GAU abwenden

Kommentar

Artikel vom 15. Mai 2018 - 08:30

Von Michael Stürm

Drei Kliniken im Abstand von rund 20 Kilometern. Der Landkreis lässt sich die medizinische Versorgung seiner Bürger viel Geld kosten. Rund 530 Millionen Euro Investitionen sind derzeit geplant, hinzu kommen in Zukunft etwa zehn Millionen Euro Zuschuss pro Jahr, um den Betrieb überhaupt zu gewährleisten.

Zu erwarten war, dass sich diese Kosten nicht nach unten entwickeln werden. Im Gegenteil: Entscheidungen im Gesundheitssektor, die nicht vor Ort, sondern auf Bundes- und Länderebene gefällt werden, führen dazu, dass der Betrieb von Krankenhäusern immer teurer und schwieriger wird.

Hinzu kommt die brummende Konjunktur, die die Baupreise befeuert. Für ein Neubauprojekt wie die Flugfeldklinik entwickelt sich dies zu einer schwierigen Hypothek, auf die das kleine, aber umso aktivere Häuflein der Kritiker bloß gewartet haben dürfte. Dies zum Anlass zu nehmen, nun erst Recht gegen dieses alternativlose Projekt zu wüten, wäre zu billig. Denn von den explodierenden Baukosten würde auch der von den Kritikern geforderte Ausbau eines der gegenwärtigen Klinikstandorte nicht verschont bleiben.

Viel wichtiger ist es, den Blick jetzt konsequent auf das weitere Einsparpotenzial beim Betrieb und vor allem beim Bau zu richten. Denn den letzten Schick und repräsentative Gimmicks benötigt niemand, der in eine Klinik geht, um wieder gesund zu werden. Funktionalität ja, überzogene Standards nein, muss die Leitlinie heißen. Dass das möglich ist, hat die Kreistags-Delegation beim Besuch einer Klinik in Norwegen im Jahr 2016 eindrucksvoll demonstriert bekommen. Da gilt es vonseiten der Politik, den Bauherren und Architekten genau auf die Finger zu schauen.

Denn wenn die Kosten auf dem Flugfeld zu sehr aus dem Ruder laufen, drohen nicht nur Probleme mit der öffentlichen Akzeptanz des Bauwerks. Auch das medizinische Konzept für die Kreiskliniken könnte ins Wanken geraten. Mit verheerenden Konsequenzen. Irgendwann gäbe es keine drei Krankenhäuser mehr oder der Landkreis würde Beute der Rosinenpicker-Medizin eines privaten Betreibers. Dann wäre der Klinik-GAU eingetreten: Patienten, die kein profitversprechendes Gebrechen vorzuweisen haben, müssten sich ein Bett in den Stuttgarter oder Tübinger Häusern suchen.

 

 

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