Humor: Unterwegs im fahrrad(un)freundlichen Böblingen

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    Foto: dih

Artikel vom 25. Dezember 2017

BÖBLINGEN (red). Montagmorgen, kurz nach halb zehn. Über Nacht hat es geschneit, die Schönbuchlichtung zeigt sich in glitzerndes Weiß gehüllt. Fein zu beobachten vom Rad aus, das einen KRZ-Mitarbeiter ganz vom alltäglichen Stau-Wahnsinn befreit, Tritt für Tritt zum Arbeitsplatz befördert. Und das, zumindest auf Holzgerlinger Gemarkung, sogar auf frisch geräumtem Radweg. Kaum ist jedoch die Grenze zur großen Nachbarstadt, die sich damit rühmt, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen zu sein, überfahren, ist's auf einmal vorbei mit dem unbeschwerlichen Genuss der Winterfreuden. Die Straßen sind leer gefegt und mit Salz bestreut, der Radweg den Holzgerlinger First hinab mit Schnee und Eis bedeckt. Die Fahrt hinunter ist abenteuerlich, Abdrücke im Schnee stehen als Zeuge dafür, dass manch radelnder Berufspendler das Ausrutschrisiko offenbar unterschätzt hat.
Erst in der Tübinger Straße kommt der Radweg, zumindest für ein paar Meter, wieder zum Vorschein: Nämlich genau dort, wo er die Abbiegespuren in Richtung Freiburger Allee auf Höhe des real-Markts kreuzt. Dazwischen türmen sich Schneehaufen.
Unbeschadet, weil vorsichtig unterwegs, meistert der radelnde Redakteur auch diese Hürde. Und stellt sich mehrere Fragen. Was genau soll an Böblingen eigentlich fahrradfreundlich sein? Sind schneebedeckte Radwege wirklich nützlich, um den Radverkehr in der Stadt zu fördern? Wozu plant man einen Radschnellweg nach Stuttgart, wenn man es noch nicht einmal schafft, die paar vorhandenen und gut frequentierten Radwege ordentlich zu pflegen? Und, weil die Not in Sachen Stau, Verkehrslärm und Luftverschmutzung in der Stadt ja offenbar noch nicht besonders groß zu sein scheint: Ist es nicht vielleicht doch besser, Böblingen in Zukunft im Berufsverkehr wieder ein Auto auf den Straßen zu gönnen?
(Aus unserer "Bonbons"-Humorkolumne)

 

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