Zwei Staaten

Kommentar

Artikel vom 11. Mai 2018 - 08:18

Von Michael Stürm

Zugegeben: Zwei Tierheime Wand an Wand ist nicht gerade Standard in einem Landkreis, auch wenn's dem so gut geht, wie dem Böblinger - 4,9 Millionen Euro für einen Tierheim-Neubau ebensowenig.

Bevor nun aber die Empörung siedet und die Aufrechnungen los gehen, sollten einige Dinge bedacht werden: Die Kommunen haben dem Kreis die Verantwortung für herrenlose Tiere übertragen - ein Job, der dann auch erledigt werden muss. Nicht wie in vielen anderen Ländern, wo Totschlag die Lösung des Problems ist, sondern so, wie es einer zivilisierten Gesellschaft würdig ist. Dass dafür viel Geld investiert wird, ist ebenso ein Signal. Denn der Umgang mit Tieren lässt auch Rückschlüsse darauf zu, wie es um die Menschlichkeit in einem Land bestellt ist.

Und noch etwas darf nicht außer Acht gelassen werden: Der Neubau ist unüberbrückbaren Gräben geschuldet, die sich zwischen einem halsstarrigen Tierschutzverein, der keinem Konflikt aus dem Weg gegangen ist, und einer Kreisverwaltung, die auch nicht immer mit der größten Diplomatie unterwegs war, aufgetan haben. Den Ausweg aus der Sackgasse wies nur ein kreiseigenes Tierheim. Sonst wäre auf absehbare Zeit die vom Gesetzgeber verordnete Versorgung von hilflosen Tieren im Landkreis nicht mehr möglich gewesen.

Die teure und aufwändige Zweistaaten-Lösung ist daher umso mehr Verpflichtung, für Tierwohl im Kreis auf höchstem Niveau zu sorgen und die Aufgaben in Zukunft konfliktfrei und klar zu trennen. Der kritische Blick der Öffentlichkeit wird den ehemaligen Streithähnen dabei sicher sein.

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