Wieder ganz viel Gänse am Oberen See

Eine Graugans-Population hat sich erneut in Böblingen niedergelassen - Stadt steuert dagegen - Ordnungsamt kontrolliert

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    Die Graugänse kommen offenbar vom Stuttgarter Max-Eyth-See nach Böblingen, der überbevölkert sei Foto: jps

Artikel vom 05. Juni 2018 - 21:58

Von Jan-Philipp Schlecht

BÖBLINGEN. Bereits das fünfte Jahr in Folge haben sich am Oberen See in Böblingen wieder ungebetene Gäste eingefunden: Eine Gruppe von zirka 90 Graugänsen fühlt sich dort offenbar aufs Neue pudelwohl. Die geschützten Tiere haben auch Nachwuchs bekommen und watscheln regelmäßig zwischen dem Seeufer vor dem Bootshaus, dem dortigen Fußweg und der Wiese vor dem Spielplatz hin und her. Auffällig: Die Tiere zeigen kaum Scheu vor dem Menschen, sondern entfernen sich erst auf wenige Meter Abstand. Damit sind sie grundsätzlich auch eine Gefahr für die Radfahrer, die den Weg durch den Park gerne nutzen.

Im Grunde stören die friedlichen Tiere kaum einen Parkbesucher - wenn nur deren unschöne Hinterlassenschaften nicht wären. Das Gebiet ist übersät von den Kothaufen, die besonders auf der Wiese schwer zu erkennen sind. Vor allem die Nähe zum Spielplatz beim Bootshaus ist ein Problem: Die Kinder können kaum barfuß auf der Wiese spielen, überall lauern die Tretminen. Auch die hell asphaltierten Wege sind durch den Gänsedreck zu Stolperfallen mutiert. Die Stadt hat bereits in den vergangenen Jahren gegengesteuert und tut dies weiter.

Bepflanzung soll Gänse den rechten Weg weisen

Zum einen versucht man, durch die Bepflanzung die Tiere in die richtigen Bahnen zu lenken. So wird das Schilf mehr stehen gelassen und die Wiese am Seeufer nicht mehr gemäht. Das soll den Tieren die Sicht aufs Wasser versperren. Die Gänse brüten außerdem gern auf der Insel im Oberen See - hier schneidet die Stadt die Gehölze stark zurück, "auf Stock" wie die Fachleute sagen. Die Brutmöglichkeiten sollen aber weiter eingedämmt werden.

Darüber hinaus wurde zum Spielplatz Siebeneck hin eine Röhrichtwalze errichtet, um den Gänsen den Ausstieg aus dem Wasser zu erschweren. Ein wesentlicher Faktor, warum sich die Tiere dort so wohl fühlen ist allerdings der Mensch: Häufig werden die gefiederten Gäste nämlich mit Brotresten und allerhand anderem Essbaren gefüttert, wodurch sie a) ihre Scheu verlieren und b) umso mehr ausscheiden. Deshalb stehen in dem Gebiet auch Schilder, die das Füttern verbieten. Das Ordnungsamt kontrolliert deren Einhaltung zunehmend engmaschig. Auch Knöllchen für Fütterer könnten folgen, heißt es.

Bei einer Zählung Ende Mai kam man wie im Vorjahr auch auf 90 Tiere, davon 35 Jungtiere. Dass sich die Population nicht erhöht hat, wertet das Rathaus als Erfolg der Maßnahmen.

Ein harscheres Vorgehen, bei dem etwa Eier aus den Nestern genommen und durch Attrappen ersetzt oder die Tiere gar gefangen werden, ist laut Gesetz nicht zulässig. Immerhin ist die Graugans eine geschützte Art. Daher versucht die Stadt Böblingen durch die vergleichsweise sanften Maßnahmen, dem Problem Herr zu werden. Doch nur wenn die Menschen sich an das Fütterungsverbot halten, können sie fruchten.

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