Erika Kreh und Siegrid Bornemann: Böblingerinnen des Jahres

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    Urkunden für die ersten Kommnunalpolitikerinnen in Böblingen: SPD-Stadtverbandschef Florian Wahl und SPD-Kreisvorsitzende Jasmina Hostert zeichnen Erika Kreh und Siegrid Bornemann (Mitte von links) aus Foto: red

Die frisch geschmiedete Große Koalition hinterließ auch bei der Kür der Böblingerinnen des Jahres ihre Spuren. Die Böblinger SPD vergab die Titel in diesem Jahr an zwei altgediente Damen der Böblinger Kommunalpolitik: Erika Kreh aus der eigenen Partei und Siegrid Bornemann von der CDU.

Artikel vom 09. März 2018 - 14:48

Von Jutta Rebmann

BÖBLINGEN. Pünktlich zum Internationalen Frauentag stellte der SPD Stadtverband am Mittwochabend im Blauen Haus die Böblingerinnen des Jahres 2018 vor. Diese seit nunmehr fünf Jahren vergebene Auszeichnung fiel in diesem Jahr auf Erika Kreh, die erste weibliche Fraktionsvorsitzende der SPD-Fraktion im Böblinger Gemeinderat. Siegrid Bornemann, die zweite Ausgezeichnete, saß lange Jahre für die CDU im Böblinger Stadtparlament und hatte den Vorsitz des CDU-Stadtverbandes inne. Beide Frauen waren darüber hinaus in einer Zeit, als viele heute selbstverständlich von Frauen angenommene Rechte noch nicht alltäglich waren, engagiert und streitbar auf der weiblichen Seite der Gesellschaft zu finden.

Der Internationale Frauentag, so Florian Wahl in seiner Begrüßungsrede, sei ein wichtiger Tag für die Sozialdemokratie. Die Gleichstellung der Frauen sei eine "gesellschaftspolitische Daueraufgabe". Die Entwicklung hin zu rechten Parteien in mehreren europäischen Staaten sei nicht gut, Rechtspopulismus sei immer frauenfeindlich. Dem müsse energisch gegengesteuert werden. Es gäbe also viel zu tun. Im vorherigen baden-württembergischen Landtag, so Wahl weiter, habe die Frauenquote 18,8 Prozent betragen, nun seien es 20 Prozent, das sei immer noch zu wenig.

Auch Evelyne Gebhardt, Vizepräsidentin des Europa-Parlamentes und Festrednerin des Abends, sieht noch viel Handlungsbedarf auf dem Weg der Frau zur gesellschaftlichen Gleichberechtigung. Rechtliche Gleichstellung würde noch nicht die Gleichstellung in der Wirklichkeit bedeuten. Hier würden Frauen immer noch ausgebremst. 1848 wurde eine Frau, die sich für die Gleichberechtigung der Geschlechter einsetzte, in Frankreich geköpft - das würde zwar heute nicht mehr passieren - aber gleiches Geld für gleiche Arbeit sei auch heute für Männer und Frauen immer noch in weiter Ferne. "Wer die menschliche Gesellschaft will, der muss erst die männliche überwinden", lautete ihr Credo und "Frauen sollte Lust auf Politik gemacht werden."

"Grande Dame" der Sozialdemokratie

So auf Frauenpower eingestimmt, hatte es Florian Wahl leicht in seiner Laudatio auf Erika Kreh und Siegrid Bornemann, die Verdienste der beiden Geehrten ins rechte Licht zu rücken. Erika Kreh, die "Grande Dame der Sozialdemokratie in Böblingen", neben ihrer Arbeit als Gemeinderätin nicht wegzudenken aus dem gesellschaftlichen und sozialen Leben der Stadt, als Vorsitzende der AWO, als Motor des "Frohen Alters", die mit Stil und Engagement jahrzehntelang viele Dinge in der Stadt angestoßen hat, die heute selbstverständlich sind. Streitbar, engagiert und mit Herz habe sie die Gleichstellung der Frau betrieben.

Böblingen, so die Geehrte, habe zwar 1968 keine Studentenrevolte erlebt, aber es hatte Erika Kreh. Sie war es, die als zweite Frau in den Böblinger Gemeinderat einzog. Und hier auf manche Widerstände stieß.

1968 das ist auch das Gründungsjahr des Deutschen Hausfrauenbundes, Ortsgruppe Böblingen, eines der Gründungsmitglieder ist Siegrid Bornemann. Der Hausfrauenbund, verstand sich als Ort, in dem Frauen, bis dahin weitgehend im Hause tätig, Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen erwerben konnten. Siegrid Bornemann hat dies unermüdlich und mit großem Engagement gefördert. Und tut es, bis heute in der ihr ganz eigenen Art. Auch sie wurde schließlich als CDU-Kandidatin in den Böblinger Gemeinderat gewählt.

"Vorbild für uns alle"

Frauen wie Erika Kreh und Siegrid Bornemann ist es zu verdanken, dass der Weg in die Politik von Frauen heute keine Exotenlaufbahn mehr ist. Eine Selbstverständlichkeit ist er immer noch nicht. Während Erika Kreh die erste weibliche Fraktionsvorsitzende im Böblinger Gemeinderat wurde, erklomm Siegrid Bornemann den Vorsitz im CDU-Stadtverband, ebenfalls als erste Frau. "Ihr seid" so Florian Wahl in seinem Schlusswort, "ein Teil der Stadt und durch Euer hervorragendes Engagement ein Vorbild für uns alle."

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