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Neuer Böblinger OB Belz: Erstlandung im Chefzimmer

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    Zeit für den Bürostuhl hat Stefan Belz gestern nur für den Fotografen gefunden. Der erste Arbeitstag des Böblinger Oberbürgermeisters war voll durchgetaktet Foto: Thomas Bischof

Mit süßen Stückle fürs Sekretariat begann der erste Arbeitstag für den Böblinger Oberbürgermeister Stefan Belz. Ankommen im Neuland war angesagt. Die Mitarbeiterzahl des Luft- und Raumfahrttechnikers hat sich über das Wochenende mal kurz verhundertfacht.

Artikel vom 03. April 2018 - 22:00

BÖBLINGEN. Dunkelblaues Jackett, Jeans, hellblaues Hemd, braune Schuhe und Ring im Ohr. Leger statt Business-Steifheit. Rein äußerlich steht der Wahlkämpfer Stefan Belz im rund 40 Quadratmeter großen Dienstzimmer des Oberbürgermeisters. Wer genau hinschaut, erkennt nur eine Veränderung, die seine Wandlung vom Luft- und Raumfahrt-Forscher mit OB-Ambitionen zum ersten Bürger Böblingens dokumentiert: Den Astronauten-Sticker am Revers hat er durch eine Böblingen-Nadel ersetzt, wie sie in den Fluren des Rathauses öfter getragen wird.

So steht Stefan Belz am Morgen vor der Tür des Rathauses. Es ist 8.40 Uhr und eigentlich zu früh, als ihn Hauptamts-Sekretärin Monika Classen und seine künftige Sekretärin Dorothee Enders willkommen heißen. "Ich wollte ein paar süße Stückle mitbringen, bevor es losgeht", verrät er. Zeit zum Plaudern mit den beiden Damen, bis um 9 Uhr der Erste Bürgermeister Tobias Heizmann mit einem Blumenstrauß zur Begrüßung anmarschiert.

Um diese Zeit hat Stefan Belz bereits den ersten Kompromiss hinter sich. In der Tiefgarage steht sein Auto. Das soll die Ausnahme sein, betont der 37-Jährige und zeigt auf die vielen Stapel mit Akten und Schriftstücken, die er schon auf einem Sideboard gestapelt hat: Unterlagen aus dem Gemeinderat, Notizen, Informationen aus dem Wahlkampf und erste Dokumente, die ihm die Verwaltung schon vor dem Dienstantritt zugeschickt hat. Ohne Auto wäre dies nicht zu transportieren gewesen. "Ab morgen", verspricht Stefan Belz, wird er von seinem Wohnort im Bezirk Murkenbach mit dem Rad ins Rathaus rollen. Auch zu kurzen Dienstfahrten möchte Stefan Belz in die Pedale treten. Das Dienstauto soll nur zu längeren Trips bewegt werden - und möglichst bald auch nicht mehr das seines Vorgängers Wolfgang Lützner. "Das ist ein Diesel", sagt Stefan Belz. Wenn's nach ihm geht, wird der durch ein Elektro- oder ein Hybridfahrzeug ersetzt.

Das schwierige Thema Fernwärme steht ganz oben auf der Liste

Doch das sind Themen, die am ersten Tag noch Zukunft abbilden. Der Dienstantritt ist voll durchgetaktet. Für den Besucher von der Zeitung sind gerade mal 15 Minuten Zeit - Zeit, die zwischen dem Besuch des Dezernates II, in dem er an jeder Türe geklopft hat, Terminabstimmungen und der Bekanntschaft mit dem Computersystem der Verwaltung gequetscht worden ist - und zwischen zwei ganz offizielle Termine: Timo Nußbaum, neuer Leiter des Amtes für Gebäudemanagement, hat auch an diesem Tag seinen Dienst angetreten: Der Neuling auf dem OB-Posten begrüßte den Neuling auf dem Amtsleiterposten.

Und dann musste Stefan Belz sich noch bei seinen obersten Dienstherren im Stuttgarter Regierungspräsidium anmelden. Gelegenheit, bei der Unterzeichnung der Diensturkunde zum ersten Mal kurz Bekanntschaft mit dem Bürostuhl zu machen. Dass auf dem Schriftstück auch noch die Einschränkung "Amtsverweser" steht, weil seine Mitbewerberin Fridi Miller das Wahlergebnis angefochten hat, nimmt Stefan Belz an seinem Premierentag gelassen. Ein Makel? "C'est la vie", erwidert er, "dadurch entstehen mir ja keine Nachteile.

Aber trotz der Hektik des ersten Tages: Um die Rathauskantine macht der neue Verwaltungschef keinen Bogen. Dort ist ihm wie überall auf den Fluren viel Wohlwollen entgegengeströmt, erzählt Stefan Belz. "Die Mitarbeiter haben mir alle ein gutes Händchen gewünscht". Sein, wie er sagt, "hehres Ziel": allen mal in den nächsten Tagen die Hand schütteln. Das sind - die Erzieherinnen mitgerechnet - immerhin rund 1100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Zunächst ist allerdings der Terminkalender die oberste Autorität im neuen Leben des Stefan Belz. Sekretärin Dorothee Enders hat für morgen früh bereits einen Termin mit dem Chef der Böblinger Baugesellschaft eingetragen. Folgen werden erste Gespräche mit den Amtsleitern, für die Stefan Belz sich genügend Zeit nehmen möchte und - ebenfalls in der ersten Woche - die Reparaturarbeiten an einem der schwierigsten Themen, das die Stadt gerade umtreibt: der Ärger wegen der Fernwärmepreise. Hier hat Stefan Belz im Wahlkampf eine Schlichtung versprochen. Erste Terminabsprachen mit den Konfliktparteien sollen umgehend stattfinden. Und dann ist da noch das Wahlprogramm, das Stefan Belz gleichsam als Mahnung mit in sein Büro gebracht hat. "Darin gibt es Dinge, deren Umsetzung viel Vorlauf benötigen", berichtet er. Auch diese Projekte möchte er möglichst in den nächsten Tagen bereits anstoßen.

Klingt nach einem langen ersten Arbeitstag. "Ja", sagt Stefan Belz, "heute ist open-end angesagt". Nicht so sehr, um die Rathausarbeit nach vorne zu schieben. Am Ende des Tages möchte Stefan Belz nach all dem Trubel der Ankunft auch mal alleine im Chefzimmer sein. "Erst mal alles sacken lassen", verrät er.

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