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Gut für alle

Kommentar

Artikel vom 13. Juli 2018 - 08:54

Von Michael Stürm

Eine der Böblinger Hauptverkehrsachsen nochmal knapp drei Monate länger als geplant dicht: Zugegeben, für alle, die davon betroffen sind, ist das eine harte Sache. Aber jetzt die große Keule auspacken und auf alle Macher, Planer und Büromenschen einprügeln, greift zu kurz. Sicher, manches geht schief bei der Verkehrsplanung, manches hätte man besser machen können, aber manches ist auch nur ein gefundenes Fressen für Besserwisser, die ihrem Unmut lautstark freien Lauf lassen.

Verlassen wir an dieser Stelle daher einmal die Perspektive des Lenkrades. Dann erkennen wir nämlich sehr schnell, dass die Welt komplexer ist als dies vier Räder vermuten lassen. Das Beispiel Herrenberger Straße zeigt, wie viele Ebenen betroffen sind, wenn ein Straßenbauwerk ansteht. Da ist eine Nebenbahn, die ihre Leistungsfähigkeit vergrößert und somit mehr Menschen auf die Schiene lockt. Da sind die Versorger, die ihre Leitungen erneuern oder erweitern und in diesem Fall ein Böblinger Industriegebiet relativ umweltfreundlich mit Energie versorgen. Und da sind die Städte- und Verkehrsplaner, die die umliegenden Straßenräume fit machen wollen für die Zukunft. Die Herrenberger Straße erhält hier unter anderem endlich einen Radweg, der diese Bezeichnung auch verdient.

Unterm Strich bedeutet dies, dass der vorübergehende Ärger mit Umwegen und noch mehr Staus einen positiven Effekt für alle hat: Die Infrastruktur wird moderner, Böblingen ein Stück lebenswerter - auch für die, die über ein Jahr lang auf ihrem täglichen Weg eingeschränkt sind.

Und wer in die Zukunft denkt, der nutzt diese Zeit für den Selbsttest und probiert mal andere Verkehrsmittel aus. Denn so richtig dicke auf den Straßen Böblingens und Sindelfingens wird's erst, wenn 2020 der mehrjährige Ausbau der A 81 beginnt. Diejenigen, die bis dahin ihre Fahrradreife erlangt haben, sind dann auf der Siegerstraße. Mit Sperrung oder ohne.

 

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