Böblingen: So viel Arbeit machen die Böllerreste

Haufenweise Müll von Silvester stört am Neujahrsmorgen so manchen - Stadtreinigung und Ahmadiyya-Gemeinde räumen auf

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    Die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde hat sich auch 2019 wieder am Neujahrsmorgen auf Müllsammlung rund um die Seen begeben Foto: red
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    Insgesamt haben 46 Helfer an der Müllsammelaktion teilgenommen Foto: red
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    Ausgeböllert und wieder verpackt Foto: atz

Des einen Freud, des andern Leid: Dieses geflügelte Wort passt zum Jahreswechsel besonders. Die einen feiern am Silvestertag ausgelassen Prost Neujahr und verpulvern zig Euro mit Raketen und Böllern. Die anderen stören sich an den von Müll übersäten Gehwegen, Straßen und Plätzen.

Artikel vom 02. Januar 2019 - 18:00

KREIS BÖBLINGEN. (red/jps) Die Szenerie am Neujahrsmorgen gleicht sich Jahr für Jahr: Größere Plätze, Kreuzungen, Gehwege, Aussichtspunkte und nicht selten auch Spielplätze gleichen einer Art Trümmerfeld. Auf dem Boden liegen vom Himmel gefallene Raketenreste, die braunen Böllerhülsen, Pappkartons und weitere unschöne Hinterlassenschaften der Silvesternacht. Es liegt in der Natur der Sache, dass sich im Überschwang des Datumswechsels kaum einer an dem wachsenden Müllberg stört. Umso größer der Ärger an den Folgetagen, wenn Regen oder Schnee die Pappreste in unschöne braune Häufchen verwandeln.

Traditionell macht es sich die Jugend der Böblinger Ahmadiyya-Gemeinde zur Aufgabe, dem Unrat gleich am Neujahrsmorgen zu Leibe zu rücken. Die Aktion hat eine lange Tradition: Seit über 20 Jahren leisten die Mitglieder der Ahmadiyya-Jugendgemeinde ihren persönlichen Beitrag für die Gesellschaft und sammeln am Neujahrstag Müll der Silvesternacht ein. Bundesweit findet die Aktion in 240 Gemeinden mit knapp 6500 ehrenamtlichen Helfern der Jugendorganisation statt. Seit sieben Jahren führt die Ahmadiyya-Jugend diese Aktion in Kooperation mit dem Zweckverband Technische Betriebsdienste auch in Böblingen durch.

"Für uns Muslime begann das neue Jahr um 6 Uhr mit dem Morgengebet", berichtet Waqas Shaheen, "nach dem gemeinsamen Frühstück haben wir die Teilnehmer in drei Gruppen unterteilt." Eine Gruppe reinigte die Straßen und Plätze vom Silvestermüll auf dem Flugfeld, während die anderen Gruppen um den Oberen und Unteren See tätig waren. Die Aktion lief am Neujahrsmorgen von 8 bis 10 Uhr, insgesamt nahmen 46 Helfer teil, darunter auch 15 Kinder.

Stadtreinigung schiebt Sonderschicht

"Für uns ist diese Aktion ein Teil unseres Glaubens, denn Reinheit ist ein wichtiger Bestandteil unserer Religion", betont Shaheen, "ebenso lehrt der Islam die Liebe zum Heimatort." Die ehrenamtlichen Helfer könnten auf diese Weise ihre Verbundenheit zu Böblingen ausdrücken und der Stadt etwas zurückgeben.

Grundsätzlich mit der Stadtreinigung beauftragt sind in Böblingen und Sindelfingen die Technischen Betriebsdienste, die die Städte über den Zweckverband gemeinsam betreiben. Auf Nachfrage erläutert der Pressesprecher der Stadt Böblingen, Fabian Strauch, wie die Putzkolonnen den Müllbergen Herr werden. "Normalerweise sind an Feiertagen zwei Mitarbeiter für die Stadtreinigung eingesetzt, an Neujahr sind es allerdings noch mal neun Kräfte zusätzlich." Schon um 7 Uhr nehmen sie am ersten Morgen des Jahres Besen und Schaufel in die Hand und legen los.

"Gereinigt wird dann der Innenstadt-Bereich rund ums Rathaus, die Bahnhofstraße und der Bereich um den Bahnhof selber", sagt Strauch. Am 1. Januar muss der Putztrupp auch noch besonders beliebte Feuerwerksplätze wie den Bereich um die Stadtkirche und den Elben- und Postplatz säubern. Bei der Feiermeute ebenfalls sehr beliebt: Die Freiflächen rund um die Wandel- und Kongresshalle inklusive der Albabrücke. Beeindruckend ist das schiere Gewicht, das all der Böllermüll auf die Waage bringt: 2019 kamen am Neujahrsmorgen insgesamt fünf Tonnen von den explodierten Feuerwerkskörpern zusammen. Strauch: "Das ist keine wirkliche Abweichung zum Vorjahr, ungefähr diese Menge kommt jedes Jahr an Silvester zusammen." Umgerechnet macht das rund ein Kilogramm Müll je 10 Einwohner von Böblingen allein im Innenstadtbereich. Die Menge in den Wohngebieten wird nicht erfasst.

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