Bonbon: Sportplatz jetzt ohne Rotlicht

In unserer wöchentlichen Glosse verarbeitet KRZ-Redakteur Michael Schwartz einen Akt der Verhütung

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Puff - und weg war sie, die Bandenwerbung für gewisse schlüpfrige Etablissements. Einfach abgeblasen. Ein Promotius Interruptus sozusagen. Wer jüngst im Böblinger Stadion war und auch davor öfter dort verkehrt hat, dem dürften die Löcher in der Umrandung aufgefallen sein. Kein Eros Park mehr, kein C33, kein Sakura. Über den flotten Dreier wurde in Absprache mit der Stadt nicht nur einfach etwas drübergezogen. Nein, die steifen Banner wurden vor einigen Wochen komplett von der Ständer-Stange abgehängt. Ein Schluss-Strich fürs Rotlichtmilieu.

Artikel vom 14. Juli 2018

"Wir schauen lieber nach Partnern, die unserem Image als Sportverein näherstehen", begründet SVB-Vereinsmanager Harald Link das Ende der Affäre. Eine Beschwerde wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses habe es keine gegeben, wohl aber eine dezente Nachfrage aus der Bürgerschaft. Und bevor doch mal jemand laut aufstöhnt, verhütet man lieber. Ein Akt der freiwilligen Enthaltsamkeit, denn aus diesem Bereich ließen sich sicherlich einige Werbeeinnahmen generieren.

Nun müssen genauso potente Kunden gefunden werden, um auf der Einnahmenseite befriedigende Nummern präsentieren zu können. "Der Hauptverein hilft der Fußballabteilung, die mit dem Geld gerechnet hatte, bei der Akquise", verspricht Link. Damit die Kicker keine Ab-Striche machen müssen.

Einen ähnlichen Fall gab es vor Jahren übrigens auch in Holzgerlingen. Bei einem zufälligen Stammtischgespräch - einige Bier hatten bereits die Kreativität befruchtet - begann der Flirt mit einem Betreiber. Aus einer Laune heraus fragte der Verein, ob denn die Lust da wäre, eine Sponsoring-Liaison einzugehen. Die Antwort: "Jaaaaa!" Der erste Entwurf einer Bandenwerbung (mit der Silhouette einer nackten Dame und der Frage "Kommst du?") war dann doch etwas grenzwertig. Die eindeutige Zweideutigkeit wurde ein wenig beschnitten, und die Werbung hing ein Jahr lang gut sichtbar neben dem Platz.

Bis die SpVgg eines Tages den damaligen Bürgermeister Wilfried Dölker zu einem Gaudi-Elfmeterschießen einlud. Der fand die kleine Werbeorgie fürs älteste Gewerbe der Welt gar nicht anregend. "Sofort abhängen, das Ding kommt weg", forderte er. In einem Quickie über Nacht wurde den Anweisungen des Stadtoberhaupts Folge geleistet. Vielleicht ist das ja alles gar nicht so verkehrt, schließlich treiben nicht nur Männer Sport, sondern auch viele Kinder.