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"Wer so etwas tut, muss eine Vorgeschichte haben"

Interview mit Polizeipsychologe Adolf Gallwitz zu dem Familiendrama in Böblingen

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    Eine Mitarbeiterin der Notfallnachsorge ist zusammen mit Polizeibeamten auf dem Weg zum Tatort. Foto: SDMG

Was treibt einen Menschen dazu, Mutter und Großmutter umzubringen? Adolf Gallwitz gibt Auskunft zu dem Phänomen Familiendrama. Der 67-Jährige ist Professor für Polizeipsychologie an der Hochschule der Polizei in Villingen-Schwenningen und war als Gutachter am Internationalen Gerichtshof in Den Haag tätig.

Artikel vom 11. Dezember 2018 - 18:24

Von Michael Stürm

Gibt es ein typisches Täterprofil bei Familiendramen?

Bei 17-Jährigen wie in diesem Fall ist das schwierig zu beantworten. Menschen in diesem Alter begehen gerne Tötungsdelikte ohne Motiv.

 

Was bringt einen Menschen so weit, dass er eine Waffe gegen eigene Familienmitglieder richtet?

Wer mehrere Menschen aus der eigenen Familie und zwei Generationen umbringt, muss eine Vorgeschichte haben. Der Tatverdächtige hat das Messer ja nicht gegen irgendjemanden gerichtet. Das muss jedoch ein Gericht klären. In diesem Fall haben wir es aber auch mit einer kulturellen Vermischung zu tun. Der Tatverdächtige ist Russlanddeutscher Herkunft. Wir wissen aus Untersuchungen des Familienministeriums, dass in diesen Familien ein bisweilen hohes Gewaltniveau herrscht.

 

Nicht selten sind die Täter männlich. Lässt sich das statistisch belegen?

Ja, das trifft bei allen Kapitalverbrechen und Körperverletzungen zu. Wir haben es aber auch immer wieder mit Täterinnen zu tun, die Tötungsdelikte gegen die eigene Familie begehen. Es entspricht jedoch eher der Männerrolle, Dinge mit Gewalt zu regeln. Die Frauen erdulden die Situationen eher.

 

Häufig stellen sich die Täter selbst. Lässt das Rückschlüsse auf deren Verfassung zu?

Oftmals lebt ein Täter bei solchen Verbrechen eine grenzenlose Wut aus. Dieser folgt die Ernüchterung. Schnell wird dem Täter dann klar, dass er seine Familienmitglieder ja nicht so einfach verschwinden lassen kann. Das spricht auch dagegen, dass solche Taten geplant sind.

► Polizeibericht

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