaichen eine Gruppe auf zu der knapp 10 Kilometer langen Wanderung am Rand von Filder und Schönbuch, mit Ziel Echterdingen.

Der erste Streckenabschnitt führte hinauf zum Leinfeldener Waldfriedhof, weiter im Wald zum Jakobsbrünnele, bis zum Echterdinger Gemeindewald "Federlesmahd" im Schönbuch. Von der Anhöhe beim Waldfriedhof Leinfelden hatte die Gruppe einen guten Blick über den westlichen Teil der Filder: Von den Stuttgarter Stadtteilen Vaihingen, Möhringen und Fasanenhof bis nach Degerloch, sowie zu den nahen Leinfeldener Stadtteilen Ober- und Unteraichen.

Die Filder gehörten früher mit zu den Kornkammern Württembergs. Die Filder aber, wie wir sie von der Anhöhe in Leinfelden und von der Weidacher Höhe aus in Augenschein nehmen konnten, sind heute ein wichtiger Teil des Verdichtungsraumes Stuttgart und von dichter Industrie- und Wohnbebauung und durch Verkehrsflächen geprägt. Dennoch ist die noch verbliebene Landwirtschaft, mit dem Anbau vielfältiger Sonderkulturen und dem bekannten spitzköpfigen Filderkraut, für die Märkte der Region von Bedeutung.

Durchblick im Winterwald

Der lichte Winterwald ermöglichte beim Wandern häufige "Durchblicke". Sehen konnte man Ausläufer von Musberg und in Richtung des Siebenmühlentals unter anderem die ehemalige Trasse der Siebenmühlentalbahn, mit einem ihrer typischen Viadukte.

In der "Federlesmahd" ging es bis zur Sulzallee gemütlich voran. Um zum ersten Höhepunkt der Wanderung zu gelangen, war ein kurzer Anstieg bis zu einer Lichtung auf der Anhöhe, zu überwinden. Hier fanden Archäologen frühkeltische Grabhügelfelder. Ein Grabhügel wurde in seiner ursprünglichen Form und Größe rekonstruiert. Die nur wenige hundert Meter weiter anzutreffende "Riesen-Viereckschanze", aus spätkeltischer Zeit, war das nächste archäologische Highlight.

Von hier war es nicht mehr weit zur Mittagsrast in einer Schutzhütte. Just in dem Augenblick, da alle Wanderer sicher "unter Dach und Fach" waren, ging ein kurzer, kräftiger Regenschauer nieder. Dieser luftreinigende Regenguss bescherte der Wandergruppe auf dem weiteren Weg ein ganz besonderes Erlebnis: Von der Anhöhe bei der Schillerlinde und von der Weidacher Höhe gab's eine herrlich klare und fantastisch weite Sicht. Sie reichte bis zu den Talhängen des Neckars, zum Schurwald und zum Albtrauf. Für die Romantiker als Zugabe - einen die Filder überspannenden Regenbogen!

An der Schillerlinde war eine Straße zu queren, die Beachtung verdient. Auf Schildern und Infotafeln wird sie als "Alte Poststraße" oder "Schweizer Straße" ausgewiesen. Sie ist ein Teilstück einer schon im 17. Jahrhundert bedeutenden Handelsstraße und Postlinie zischen Stuttgart und Tübingen.

Der weitere Albvereinsweg führte durch Streuobstwiesen abwärts, ein Stück das "Stettener Totenwegle" nutzend, bis nach Echterdingen zum Heimatmuseum. Eine Führung durch die Sonderausstellung des Deutschen Spielkartenmuseums mit dem Titel "Majestäten, Fürsten, Präsidenten. Regierungen kommen und gehen - als Kartenkönige bleiben sie bestehen", waren der letzte Höhepunkt dieser Sonntagswanderung.

Der Abschluss in einem Echterdinger Lokal rundete den Wandertag noch vollends ab.

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