Konkurrenz der Tierheime als Chance?

Beim Sommerfest des Tierschutzverein Böblingen stärkt Verbandspräsident Schröder den Ehrenamtlichen auch finanziell den Rücken

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    Beim Sommerfest des Tierschutzverein Böblingen schaute auch Thomas Schröder (links). Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes wibt nciht nur für den vermittelbaren Hund "Krümel". Er machte dem Vorsitzenden Carlos Branco (rechts) auch Mut mit neuen Angeboten den ehrenamtlichen Tierschutz im Landkreis Böblingen zukunftsfähig zu machen Foto: Gaetano die Rosa

Während in der Herrenberger Straße das Tierheim des Landkreises im Rohbau aus dem Boden ragt, feiert der Tierschutzverein Böblingen nebenan in seinem Domizil sein Sommerfest. Nicht nur der angereiste Präsident des Deutschen Tierschutzbundes sieht der anstehenden Konkurrenzsituation mit gemischten Gefühlen entgegen.

Artikel vom 01. Juli 2018 - 07:00

Von Matthias Weigert

BÖBLINGEN. "Wenn Ende des Jahres die kommunale Einrichtung für aufgefundene Tiere ihren Betrieb aufnimmt, müssen wir einen Großteil der Tierfreunde abweisen, die zu uns kommen und sie an die neue Einrichtung verweisen. Nur noch abgegebene Tiere sind dann leider nur noch an der richtigen Adresse", bringt der Vorsitzende des Tierschutzvereins, Carlos Branco, die ab 1. Januar geltende Regelung auf den Punkt. Leider gebe es aber in der Praxis Grauzonen und damit auch rechtliche Auslegungsmöglichkeiten. Ärger scheint also vorprogrammiert. Das bedeute jedoch nicht nur weniger Arbeit an der geschundenen Kreatur für das Tierheim des Tierschutzvereins Böblingen, sondern vor allem auch weniger Geld. Laut Finanzplan fehlen dann auf der Einnahmeseite rund 250 000 Euro - die Hälfte des Jahresetats.

Dass sich ein Landkreis mit den Kommunen zusammentut, um einem Tierschutzverein ein zweites Tierheim vor die Nase zu setzen, ist für Thomas Schröder ein Novum und ein Unding gleichermaßen. Der Präsident des Tierschutzbundes Deutschland vertritt 750 Vereine mit insgesamt 800 000 Mitgliedern und schaut auch gerne vor Ort vorbei, um sich einen eigenen Eindruck zu verschaffen, so auch am Sonntag in Böblingen. Allerdings gebe es laut Schröder auch anderswo Konflikte zwischen der kommunalen Seite und den tierschutzrechtlichen Pflichtaufgaben einerseits und dem ehrenamtlichen Tierschutzengagement andererseits: "Auch in meiner Heimatstadt Köln wurde eine kommunale Einrichtung erwogen, aber aus Kostengründen verworfen. Statt dessen gibt es jetzt einen höheren Zuschuss für das vereinsgeführte Tierheim", wundert sich der Verbandspräsident über kaum erkennbare schwäbische Sparsamkeit und spürt bei seiner Stippvisite auch die für das Ehrenamt belastende Situation.

"Trotzdem stecken wir nicht den Kopf in den Sand, sondern erschließen neue Geschäftsfelder", betont Vereinsvorsitzender Branco und führt den Verbandchef durch die Hundetagesstätte, die im März eröffnet wurde und mithilfe einer Erbschaft finanziert werden konnte.

"Mehr Mitglieder, Spender, Patenschaften und Erbschaften sind denn auch die Empfehlung von Schröder, der mit gutem Beispiel voran geht und einen Scheck in Höhe von 5000 Euro mitgebracht hat. "Wenn ab sofort noch einmal die gleiche Summe von Spenden zusammenkommt, legt der Verband die gleiche Summe obendrauf, damit es für ein neues Tierrettungsfahrzeug reicht", stellt Schröder das sonst so sparsame Schwabenland eine faire Aufgabe. Das Spendekonto des Tierschutzverein Böblingen e.V. lautet: KSK Böblingen, IBAN: DE32 6035 0130 0000 0183 91.

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