Messerattacke am Freibad - Schuldfähigkeit unklar

Ein 31-Jähriger steht vor dem Landgericht, weil er am Böblinger Freibad seinem Kumpanen ein Messer in den Rücken gestochen hat

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    Sieben Verhandlungstage hat der Richter am Stuttgarter Landgericht zur Klärung des Falles angesetzt Foto: Archiv

Ohne besonderen Anlass soll ein 31-Jähriger bei einem Treffen am Abend des 2. Januar dieses Jahres am Böblinger Freibad seinen 17-jährigen Kumpan mit einem Messerstich in den Rücken lebensgefährlich verletzt haben. Nun sitzen der Beschuldigte und sein Opfer gemeinsam vor der Schwurgerichtskammer des Stuttgarter Landgerichts. Der Vorwurf gegen den 31-Jährigen: versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung.

Artikel vom 03. Juli 2018

Von Bernd S. Winckler

BÖBLINGEN/STUTTGART. Das Kuriose an diesem am Montag begonnenen Strafprozess: Beide, Angeklagter und Opfer, befinden sich in Untersuchungshaft. Der Angeklagte, weil die ihm vorgeworfene Straftat sehr schwer ist und das Gericht Flucht befürchtet. Das Opfer wegen anderer Straftaten. Um welche Taten es sich dabei handelt, soll in dem Prozess vor der Schwurgerichtskammer noch zur Sprache kommen.

Nach der Anklage sollen die beiden Männer am Abend des 2. Januar am Freibad ein Treffen vereinbart haben, um sich wegen einer Beleidigung und Schlägerei eine Woche zuvor auszusprechen. Beide Beteiligte hatten mehrere Freunde mitgebracht. Die jedoch konnten offensichtlich nicht verhindern, dass der Angeklagte plötzlich ein mitgebrachtes Klappmesser mit einer zehn Zentimeter langen und spitzen Klinge aus der Tasche zog und damit dem 17-Jährigen einen wuchtigen Stich in dessen Rücken verabreichte. Weitere vom Angeklagten ausgeführte Messerstiche konnte das Opfer mit Hilfe seiner Freunde abwehren.

Dennoch verursachte dieser eine Stich, der etwa zwei Zentimeter in den Körper eindrang, schwere innere Verletzungen, die die Ärzte des Herrenberger Krankenhauses als lebensgefährlich einstuften. Der Schwerverletzte wurde von seinen Freunden in die Klinik gebracht, während der Angeklagte zu Fuß die Flucht ergriff. In der folgenden Nacht stellte er sich selbst im Böblinger Polizeirevier und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Zur Tat machte der 31-Jährige am ersten Hauptverhandlungstag vor dem Stuttgarter Landgericht keine Angaben. Stattdessen ließ er von seinem Verteidiger eine Erklärung vortragen, in der er den Messerstich zugibt, aber ausführt, er sei eine gute Woche zuvor von dem 17-Jährigen beleidigt und geschlagen worden. Deshalb sei er bei dem Treffen am Böblinger Freitag-Parkplatz wütend geworden und habe zugestochen. Es sei alles ganz schnell gegangen und die Sache tue ihm leid. Zudem sei er betrunken gewesen. Er habe nie die Absicht gehabt, den Jüngeren damit zu töten, sagt sein Anwalt.

Das Gericht hat einen psychiatrischen Sachverständigen hinzugezogen, um die juristische Schuldfähigkeit des Angeklagten, der nie eine Berufsausbildung machte, einzuschätzen. Nach seinen Angaben hat er in jungen Jahren bei einem schweren Verkehrsunfall erhebliche Verletzungen im Kopfbereich davon getragen, an denen er heute noch leidet. Außerdem sei er ab seinem 14. Lebensjahr alkoholsüchtig und nehme auch Drogen, von Cannabis-Substanzen bis hin zur wöchentlichen Kokain-Dosis.

Die Schuldfähigkeit des Angeklagten muss geklärt werden

Nach vorläufiger Einschätzung des Gerichtes ist nicht auszuschließen, dass der Messerstich im Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit ausgeführt wurde. Sollte der 31-Jährige infolge Trunkenheit und Drogensucht zur Tatzeit gänzlich schuldunfähig sein, droht ihm die Einweisung in eine geschlossene psychiatrische Einrichtung.

Insgesamt sieben Verhandlungstage hat die Stuttgarter Schwurgerichtskammer terminiert, um den genauen Sachverhalt zu klären und die Zeugen nebst Gutachter zu vernehmen. Am 20. August dieses Jahres soll ein Urteil verkündet werden.

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