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Bluttat im Sindelfinger Hochhaus: Angeklagte schweigt weiterhin

Artikel vom 18. Februar 2019 - 17:12

Von Bernd S. Winckler

SINDELFINGEN. Hat die 64-jährige Angeklagte im Juni 2018 in einem Sindelfinger Hochhaus die dort ebenfalls wohnhafte 82-jährige Bewohnerin erstochen? Die Staatsanwalt geht davon aus, die Verteidigung behauptet die Unschuld. Die Angeklagte hat jedenfalls auch am zweiten Verhandlungstag vor dem Stuttgarter Landgericht geschwiegen. Dafür werden jetzt Zeugen vernommen. War die Angeklagte zur Tatzeit tablettensüchtig? Und wer hat die Wohnung unter Wasser gesetzt?

Polizisten berichteten im Zeugenstand, man sei nur alarmiert worden, weil aus der Wohnung des Opfers Wasser lief, das den Flur zentimeterhoch bedeckte. Zunächst war ein Wasserrohrbruch vermutet worden. Tatsächlich jedoch entdeckte die Polizei zusammen mit der ebenfalls angerückten Sindelfinger Feuerwehr, dass im Bad der Wohnung die Badewanne und das Waschbecken überliefen, beide Wasserhähne voll aufgedreht waren.

Hat der Täter nach der Ermordung der Wohnungsinhaberin das Wasser aufgedreht, um damit mögliche Tatspuren zu verwischen? Und wer hat beim Auffinden der Leiche die Wasserhähne wieder verschlossen? In der allgemeinen Aufregung, bei der versucht worden war, die blutüberströmte Leiche noch zu reanimieren, hatte wohl niemand darauf geachtet.

Wie ein Polizeibeamter im Zeugenstand berichtete, sei aufgefallen, wie die Angeklagte zusammen mit einer weiteren Nachbarin vor ihrer Wohnungstüre stand und die Arbeit von Polizei und Notarzt beobachtete. Sie hätte sich sehr interessiert gezeigt, was da alles gerade geschieht. Dann jedoch habe die Angeklagte plötzlich einen Schwächeanfall bekommen und sei umgekippt. Sie habe mit den Beinen "gezappelt", wie bei einem epileptischen Anfall, schilderte der Polizist. Eine Nachbarin habe mitgeteilt, dass die Angeklagte eine Herzschwäche habe und Tabletten einnehmen müsse.

Tatwerkzeug und Hund des Opfers verschwunden

Zunächst sei unklar gewesen, was mit dem Opfer passiert sei. Erst später habe man festgestellt, dass der Körper zahlreiche Stichverletzungen aufwies. Daraufhin wurde die Kriminalpolizei eingeschaltet, weil offensichtlich ein Tötungsdelikt vorlag. In der Wohnung habe man nach einem spitzen Gegenstand gesucht, mit dem die Stichwunden erklärlich sein könnten. Auch den kleinen Hund des Opfers habe man in der Wohnung gesucht, aber nicht gefunden.

Am ersten Verhandlungstag hatte die Verteidigung dem Gericht mitgeteilt, dass man davon ausgehe, dass die Angeklagte die vorgeworfene Tötung an der 82-Jährigen nicht begangen habe. Sie sei unschuldig.

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