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KRZ-Veranstaltung im Bärenkino: "Die Verlegerin" hinterlässt Eindruck

Auf Einladung der Kreiszeitung sahen am Donnerstag rund 70 Gäste den US-Film

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    Der CDU-Landtagsabgeordnete Paul Nemeth (l.) im Gespräch mit KRZ-Chefredakteur Jan-Philipp Schlecht Foto: Bischof

Fake News, Lügenpresse, Echokammer: Die Glaubwürdigkeit von Zeitungen ist heute immer wieder Angriffen ausgesetzt. Doch das Phänomen ist nicht neu: Bereits 1971 standen in Amerika die New York Times und die Washington Post unter Druck. Ein Spannungsverhältnis, das die Kreiszeitung mit ausgewählten Partnern diskutiert hat.

Artikel vom 10. Juni 2018 - 08:36

BÖBLINGEN (red). Der Wettergott meinte es gut mit den Gästen des Kinoabends. An Aktivitäten im Freien war bei dem Wolkenbruch am Donnerstagabend nämlich nicht zu denken. Gut, dass die rund 70 geladenen Gäste der Kreiszeitung in Saal 4 des Filmzentrum Bären davon nichts mitbekamen. Sie konnten sich stattdessen entspannt in die Kinosessel fläzen und den Film "Die Verlegerin" von Altmeister Steven Spielberg auf sich wirken lassen.

Doch bevor der Unterhaltungsteil startete, rief KRZ-Geschäftsführer Bodo Kurz seinen Gästen noch einmal die Brisanz des Themas ins Gedächtnis. Er sehe die Debatte um bewusst lancierte Falschmeldungen ("Fake News") nicht nur als Risiko, sondern auch als Chance für Tageszeitungen. Kurz: "Selbst Facebook-CEO Marc Zuckerberg veröffentlicht ganzseitige Entschuldigungsanzeigen in unserem Blatt", was die Glaubwürdigkeit der Zeitungen unterstreiche.

Um noch tiefer ins Thema einzutauchen, diskutierte im Anschluss der CDU-Landtagsabgeordnete Paul Nemeth mit KRZ-Chefredakteur Jan-Philipp Schlecht. Letzterer griff noch einmal die Diskussion um eine geplante Flüchtlingsunterbringung in Gärtringen auf, bei der die Alternative für Deutschland sich einen öffentlichen Schlagabtausch mit Nemeth geliefert hat - in der Kreiszeitung. "Wir haben jetzt seit zwei Jahren mit der AfD im Landtag zu tun. Aber vieles von dem dringt gar nicht nach außen", sagt Nemeth. Damals sei für ihn eine rote Linie überschritten worden, weshalb er den politischen Gegner in die Schranken gewiesen habe.

Die Rolle der Tageszeitungen sieht er als eine enorm wichtige, da sie noch immer Vertrauen genießen und Fakten vor Veröffentlichung prüfen und einordnen. Die Antwort auf Fake News und Glaubwürdigkeitskrise könne also nur lauten: "Qualität, Qualität, Qualität."

Wie schwierig die Entscheidung über eine Veröffentlichung tatsächlich sein kann, zeigte der anschließende Film eindrücklich. Die Verlegerin Katherine "Kay" Graham der Washington Post sieht sich 1971 mit der weitreichenden Entscheidung konfrontiert, die sogenannten Pentagon Papers zu veröffentlichen oder nicht. In letzter Sekunde entscheidet sie dafür und enthüllt gemeinsam mit der New York Times brisante Informationen zum Vietnam-Krieg. Ein Paradebeispiel für investigativen Journalismus und verlegerischen Mut.

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