Überfall ohne Motiv führt zu Bewährungsstrafen

Jugendstrafkammer am Landgericht Stuttgart verurteilt drei junge Männer im Alter von 18 und 17 Jahren

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    Justitia gibt den Tätern eine Chance Foto: red

Artikel vom 22. August 2018 - 19:36

Von Bernd S. Winckler

STUTTGART/SINDELFINGEN. Wegen gemeinschaftlicher räuberischer Erpressung in einem besonders schweren Fall in Tateinheit mit Sachbeschädigung und versuchter Nötigung hat eine Jugendstrafkammer am Stuttgarter Landgericht jetzt drei 17- und 18-jährige junge Männer zu Bewährungsstrafen zwischen zwölf und 16 Monaten verurteilt. Das Trio war maskiert und mit einem Stein bewaffnet im Februar in eine Wohnung in Sindelfingen gestürmt und hatte die, die sich dort aufhielten, überfallen.

Die eigentlichen Hintergründe des Raubüberfalles konnten weder die drei Angeklagten selbst noch die Jugendstrafkammer in den drei Prozesstagen erhellen. Am späten Abend des 24. Februar verschafften sich die jetzt Verurteilten Zutritt zur Wohnung eines ehemaligen Freundes im Hinterweil. Sie forderten mehrere Bekannte des Inhabers, die in der Wohnung waren, unter Drohung mit einem schweren Schleifstein zur Hergabe von Wertsachen auf. Die Beute bestand schließlich aus den Mobiltelefonen und einem tragbaren Computer. Bevor die Angeklagten die Wohnung verließen, sollen sie den Fernseher zerstört und mit Genickbrechen gedroht haben, falls die Überfallenen die Polizei einschalten würden. Die drei Täter hatten es auch auf einen Pflanzkübel abgesehen, in dem eine Cannabispflanze kurz vor der Blüte stand. Beim Verlassen der Wohnung zertraten sie die erbeuteten Mobiltelefone auf dem Boden und nahmen den Wohnungsschlüssel an sich.

Anfangs sagten die drei Beschuldigten nicht viel. Vor Gericht brachen sie letztlich ihr Schweigen, gaben den Überfall zu und ließen kleinlaut verlauten, dass das Ganze "Scheiße" gewesen sei. Noch in der Nacht nach dem Überfall schnappte die Polizei die Täter. Laut ihren eigenen Angaben hatten sie Drogen konsumiert.

Die 4. Große Jugendstrafkammer wertete das Geschehen als besonders schwere gemeinschaftliche räuberische Erpressung mit Sachbeschädigung und Nötigungsversuch. Aufgrund der Geständnisse und aus jugenderzieherischer Sicht verhängte das Gericht ausnahmsweise zur Bewährung aussetzbare Jugendstrafen: ein Jahr und vier Monate für den Ältesten, einen 18-Jährigen, der als Bewährungsauflage 40 gemeinnützige Arbeitsstunden ableisten und obendrein eine Drogenberatung besuchen muss. Dann muss er noch einen Geldbetrag von 400 Euro an den Verein Starthilfe entrichten und als weitere Auflage seinen Schulabschluss dem Gericht nachweisen.

Seine beiden 17-jährigen Mittäter wurden mit ähnlichen Strafen belegt: einmal zwölf und einmal 14 Monate Jugendhaft zur Bewährung mit der Auflage, 60 beziehungsweise 100 gemeinnützige Arbeitsstunden abzuleisten, eine Drogenberatungsstelle aufzusuchen und ebenfalls 400 Euro Geldbuße an die Starthilfe entrichten. Erst nach Erfüllung aller Auflagen wird die Bewährung bei allen drei Verurteilten gültig - und auf zwei Jahre.

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