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Model oder doch Lackiererin?

Weltmädchentag im Böblinger Jugendhaus: Teilnehmerinnen machen sich über ihre Zukunft Gedanken und bekommen Tipps

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    Bunt geschmückte Bühne und interessante Gesprächsgäste: Veranstaltung zum Weltmädchentag im Casa Nostra Fotos: Wahl

Zum Weltmädchentag gab es im Landkreis Böblingen ein ganze Reihe von Veranstaltungen an verschiedenen Orten - eine davon lief im Böblinger Jugendkulturzentrum Casa Nostra. Rund 20 Mädchen versuchten sich dort an Zukunftsplanspielen und lauschten den Erfahrungen erwachsener Frauen.

Artikel vom 15. Oktober 2018 - 17:36

Von Julia Wahl

BÖBLINGEN. Drei Mädchen stürmen wild auf die Kostümecke zu. Sie suchen sich ihre Kleidung, Perücken und Accessoires aus. Nebenan in einer Fotobox halten die Mädchen dann ihre Outfits fest, die ihre Berufswünsche darstellen sollen: Model, Ärztin und sogar eine Mischung aus Mannequin und Lackiererin. Bei solchen spielerischen Aktionen wollen die Verantwortlichen vom Casa Nostra die Jugendlichen anregen, über ihre Zukunftswünsche nachzudenken.

Mehrere Stationen sind aufgebaut: Auf einem Tisch liegen haufenweise Zeitschriften, aus denen die Mädchen ausschneiden können. "Schnipsel deiner Zukunft", heißt es. Daraus fertigen die jungen Besucherinnen Collagen an, die ihre Zukunftswünsche visualisieren sollen. Neben der Kostümecke gibt es zudem noch die Station "Brief an dich selbst". Die gefüllten Papiere bekommen die jeweiligen Schreiberinnen im nächsten Jahr zurück. "Die Mädchen sollen in einem Jahr darauf zurückblicken können, um daraus dann eventuell auch Schlüsse zu ziehen", sagt Jugendhausleiter Alexander Voigt. Viele der Jugendlichen haben sich bisher offenbar kaum Gedanken über ihre Zukunft gemacht, noch viel häufiger fällt ihnen die Entscheidung enorm schwer.

Der Verein "Plan International Deutschland" hat den Weltmädchentag ins Leben gerufen. Weltweit setzen sich Organisationen wie UNICEF für die Rechte von Mädchen und Frauen, für Bildung und Gleichberechtigung ein. Inhalt des Projekttages sind "Takeover-Aktionen", wodurch Mädchen Führungspositionen in Politik und Gesellschaft übernehmen, um sich Gehör zu verschaffen. Zusätzlich werden bedeutende Bauwerke in Magenta angestrahlt.

Nach den Mitmachaktionen steht im Casa Nostra noch ein Podiumsgespräch an: Drei Frauen, Angelika Baur, Ömür Sahin und Dorotea Voigt, berichten von ihren Lebenserfahrungen, wie sie groß geworden sind und mit was sie als Mädchen und junge Frauen zu kämpfen hatten. Ihnen liegt es am Herzen, den Mädchen Mut zu machen und ihnen als Ratgeber zur Seite zu stehen.

Nach Zwangsverheiratung nur mühsam aus der Ehe befreit

Besonders für Ömür Sahin spielt die Rechtssituation von jungen Frauen eine wichtige Rolle. Sie kam mit elf Jahren aus der Türkei nach Deutschland. Von ihren Eltern erhielt sie als Jugendliche kaum Anerkennung und wurde zwangsverheiratet, wie sie erzählt. Allerdings wollte sie immer selbstständig sein.

"Man soll nie aufgeben!", sagt sie. Als Sahin dann in Deutschland lebte, gelang es ihr, nach fünf Jahren aus der Zwangsehe auszubrechen und sich scheiden zu lassen. Die rechtliche Grundlage ermöglichte ihr dies. Allerdings sei das nicht überall so. In vielen andern Ländern würden bekanntermaßen die Mädchen immer noch stark benachteiligt gegenüber den Jungen.

Beim Weltmädchentag geht es darum, die Position der jungen Frauen zu stärken. "Die Rechte müssen gefördert werden, um den Mädchen Mut zu machen", sagt Sahin.

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