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Kommentar: Es bleibt ein Stück Unbehagen

Kommentar

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    Penny-Markt an der Schönaicher Straße. Foto: Bischof

Artikel vom 16. November 2018 - 08:30

Von Michael Stürm

Eigentlich sollte an der Schönaicher Straße bereits seit zwei Jahren ein neuer Penny-Markt stehen. Groß genug und genau richtig, um die Wohngebiete im Böblinger Osten bis hinauf zum Tannenberg und dem Rauhen Kapf zu versorgen. Die vom Grundstücksbesitzer geplante Bebauung hatte allerdings mehrere Makel: Sie überschritt, wie viele andere Neubauprojekte auch, die vorgegebenen Grenzen, sie fuhr den Planungen des vormaligen Oberbürgermeisters in die Parade, und sie passte nicht in dessen sehr eigene Einzelhandels-Expertise, die er über die wirklichen Bedürfnisse vor Ort stellte.

Und nun? Plötzlich die maximale Kehrtwende. Was bisher nicht funktioniert hat, soll jetzt unter neuer Regentschaft im Böblinger Rathaus ohne Probleme möglich sein. Da darf sich nicht nur die ehemalige Besitzerfamilie wundern, deren Grundstück mit dieser Planungsperspektive wohl an Wert gewonnen haben dürfte, nachdem sie es vor einem Jahr an einen Getränkehändler verkauft hatte.

Ein Fall, der eines zeigt: Die Macht des schwäbischen Oberbürgermeisters ist ziemlich groß. An dieser Stelle muss aber auch die Frage nach der Rolle des Gemeinderates gestellt werden. Der hat in dieser Sache eine nicht immer glückliche Rolle gespielt - zunächst, als er im Technischen Ausschuss keine klare Kante gegen die Pläne gezeigt hatte, den Markt in die Murkenbachwiesen zu bauen, und dann als er den Oberbürgermeister im Streit mit den investitionswilligen Eigentümern nicht bremsen wollte.

Klar gilt es jetzt, die Vergangenheit abzuhaken und dafür zu sorgen, dass an der Schönaicher Straße auch weiterhin Lebensmittel verkauft werden. Das ist der Verwaltung unter dem neuen Oberbürgermeister gelungen. Was bleibt, ist dennoch ein Stück Unbehagen und die Erkenntnis, dass ab und an nicht so sehr das Baurecht eine Rolle spielt, sondern vielmehr die Konstellation an der Spitze der Verwaltung.

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