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In der Badstube wurde nicht nur gereinigt

Die Grünen haben zum zweiten Mal zur Böblinger Altstadtführung eingeladen - Veranstaltung soll zur Tradition werden

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    Treffpunkt Schlossberg: Hier hat die Böblinger Silhouette seit dem Krieg eine Lücke Foto: red

Der Grünen-Ortsverband Böblingen hatte am Dreikönigstag erneut zum historischen Stadtspaziergang eingeladen. Sprecherin Hannah Behm begrüßte fast 50 Interessierte.

Artikel vom 10. Januar 2019 - 15:24

BÖBLINGEN (red). Die Führung von Stadt- und Kreisrätin Heidrun Behm begann am Rosengarten am Unteren See. "Von hier haben wir den besten Blick auf unsere Stadtsilhouette mit Stadtkirche, Altem Rathaus und Zehntscheuer. Sie zeugen sowohl von der Historie im Mittelalter als auch vom Wiederaufbau nach dem Krieg. Das ehemalige Schloss kann nur noch als ,Fehlstelle' geortet werden," so Behm. Attila Melzer zeigte anhand von Folien immer wieder die historische Einordnung und präsentierte verschiedene Aufnahmen.

Die beiden Seen, aufgestaut durch den Murkenbach, wurden im Mittelalter auch für den Betrieb von drei Mühlen genutzt. Staffelmühle, Rohrmühle und die Obere Mühle verarbeiteten sowohl Öl als auch Getreide. Auch gab es eine so genannte Badstube, die von der Bevölkerung nicht nur zu Reinigungszwecken aufgesucht wurde. Der Bader zog Zähne, schröpfte und trug so zur Gesunderhaltung der Böblinger bei.

Am Elbenplatz, benannt nach einem seiner Ehrenbürger, dem Böblingen im 19. Jahrhundert den Anschluss an die Gäubahn zu verdanken hatte, befand sich im Mittelalter eines der Stadttore. Am Bauernkriegsmuseum streifte Behm kurz die Historie des Aufstandes und die verheerende Niederlage der Bauern. Und empfahl einen Besuch des Museums, in dem fachkundige Führungen angeboten werden.

Der Turm, der einmal Gefängnis war

"Wer weiß, dass es noch heute ein Haus gibt, das auf der alten Stadtmauer steht?" Auch sie, gestand Heidrun Behm, habe es eher zufällig entdeckt - im Zuge der Recherchen für das Buch "Bauern, Bürger, Pioniere. Unterwegs in Böblinger Geschichte", bei dem sie Mitautorin war. So ist Heidrun Behm immer wieder für Hinweise dankbar, die Böblinger aus ihrer Familiengeschichte beitragen können. So erzählte ein Teilnehmer beispielsweise am Grünen Turm an der Nordseite des Schlossbergs, dass dort nach 1945 kurzzeitig Flüchtlinge untergebracht waren, als Wohnraum besonders dringend benötigt wurde.

Der Grüne Turm, benannt nach seinen ursprünglich ausschließlich grünen Dachziegeln, war bis ins 19. Jahrhundert Gefängnis. Heute im Eigentum der Stadt, steht er derzeit leer. Mit Blick auf Oberbürgermeister Stefan Belz, der ebenfalls teilnahm, wurden gleich mehrere Ideen kundgetan, wie man dieses Gebäude sinnvoll und angemessen nutzen könne. "Wir sind da dran," kommentierte er schmunzelnd und nahm auch diese Anregungen zur Kenntnis.

Oben auf dem Schlossberg angelangt, zeigte Behm die kleine Grünanlage, deren rechteckige Form dem Südflügel des ehemaligen Schlosses nachempfunden ist. Aus dem 10./11. Jahrhundert stammend, hatte das Schloss eine sehr wechselvolle Geschichte und prägte das Böblinger Stadtbild bis 1943, als es beim Bombenangriff fast vollständig zerstört worden war. Die verschiedenen Adelsgeschlechter nutzten das Schloss als Stammsitz, Jagdschloss und Witwensitz. Von zwei dieser Witwen, Barbara Gonzaga aus Mantua und Mechthild von der Pfalz, gingen wesentliche stadt- und kulturprägende Initiativen aus.

Dem ungemütlichen Wetter geschuldet, verzichtete man auf die Stationen Postplatz und Feierraum, und die Führung endete am Christophorus-Brunnen, wo Behm noch auf die ursprüngliche Bebauung des Marktplatzes und die verschiedenen alten und neuen Rathäuser einging.

Die Sprecherin des Ortsverbandes lud anschließend ins Kreisbüro zu weiteren Gesprächen ein. Hier - im historischen Vogtshaus - konnte man sich bei Punsch und Glühwein aufwärmen und mit Stollen und Kranz stärken. "Die Zeit zwischen den Jahren eignet sich besonders gut, sich nach all den Festessen zu einem Spaziergang in frischer Luft zu treffen," so Hannah Behm. "Wir planen deshalb, dies zu einer Tradition zu entwickeln und wollen auch im kommenden Jahr unbedingt wieder einen Stadtspaziergang anbieten."

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