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Grafenauer Gemeinderat beschließt vier neue Baugebiete

Gesamtfläche fast zehn Hektar

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    Großer Zuhörerandrang herrschte, als der Grafenauer Gemeinderat die Weichen für neue Baugebiete stellte Foto: Holger Schmidt

Artikel vom 24. Februar 2019 - 18:36

Von Holger Schmidt

GRAFENAU. So großes Interesse wie sonst nur eine Bürgerversammlung verzeichnete am Freitagabend eine öffentliche Sitzung des Grafenauer Gemeinderates. Aus gutem Grund hatte die Verwaltung die Veranstaltung aus dem sonst üblichen Maltesersaal des Dätzinger Schlosses ins Seniorenzentrum verlagert: Es ging um nicht weniger als um die Aufstellungsbeschlüsse für gleich vier neue Baugebiete.

Einleitend wies Bürgermeister Martin Thüringer auf die aktuelle Brisanz des Themas Wohnen hin. Wohnraum, insbesondere bezahlbarer, ist nicht nur im Großraum Stuttgart Mangelware. Hier seien auch Gemeinden wie Grafenau gefordert, zumal es zwölf beziehungsweise 15 Jahre her ist, dass mit Waldrain und Hörlen die letzten Baugebiete in der Doppelgemeinde erschlossen worden sind. Es gebe zwar über 60 Baulücken im Ort mit einer Fläche von zusammen rund vier Hektar, doch ein Aufruf im Gemeindeblatt, solches Bauland an die Gemeinde zu verkaufen, erbrachte keinerlei Reaktion.

Also setzt Grafenau auf Neubaugebiete. Neun mögliche Areale hat die Kommunalentwicklung (KE) im Auftrag der Gemeinde untersucht. Vier blieben übrig und standen nur zur Beschlussfassung an: Malmsheimer Weg Nord und die Erweiterung des Mittenbühls im Ortsteil Döffingen sowie Oberäcker und Kälberne, wo sich die Verwaltung gut auch eine Kita und Betreutes Wohnen vorstellen kann, in Dätzingen. Deren Gesamtfläche beträgt zusammen rund zehn Hektar. Verworfen wurden die Gebiete Turmstraße am Kapellenberg und Hamberg, zurückgestellt wurden Wengertweg, Sport und Holzberg, die beiden letzten mit Blick auf die weitere Sportstättenentwicklung der Gemeinde.

Aus neun mach vier also und trotzdem Bauchweh bei Gemeinderätin Rita Graf. "Vier Baugebiete durchzubringen, wäre für mich der Horror", stellte die Grüne fest. "Sie müssen mehrere Varianten angehen, um eine oder zwei durchzubringen in der Zeit", entgegneten die KE-Experten. "In der Zeit" heißt, um nach dem angestrebten Paragraf 13 b Baugesetzbuch ohne umfassende Umweltprüfung und entsprechende Ausgleichsflächen tätig werden zu können, muss bis zum 31. Dezember dieses Jahres der Aufstellungsbeschluss stehen und bis 31. Dezember 2021 der Satzungsbeschluss, so der ambitionierte Plan. Außerdem sei der Gemeinderat Herr des Verfahrens und könne einen oder alle Pläne wieder auf Eis leben.

Wirtschaftlichkeitsberechnung folgt im Juni

Dazu kommt die unbedingt notwendige Bereitschaft aller Eigentümer, an die Gemeinde zu verkaufen, worauf Martin Thüringer gleich mehrmals hinwies. "Wir brauchen die Mitwirkungsbereitschaft der Eigentümer", so der Bürgermeister fast schon flehentlich. Die mehrfach aus den Reihen des Gemeinderates gestellte Frage nach dem angemessenen Preis sei mit der Mitwirkung der KE fairst möglich geregelt. Die einzelnen Abstimmungen brachten trotz großem Rücken am Ratstisch wegen Befangenheit eindeutige Ergebnisse. Lediglich beim Malmsheimer Weg Nord gab es wegen der Nähe zur Landwirtschaft zwei Gegenstimmen. Bis Juni will die beauftragte KE nun Wirtschaftlichkeitsberechnungen und Ankaufspreise für alle vier potenziellen Baugebiete vorlegen.

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