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Beschäftigte kämpfen gegen Faurecia-Pläne

Automobilzulieferer will sein Werk auf der Hulb schließen

Artikel vom 04. Dezember 2018 - 15:42

BÖBLINGEN (red). Beim Automobilzulieferer Faurecia in Böblingen wehren sich die Beschäftigten gegen die drohende Schließung des Werkes. Das berichtet die IG Metall in einer Pressemitteilung. Bei einer Betriebsversammlung habe die Werksleitung den Unmut der Beschäftigten lautstark zu spüren bekommen.

Faurecia zählt laut IG Metall zu den zehn größten Automobilzulieferern weltweit mit einem Jahresumsatz 2017 von 22,2 Milliarden Euro. Im Böblinger Werk arbeiten über 200 Beschäftigte an der Innenraumausstattung exklusiv für die Mercedes-Benz-S-Klasse. Auf der Hulb werden die Türverkleidung und die Mittelkonsole erstellt. Doch laut Gewerkschaft habe Faurecia vor, dass Daimler ab 2020 aus einem Werk in der Slowakei beliefert werden soll. Nun kämpfen Beschäftigte, Betriebsrat und IG Metall um den Erhalt der Arbeitsplätze in Böblingen. "Unser Standortvorteil ist die direkte Nähe zum Kunden sowie eine motivierte und engagierte Belegschaft vor Ort mit einem hohen Qualitätsbewusstsein", betont der Vorsitzende des Betriebsrates die Vorteile des Just-in-time-Lieferanten.

Wie fragil die Zulieferkette ist, sei bei der Betriebsversammlung vergangene Woche deutlich geworden. Bereits nach drei Stunden habe im Daimler-Werk in Sindelfingen ein Bandstillstand gedroht. Das mobilisierte die deutsche Führung von Faurecia. In einer Telefonkonferenz sei zugesagt worden, dass Alternativen zur Verlagerung und damit der Erhalt eines erheblichen Teils der Arbeitsplätze ernsthaft geprüft würden. "Das ist ein positives Signal, das was wir in der Betriebsversammlung intensiv diskutiert haben", sagt Michael Kocken, IG-Metall-Sekretär der Geschäftsstelle Stuttgart. "Allerdings gab es auch sehr kritische Stimmen in der Belegschaft, die befürchten, dass es eine Hinhaltetaktik ist." Der Kostenvorteil in der Slowakei sei nicht so groß, "wenn man Böblingen nicht schlecht rechnet", so der Gewerkschaftssekretär. "Wir bieten dem Konzernleiter an, dass wir ihn bei seiner Entscheidung gerne vor Ort beraten."

Am Freitag, 14. Dezember, findet eine Verhandlungsrunde in Stuttgart statt. "Hier erwarten wir, das ses Zusagen zur Standortsicherung in Böblingen gibt", schaut der Betriebsratsvorsitzende voller Hoffnung dem Termin entgegen. Und Kocken ergänzt: "Wenn nicht, fahren wir zum Konzernsitz nach Nanterre."

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