Baisch-Chroniken: Über 100 Jahre Stadtgeschichte

Ernst Baisch hat über Jahrzehnte Zeitungsberichte aus Sindelfingen und Böblingen gesammelt, jetzt übergibt er sie den Stadtarchiven

Die einen sammeln Briefmarken, andere Schmetterlinge, Ernst Baisch sammelt Zeitungsberichte. Nicht ein paar - tausende sind es über Jahrzehnte geworden. Der älteste aus dem Jahr 1890, gefunden auf einem Flohmarkt. Nun spendet er die entstandene Chronik den Archivaren der Städte Böblingen und Sindelfingen.

Artikel vom 11. September 2018 - 18:31

Von Florian Ladenburger

BÖBLINGEN/SINDELFINGEN. Über hundert Ordner hat Ernst Baisch in seinem privaten Archiv im ersten Stock seines Häuschens in Sindelfingen. Darin sind, fein säuberlich abgelegt, tausende Zeitungsberichte. Vor fast 50 Jahren hat er angefangen zu sammeln. Als er damals für den Stuttgarter Winzerbund, dessen Vorstand er war, eine Vereinschronik erstellte, "habe ich gemerkt, wie wertvoll das ist." Sein Vorgänger habe alles in Schuhschachteln gesammelt. Jetzt - im Alter von 95 Jahren - übergibt er seine gesammelten Zeitungsseiten den Stadtarchiven in Böblingen und Sindelfingen. "Wir sind immer froh über derartige Spenden", sagt Christoph Florian, Archivar aus Böblingen, der die Sammlung mit seiner Sindelfinger Kollegin Ulrike Holzmann am Montagnachmittag entgegennahm.

Schwerpunkte sind der Schlossberg und das Domo

Die jeweiligen Lokalzeitungen haben ihre Archive zum Teil bereits digitalisiert, wozu dann noch Baischs Sammlung? "Die Artikel sind thematisch sortiert", erklärt Florian. "Das ist für die archivische Arbeit sehr wichtig." Dazu kommt, dass Baisch seine Arbeit sehr ordentlich gemacht hat: "Das Material ist in einem guten Zustand, die Zeitung ist nicht vergilbt", sagt Florian.

Ein Schwerpunkt aus Böblingen beispielsweise ist der Schlossberg und seine Bebauung. In Sindelfingen ist es das Domo. Baisch hat also nicht pauschal alles über seine Heimatstadt Böblingen und seinen derzeitigen Wohnsitz Sindelfingen gesammelt, sondern "nur was mich interessiert hat." Und in Anbetracht der 105 Ordner hat ihn so einiges interessiert. So auch das Land Baden-Württemberg und die Bundeskanzler der Bundesrepublik allgemein. Allein Angela Merkel hat drei eigene Ordner. Und: "Die Chronik Kohl ist dermaßen interessant", sagt Baisch. Natürlich gibt es Bücher über Politiker, aber für Baisch ist die Zeitung viel spannender.

Christoph Florian und Ulrike Holzmann freuen sich heute über Baischs Tätigkeit - Marianne Baisch, die Gattin des Archivars, hatte es dabei nicht immer leicht. "Meine Frau hat geschimpft, wenn ich nächtelang im Archiv saß", erinnert sich Ernst Baisch und schmunzelt: "Ich müsse noch ein Haus anbauen, hat sie immer wieder gesagt." Bis heute haben seine Schränke im ersten Stock noch ausgereicht.

Die ersten Ordner sind schon in die Stadtarchive gewandert. Jetzt hätte Baisch also wieder Platz. Sammelt er weiter? "Ich bin noch am überlegen", schmunzelt er. Einfach war es für ihn nicht, seine Schätze abzugeben, aber er weiß: "Man muss sich davon trennen."

Ernst Baisch
Ernst Baisch, Jahrgang 1923, ist in der Böblinger Helfergasse geboren und stammt aus einer der ältesten Böblinger Familien. Marianne, die Ehefrau des heute 95-Jährigen, stammt aber aus einem alten Sindelfinger Geschlecht. Aus der Verbindung sind drei Söhne hervorgegangen. Baisch, der 1956 in die Wohngegend der Burghalde zog, hat sechs Enkel.
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