Erdhebungen: Versicherung möchte Wertverlust der Häuser nicht ausgleichen

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    Die Bohrungen sind saniert, die Schäden bleiben Foto: Simone Ruchay-Chiodi

Artikel vom 24. September 2018 - 15:42

Von Michael Stürm

BÖBLINGEN. Die Allianz-Versicherung zeigt derzeit keine Bereitschaft, den geschädigten Hausbesitzern auch den Wertverlust ihrer Immobilie zu ersetzen. Landrat Roland Bernhard nannte die Versicherung gestern im Umweltausschuss des Kreistages in dieser Sache "hartleibig". Bernhard setzt bei der Entschädigung der Betroffenen weiterhin auf eine außergerichtliche Verhandlungslösung mit der Versicherung.

Den von einer kleinen Gruppe Betroffener geforderten Hilfsfonds nannte der Landrat einen "Irrweg". Statt zum jetzigen Zeitpunkt die Geschädigten mit Steuergeldern zu unterstützen, möchte er wie mehrfach berichtet, die Versicherung des verantwortlichen Bohrunternehmens in die Pflicht nehmen.

Zwölf Millionen Euro hat die zuständige Allianz-Versicherung bereits als Regresssumme zugesichert: Jeweils fünf Millionen für die beiden Hebungsgebiete plus eine einmalige Zahlung von zwei Millionen, die sich aus den Versicherungsregularien ergibt. Eine Summe, die wohl bei weitem nicht reicht, um alle Forderungen zu befriedigen.

In diesem Punkt existiere noch ein "kardinaler Streit" mit der Allianz, räumte Bernhard ein. Das Landratsamt geht nämlich davon aus, dass in Böblingen drei Hebungsgebiete existieren. Heißt: Die Versicherung müsste weitere fünf Millionen zur Entschädigung bereitstellen. Dann stünden 17 Millionen Euro zur Verfügung. Der für Anfang 2019 erwartete Bericht des Landesamtes für Geologie über die Ursachen der Erdhebungen im südlichen Hebungsgebiet soll in dieser Sache Klarheit bringen.

17 Millionen Euro, glaubt der Landrat, könnten dann vielleicht reichen, um die Schadenersatzforderungen der rund 200 betroffenen Hausbesitzer zu befriedigen. Allerdings würde das nur funktionieren, wenn das Land auf die rund 7,5 Millionen Euro, die die Sanierung der defekten Geothermiesonden gekostet hat, verzichtet, ebenso wie die Stadt Böblingen, die rund eine halbe Million Euro an Leitungs- und Straßenschäden zu beklagen hat. Wie berichtet, strebt Umweltminister Untersteller einen entsprechenden Beschluss des Stuttgarter Landtags an. Auch der Böblinger Gemeinderat wird sich mit diesem Thema befassen. Bernhard nannte den geplanten Verzicht "honorig".

CDU-Fraktionschef Helmut Noë bezeichnete den von Bernhard und der Interessengemeinschaft Erdhebungen eingeschlagenen Weg als "richtig und gut". Jetzt müssten nur noch die, die daran zweifelten, bekehrt werden, meinte er.

Wolfgang Schaal (Freie Wähler) wollte wissen, ob die Versicherung auch den Wertverlust der betroffenen Gebäude ausgleiche. Das Restrisiko, dass die Sanierungen nicht dauerhaft seien, bleibe schließlich bestehen, erklärte er. In dieser Sache zeige sich die Allianz derzeitig "hartleibig", sagte Bernhard. Ob die Preise jedoch fallen, sei noch nicht ausgemacht. Die Versicherung beobachte jedoch die Immobiliengeschäfte in den betroffenen Gebieten sehr genau.

Falls am Ende die Schäden nicht zu 100 Prozent über die Versicherung reguliert werden sollte, möchte der Landrat die Betroffenen nicht im Regen stehen lassen. "Bei einem großen Loch setzen wir uns mit dem Land an einen Tisch", versprach er. Bernhard warnte allerdings, jetzt über einen mit Steuergeldern finanzierten Hilfsfonds zu diskutieren. Das würde nur die Bereitschaft der Versicherung reduzieren, für den Schaden aufzukommen. "Vorauseilender Gehorsam wäre fatal für die Steuerzahler", urteilte er.

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