Mutprobe für Radler am neuen Böblinger Verkehrsknoten

ADFC kritisiert die Radstreifen an der Calwer Straße/Konrad-Zuse-Straße und fordert Nachbesserungen

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    Gut gemeint: Für linksabbiegende Radler gibt's eine Wartebucht, die etwas schmal geraten ist

Artikel vom 25. Juli 2016 - 16:00

BÖBLINGEN (red). Die Vertreter des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) kritisieren die neu geschaffene Führung am Verkehrsknoten Calwer Straße/Konrad-Zuse-Straße und bitten Verwaltung und Gemeinderatsfraktionen um eine Veränderung dieser Situation.

Beim Anschluss der Konrad-Zuse-Straße an die Calwer Straße in Böblingen wurden, wie berichtet, beidseitig der Calwer Straße Radstreifen angelegt, die von den Fahrradfahrern benutzt werden müssen. Diese Radstreifen beginnen direkt nach der Einmündung der Konrad-Zuse-Straße beziehungsweise der Hanns-Klemm-Straße und enden jeweils wieder nach wenigen Metern. Zusätzlich wurden weitere ampelgesteuerte Querungen über die Calwer Straße, die Konrad-Zuse-Straße und auf der Zufahrt zum Parkplatz der Firma Stauss eingerichtet. Laut ADFC hat dies nicht zu einer Verbesserung der Situation für die Fahrradfahrer geführt. "Eine übersichtliche Radverkehrsführung", heißt es in einer Pressemitteilung des ADFC, "wurde ausschließlich aus Richtung der Konrad-Zuse-Straße verwirklicht".

Grundsätzlich sei für den Radverkehr stadteinwärts jetzt vor der Einmündung der Hanns-Klemm-Straße ein 2-maliger Wechsel der Fahrbahnseite angesagt. "Die zusätzlichen Wartezeiten an den Ampeln sind nicht akzeptabel. Die Wartezeit für die Benutzung von 50 Metern benutzungspflichtigem Radweg beträgt fast drei Minuten", stellen die Radvertreter fest. Die weitere Führung entlang der Calwer Straße in Richtung Stadtmitte finde auf einem freigegebenen Fußweg statt, inklusive einer zusätzlichen gefährlichen Querung gegen die Fahrtrichtung über einen nicht einsehbaren freien Rechtsabbieger.

"Stückwerk, das um einen weiteren Flicken erweitert worden ist"

"Einmal mehr", heißt es in der Pressemitteilung, "wurde in Böblingen die Chance vertan, eine zukunftsweisende und attraktive Verbindung für den Radverkehr zu schaffen". Statt die Arbeitsplätze auf der Hulb mit dem Mobilitätszentrum am Bahnhof und der Innenstadt zu verbinden, sei hier nur das bestehende Stückwerk um einen weiteren Flicken erweitert worden. "Radfahrende, welche sich hier korrekt verhalten, sind wegen der meist fehlenden Führung und der mangelhaft gestalteten Ausleitungen gefährdeter, als solche, die gleich auf dem Gehweg weiter fahren", stellen die Kritiker fest.

Auch dass viele Radler für 50 Meter Fahrt auf einem Radstreifen nicht drei Ampelquerungen mit langen Wartezeiten auf sich nehmen und einfach auf der "falschen" Seite weiter radeln, sei durchaus nachvollziehbar. "Mit solchen kleinteiligen und kurzsichtigen Maßnahmen ist eine Erhöhung des Radverkehrsanteils am Verkehrsaufkommen nicht zu verwirklichen", bedauert der ADFC.

Die Radvertreter kritisieren ferner, dass der Radweg über die Calwer Brücke viel zu schmal sei, um den Rad- und Fußverkehr sicher aufzunehmen. Zusätzlich sei genau an dieser Engstelle eine Querungsmöglichkeit geschaffen worden. Querungswillige Radfahrer und Fußgänger müssten in diesem Bereich auf die Grünphase warten und machten ein Durchkommen für den Radverkehr unmöglich. Konflikte seien an dieser Stelle vorprogrammiert.

Um die Verkehrssicherheit und Nutzbarkeit in diesem neu gestalteten Bereich zu gewährleisten, sei es unverzichtbar, dass ein kompetentes Planungsbüro die Radverkehrsführung überprüfe und gegebenenfalls korrigiere.

"Hier wird Radfahren zur Mut- und Geduldsprobe", schreiben die Radvertreter. Durch die neue Radverkehrsführung sei das Radfahren an diesem Abschnitt, unsicherer und durch lange Wartezeiten an Ampeln unattraktiver geworden, fassen sie in einem Schreiben an die Stadtverwaltung zusammen. "Bitte setzen Sie sich für die kurzfristige Behebung der aufgezeigten Missstände und für eine durchgehende und sichere Radverkehrsführung an dieser wichtigen Alltagsverbindung zwischen der Johann-Schütte-Straße und der Herrenberger Straße ein", lautet der Appell an die Baubehörde und die Fraktionschefs im Gemeinderat. "Für für eine Befahrung des genannten Abschnitts stehen wir sehr gerne zur Verfügung", heißt es abschließend.

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