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Baustellen in Böblingen: Vertreter der Stadt im Interview

"Der Ausbau der A81 schwebt schon über uns": Dagmar Pioch und Dieter Weidmann erklären, warum gerade so viele Straßen gesperrt sind

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    Unter anderem die Parkstraße beim Landratsamt ist eine der Hauptachsen, die derzeit in Böblingen gesperrt sind. / Foto: mis

Es ist Ferienzeit. Für die Verkehrs- und Straßenbau-Verantwortlichen in Böblingen nicht unbedingt Zeit der Freude. Seit Jahren müssen sie im Sommer wichtige Straßen in der Stadt sperren und den Unmut der Betroffenen über sich ergehen lassen. Warum das so ist, wollten wir von Baustellen-Managerin Dagmar Pioch und Tiefbauamt-Mitarbeiter Dieter Weidmann wissen.

Artikel vom 07. August 2018 - 15:05

Von Michael Stürm

Alle Jahre wieder erleben wir, dass in den Sommerferien eine Straßenbaustelle neben der anderen in Böblingen auftaucht. Warum müssen diese Arbeiten alle in den Ferien geschehen?

Dieter Weidmann: Die Sommerferien sind der einzige Zeitraum, in dem wir 60 Prozent weniger Verkehr in der Stadt haben als sonst. Sanierungen auf den Hauptverbindungsstraßen können wir nur in dieser Zeit ausführen. Die übrigen Ferientermine sind meistens zu kurz für größere Maßnahmen. Wenn es geht, versuchen wir dennoch dorthin auszuweichen.

Die Folge ist, dass wie derzeit, gefühlt die halbe Stadt lahm gelegt ist. Wäre es nicht möglich, die Baustellen auf mehrere Jahre zu verteilen?

Dieter Weidmann: Nein, denn wir haben ein großes Projekt und das heißt Ausbau der A 81 ab dem Jahr 2020. Dieser Termin hängt wie ein Damoklesschwert über uns.

Wieso?

Dieter Weidmann: Wenn der Autobahnausbau in zwei Jahren beginnt, dann wird sich noch viel mehr Verkehr durch die Stadt wälzen. In dieser Zeit ist es unmöglich, an den Hauptstrecken irgendwelche größeren Bauarbeiten zu erledigen. Wir gehen dabei von sechs bis acht Jahren aus. Daher müssen wir jetzt alle diese Maßnahmen vorziehen. Das tut weh, ist aber leider nicht anders machbar.

Dagmar Pioch: Wir versuchen dennoch, die Belastungen so gering wie möglich zu halten und sind mit den Anwohnern und Betroffenen im Vorfeld und während den Bauarbeiten im Kontakt. Eine Stadt muss aber auch darauf achten, dass sie ihre Infrastruktur wie Straßen, Kanäle, Leitungen und Beleuchtung aufrecht erhält und verbessert. Wer möchte, dass Böblingen floriert, muss auch in die Zukunft schauen.

Ist die Stadt so marode?

Dieter Weidmann: Es besteht ein gewisser Handlungsdruck. Nicht nur bei vielen Straßenoberflächen. Auch unterirdisch. Das Entwässerungssystem stammt vielfach aus den 1960er Jahren und ist teilweise undicht. Aber auch das Radwegenetz muss dringend verbessert und ausgebaut werden. Wir nutzen jetzt die Chance, die Qualität des Böblinger Verkehrsnetzes zu verbessern. Denn dann ist erst einmal für mehrere Jahre Schluss. Nehmen wir das Beispiel Herrenberger Straße: Wenn die Ende November wieder geöffnet wird, dann haben wir von der Calwer Straße bis zum Tierheim einen völlig neuen Verkehrsweg: ohne Bahnübergang, mit neuen Ampeln, neuer Beleuchtung und einem großzügigen Radweg.

Ab und an hat man den Eindruck, dass aus Baustellen ewige Sperrungen werden.

Dieter Weidmann: Ja, es gibt immer mal wieder Verzögerungen. Bei der Herrenberger Straße war der Grund die zusätzliche Verlegung einer wichtigen Fernwärmeleitung. Der Vertrag mit dem Großkunden konnte erst Anfang des Jahres abgeschlossen werden. Eine große Verspätung hatten wir auch in der Kremser Straße zu beklagen. Da waren Fehlleistungen in der Ausführung die Ursache. Auf den Baustellen herrscht ein enormer Zeitdruck, weil bei Verzug hohe Vertragsstrafen drohen. Da geht auch mal was schief. Das machen die Bauleute nicht aus Jux und Tollerei.

Seit rund einem Jahr sind Sie, Frau Pioch, Baustellen-Managerin bei der Stadt. Warum erklären Sie den Bürgern nicht im Vorfeld, unter welchen Zwängen die Stadt steht? Dann würde vielleicht der eine oder andere Kritiker verstehen, wo die Probleme sind.

Dagmar Pioch: Momentan bin ich noch sehr mit den zeitraubenden Aufgaben der so genannten verkehrlichen Anordnung beschäftigt. Für diesen Bereich wird nun aber eine ganze Stelle geschaffen, so dass ich in Zukunft mehr Raum für die Koordination und die Kommunikation mit den Bürgern haben werde. Der Flaschenhals an dieser Stelle wird dann hoffentlich verschwinden und ich kann die Anwohner frühzeitiger informieren.

Wagen wir einen kleinen Ausblick in die Zukunft. Wann kann Böblingen wieder durchatmen, was die Baustellen betrifft?

Dieter Weidmann: Auch für das nächste Jahr kann ich leider noch keine Entwarnung geben. Da steht auf den Hauptverbindungen zunächst die Sanierung der Calwer Straße bis zum Daimlerknoten und die Kanalauswechslung im Bereich Herrenberger Straße zwischen Parkstraße und Calwer Straße an. Auch die ersten Vorbereitungen für den Bau der Flugfeldklinik und den Bau der Querspange an der Leibnizstraße werden für Behinderungen sorgen. Hinzu kommt die eine oder andere Maßnahme, die wir dieses Jahr ablehnen mussten, weil die Situation auf den Straßen dann noch schwieriger geworden wäre. Weniger Baustellen in Böblingen wird es vermutlich erst 2020 geben. Dann steht aber der Ausbau der A81 an.

 

Hintergrund: Diese Straßen sind oder werden demnächst gesperrt

■ Herrenberger Straße: Die Herrenberger Straße ist seit Juli 2017 bis November 2018 gesperrt. Dort werden eine Unterführung an der Schönbuchbahn gebaut und neue Fernwärmeleitungen Richtung Hulb gelegt.

■ Calwer Straße - Breslauer Straße: Dieser Bereich wird vom 20. August bis Ende November gesperrt, um den Kanal zu sanieren sowie die Beleuchtung und die Ampelanlage zu erneuern. Außerdem wird ein neuer Radweg gebaut.

■ Calwer Straße Richtung Dagersheim: Bis zum 18. August ist die Geradeausspur zwischen Konrad-Zuse-Straße und Hanns-Klemm-Straße gesperrt. Grund ist die Reparatur der Fernwärmeleitung.   
 
■ Parkstraße: Dort ist der Abschnitt zwischen Tübinger Straße und Paul-Gerhardt-Weg gesperrt, weil eine Ampelanlage gebaut wird.
 
■ Herdweg: Die Straße ist zwischen der Sudetenstraße und der Plöckensteinstraße bis voraussichtlich 13. August gesperrt. Der Abschnitt zwischen der Plöckensteinstraße und der Postfiliale (Höhe Gebäude 84) wird vom 8. August bis voraussichtlich 29. September gesperrt. Grund ist der Neubau von Versorgungsleitungen.
 
■ Tierheimkreuzung: Die Kreuzung K 1077 nach Ehningen/ Schickardstraße wird ab dem 26. August bis Mitte September gesperrt. Betroffen ist auch die Ein- und Ausfahrt der K 1077 in die Schickardstraße und der K 1077 von Böblingen in Richtung Ehningen ab der Brücke über die B 464 bis zum HP Parkplatz. Dieser Bereich erhält einen neuen Asphaltbelag.
 
■ Ansprechpartner: Die städtische Baustellenmanagerin Dagmar Pioch ist unter der Telefonnummer (0 70 31) 669-1467 und im Internet unter baustelleninfo@boeblingen.de zu erreichen. Auf der Homepage der Stadt Böblingen sind sämtliche Baustellen in der Stadt aufgeführt: Unter www.boeblingen.de auf der Startseite den Button „Häufig gesucht“ anklicken, dann erscheint dort das Wahlfeld mit dem Namen „Baustellen und Straßensperrungen“.

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