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"Nach zwei Stunden hatte ich wieder eine Zigarette im Mund"

Umfrage: Was haben sich die Menschen für das Jahr 2019 vorgenommen? Wir haben uns in der Böblinger Bahnhofstraße umgehört

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    Rauchen ist das Laster Nummer 1. Aufhören? Schwierig / Foto: Unsplash

Artikel vom 10. Januar 2019 - 07:00

Von Kevin Hummel

BÖBLINGEN. Ein beliebtes Thema zum Jahresbeginn: Jeder kennt sie und hat sich zumindest einmal daran versucht - gute Vorsätze für das kommende Jahr. Wir haben einige Passanten in der Böblinger Bahnhofsstraße gefragt, was sie sich für 2019 vorgenommen haben oder was in diesem Jahr passieren soll.

Bei Christina Reinhoffer steht die Familie im Mittelpunkt. Nach kurzem Überlegen ist sich die 32-Jährige sicher: Die Erziehung ihrer Töchter wird auch 2019 ihr Tun und Handeln bestimmen. "Ich wünsche mir etwas mehr Disziplin bei der älteren meiner beiden Töchter", verrät sie. Ansonsten bestimme Spontanität den Alltag bei einer Familie. "Man kann da eh wenig planen", weiß Reinhoffer.

Samad Taheri hat klare Ziele für das Jahr 2019. Der junge Mann aus Afghanistan lebt seit zwei Jahren in Deutschland und hofft, bleiben zu dürfen. "Es ist ungewiss, ob ich eine Aufenthaltsgenehmigung erhalte, aber ich werde alles dafür tun." Der 20-Jährige, der nahe der Stadt Herat geboren wurde und im Iran aufgewachsen ist, hat sich vorgenommen, viel Zeit in Bildung zu investieren: "Ich will keine Zeit mehr verschwenden und an meiner Zukunft arbeiten."

Karla Hamann ist dagegen ein Beweis dafür, dass man auch ohne gute Vorsätze zurechtkommt. "In meinem Alter macht man das eigentlich nicht mehr", erklärt sie mit einem Lachen auf den Lippen. Die 80-Jährige hat sich irgendwann vorgenommen, einfach so weiter zu machen wie bisher. "Sie müssen immer positiv bleiben, dann wird schon alles gut", findet sie. Offensichtlich mit Erfolg.

Einer ähnlichen Lebensphilosophie scheint auch Peter Neumeier aus Böblingen zu folgen. Der gebürtige Bayer hat nur einen bescheidenen alljährlichen Vorsatz: Jeden Tag seine fünf bis zehn Kilometer gehen zu können."Die letzten 20 Jahre musste ich dadurch keine Medikamente zu mir nehmen", offenbart der 77-Jährige voller Freude. Wenn er dann einmal ein oder zwei Tage nicht raus könne, habe er schnell schlechte Laune. Zum Schluss gibt es noch einen kleinen Appell an die nachfolgenden Generationen von dem fitten Senior: "Die jungen Leute sollen ihre Beweglichkeit schätzen und nicht so viel Zeit auf dem Sofa oder in der Kneipe verschwenden."

Dietmar Schoch und seine Frau mühen sich nicht mehr um gute Vorsätze. "Die haben sich die letzten Jahre nie bewährt", erklärt er und ergänzt: "Zu groß war die Enttäuschung, wenn wir nicht durchgehalten haben."

Ähnlich geht es dem 23-jährigen Tobias. Der Lehramtsstudent zieht erst einmal die Augenbrauen hoch, als er die Frage hört. "Na ja, meine guten Vorsätze sind eigentlich jedes Jahr zum Scheitern verurteilt", grinst er vor sich hin. Mehr Sport und weniger Alkohol seien immer wieder der Inhalt leerer Versprechen an sich selber gewesen, gesteht er.

Ein Herr aus Vaihingen, der seinen Namen nicht verraten will, ist da mit seiner Begründung etwas genauer. Die guten Vorsätze würden seiner Meinung nach oft zu kurzfristig beschlossen und führten daher zu keinem Erfolg. "Das sollte schon gut und lange überlegt sein." Er spreche aus eigener Erfahrung. Dem Rauchen wollte er einst zum Jahreswechsel den Rücken kehren. "Nach zwei Stunden hatte ich wieder eine Zigarette im Mund." Es habe dann drei volle Jahre gedauert, sich das Qualmen abzugewöhnen. "Das muss man über einen langen Zeitraum Schritt für Schritt reduzieren - über Nacht klappt das nicht."

 

Kommentar: Umdenken

An guten Vorsätze fürs neue Jahr scheitern regelmäßig viele Menschen - irgendwie auch verständlich. Häufig gleicht das Vorhaben einem Mammutprojekt. Denn Gewohnheiten, die man sich über Jahre hinweg einverleibt hat, sind nun mal hartnäckige Gegenspieler, die man nicht so leicht losbekommt. Für die Bewältigung braucht es dann schon mehr als eine kurzfristige Kampfansage zwischen den Jahren.

Dabei gilt: Wer ernsthafte Absichten hat, etwas zu verändern, der kann auch ohne Neujahrszauber erfolgreich sein. Der richtige Zeitpunkt: jetzt. Mit einer gründlichen Vorbereitung und genügend Ausdauer ist man gut aufgestellt. Egal, an welchem der 365 Tage man beginnt.

Und wer kein Laster hat, könnte darüber nachdenken, anderen keines zu sein. Die Umwelt beispielsweise würde sich bestimmt riesig freuen. Über den Fußweg anstatt die Autofahrt nachzudenken und in Zukunft die Verpackungsalternative dem Plastik vorzuziehen, wären ein guter Anfang. Letztlich ist wichtig: Lieber kleinere Aktionen tatsächlich umsetzen als an großen Vorsätzen ständig scheitern.

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