Wouahou-Festival geht ins letzte Wochenende

Alternatives Winterdorf läuft noch bis Sonntagabend - Bühne mit Live-Musik

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    Die Besucher können auch in das Hauptzelt schlüpfen, das aus zwei miteinander verbundenen Tipi-Zelten besteht Fotos: Gaetano Di Rosa

Wua. . . was? Mit dem Konzept eines alternativen Weihnachtsmarktes bevölkert der Stamm der Wouahou seit einer Woche den Festplatz auf dem Flugfeld - auch wenn am Freitag wegen Sturmwarnung pausiert wurde. Die Macher setzen einen bunten Farbtupfer neben das bekannte Weihnachtsmarkt-Allerlei.

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Wouahou-Festival 2018
Zum ersten Mal gastiert auf dem Flugfeld von 14. bis zum 23. Dezember das alternative Weihnachtsdorf Wouahou.
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Artikel vom 22. Dezember 2018

Von Jan-Philipp Schlecht

Großstadt-Indianer. Zunächst muss zunächst geklärt werden, dass es sich bei den "Wouahou" nicht um einen echten Indianerstamm handelt. Der Terminus entsprang vielmehr den Köpfen der Festival-Macher. Hinter der Wouahou-Idee stehen Dominik Ochs und Tobias Reisenhofer mit ihrer 2011 gegründeten Agentur "Die grüne Neun", die in Stuttgart sitzt. Dort haben sie bereits einen Vorläufer des Wouahou ins Leben gerufen: den Übermorgenmarkt. Hier wie dort interpretieren sie die Idee traditioneller Stadtfeste oder Märkte neu: mit exotischen Essensständen, Food Trucks und alternativen Angeboten. Als Vorbild für das Wouahou diente den Machern das legendäre Tollwood-Festival in München, ebenfalls ein alternativer Weihnachtsmarkt, der alljährlich die Massen anzieht.

Exotische Gaumenfreuden. Wer auf dem Wouahou deutsche Weihnachtsmarkt-Klassiker wie Rote Wurst und gebrannte Mandeln erwartet, wird enttäuscht. Stattdessen stehen rund um die Zelte viele Stände und Food Trucks mit ganz anderen Leckereien aufgereiht. Zum Beispiel der von Tanja Daniela. Sie verkauft Strudel-Spezialitäten aus ihrem umgebauten VW-Bus T4: Apfel-Zimt, Kirsche oder Zwetschge mit Vanillesauce und knusprigem Blätterteig. Ein paar Meter weiter gibt es spanisches Spritzgebäck, "Churros" genannt. Mit einer Schere wird der Spritzteig unter der Presse abgeschnitten und brutzelt so lange in der Fritteuse, bis er goldbraun ist. Am Stand "Die Kärtner - Taste of Austria" bieten Bea Virnau und Michael Elwert gefüllte österreichische Teignudeln an: süß mit Apfel-Zimt oder salzig mit Tomate-Mozzarella, Spinat-Schafskäse oder Lasagne. Zwar ist sie gebürtige Kärtnerin, doch sesshaft sind die beiden in Esslingen. Rechts und links davon muss aber auch niemand hungrig bleiben: französische Crépes, mexikanische Burritos oder türkische Adana-Kebap lassen kaum Wünsche offen.

Glühwein Marke Bio. Das Hauptzelt erinnert von außen an ein Zirkuszelt. Innen dampft der ersehnte Glühwein, Kinderpunsch oder ein Gebräu namens "Heiße Schelle" - ein moderner Grog für die ganz Durchgefrorenen mit Gin und Ingwer. Der Wein kommt nicht aus dem Massenkanister. Nachhaltigkeit wird auf dem Wouahou großgeschrieben, weshalb Rebensaft aus den Fässern des Weinguts Schmalzried in die Bottiche geflossen ist. Immerhin das erste Öko-Weingut in Württemberg mit Sitz in Korb bei Waiblingen.

Ausgefallene Einfälle. In das große Zelt haben die Macher auch den sogenannten Goods Market platziert: Stände mit Produkten, die sich als Geschenkideen gut unter jedem Weihnachtsbaum machen. Unter der Marke Paper Shark verkauft dort Daniel Birkhofer aus Dettenhausen einen Tacker ohne Klammern. Klingt unmöglich, ist aber möglich durch einen raffinierten Stanz- und Falz-Mechanismus. Außerdem vertreibt Birkhofer dort auch sein aus Altpapier produziertes "Tütle". Und das in verschiedenen Varianten: bedruckt mit einem Wimmelbild oder pfiffigen Logos.

Hauptstadt-Einflüsse. Auf dem Markt steht auch ein Stand mit Schnaps der Marke "O'Donnel Moonshine". Der sieht aus, als käme er aus den Südstaaten der USA und schmeckt auch so. Allerdings steckt ein Start-Up aus Berlin dahinter, das den Hochprozentigen in mehreren Sorten anbietet: Von "Bratapfel" über "Harte Nuss" bis "Bitter Rose". Ebenfalls aus der Hauptstadt kommt "Kaiser Honig" und sein Verkäufer Joseph Blue Grant. Der lässt Interessierte bereitwillig aus den vielen Gläschen kosten. Der Honig aus Berlin mischt sich mit Pistazie, Pflaume-Ingwer, Erdbeere-Balsamico oder Minze-Mandel.

Wohnzimmer-Atmosphäre. Wer nicht draußen in der Kälte frieren will, kann in das Hauptzelt schlüpfen. Es sieht aus wie zwei riesige Indianer-Tipis, in der Mitte verbunden. Drinnen verströmen ausrangierte Sofas und Sessel Wohnzimmeratmosphäre. Gedacht ist das Zelt vor allem für Familien mit Kindern, die sich eine kurze Verschnaufpause gönnen wollen.

Coole Beats. Das Wouahou will nicht nur eine Fress- und Kaufveranstaltung sein, sondern auch aufstrebenden Musikern eine Bühne geben. Eine riesige Discokugel lässt schon mal die Punkte über den Boden tanzen, während auf der Bühne DJ Robin "T" Treier und die Formation "Kraut und Rüben" die Plattenteller drehen lassen. Auf dem Programm, das noch bis zum 23. Dezember läuft, steht außerdem noch Elektro-Pop von Kilnamana oder Singer-Songwriter-, Pop-, Rock- oder Piano-Klänge.

Retro-Karussell. Da Familien zur Kern-Zielgruppe des Wouahou gehören, steht natürlich auch ein Karussell bereit. Es wirkt neben den modernen Ständen fast wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten mit seinen Holzpferdchen und -kutschen. Was besonders schwäbische Eltern und ihren Nachwuchs freuen dürfte: der Eintritt auf das antike Teil ist frei.

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