Die Schulleiterstelle wird neu besetzt

Das Kultusministerium hat in Sachen Eduard-Mörike-Schule die Reißleine gezogen - Weitreichender Schritt soll Neubeginn ermöglichen

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    Farbenfrohe Wandmalerei an der Eduard-Mörike-Schule: Die Elternschaft ist erleichtert darüber, dass das Kultusministerium auf einen Neustart mit neuer Schulleitung setzt KRZ-Foto: Thomas Bischof

Das Kultusministerium hat im Fall der Böblinger Eduard-Mörike-Schule jetzt gehandelt: Um den Schulfrieden wieder herzustellen, soll die Schulleiterstelle neu besetzt werden, heißt es in einer Pressemitteilung des Ministeriums.

Artikel vom 30. August 2014 - 04:07

BÖBLINGEN (red/dih). Der Wechsel auf dem Rektorenposten sei beschlossen worden, auch wenn nach Auffassung des Kultusministeriums der bisherigen Schulleiterin Katrin Rombold keine dienstlichen Verfehlungen anzulasten sind. Ministerialdirektor Dr. Jörg Schmidt: "Mit einem personellen Neubeginn zum neuen Schuljahr soll die Wiederherstellung des Schulfriedens an der Schule ermöglicht werden."

Die Schulverwaltung werde einen jetzt beginnenden Prozess der inneren Schulentwicklung intensiv begleiten. Eine ausführliche Analyse der Situation durch das Kultusministerium habe ergeben, dass auf anderem Weg keine Lösung der vorhandenen Konflikte zwischen Eltern, Schulleitung und Kollegium möglich sei. Das Kultusministerium hat im Einvernehmen mit dem Regierungspräsidium Stuttgart und der Schulleiterin entschieden, diese kurzfristig mit einer anderen Aufgabe zu betrauen. Der Amtschef des Kultusministeriums betonte, dass Katrin Rombold durch diesen für sie sehr weitreichenden Schritt und unter Zurückstellung eigener Interessen dazu beitragen würde, dass die Eduard-Mörike-Schule zur Ruhe kommen und sich auf die pädagogische Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern konzentrieren könne.

Der Antrag der Eduard-Mörike-Grundschule auf Einrichtung eines Ganztagsbetriebs wurde zwischenzeitlich vom Kultusministerium abschließend geprüft und befürwortet. Das Regierungspräsidium Stuttgart wurde gebeten, den Einrichtungserlass auszufertigen, so dass die Schule sich wunschgemäß zu einer Ganztagsgrundschule weiterentwickeln kann.

Florian Wahl fordert weitere Maßnahmen zur Aufklärung

Der Böblinger Landtagsabgeordnete und SPD-Fraktionsvorsitzende im Böblinger Gemeinderat, Florian Wahl, der sich nach Kenntnissen der KRZ ebenso wie der CDU-Landtagsabgeordnete Paul Nemeth in den vergangenen Wochen sehr um Aufklärung der Vorkommnisse an der Eduard-Mörike-schule bemüht hat, zeigte sich sehr erleichtert über die Neubesetzung der Schulleiterstelle.

"Ich danke Kultusminister Andreas Stoch, dass er sich der Sache angenommen und entschieden gehandelt hat. So rückt ein Schulfrieden an der Eduard-Mörike-Schule wieder in greifbare Nähe", so Wahl. Mit der Entscheidung des Kultusministeriums werde der Konflikt zwischen Katrin Rombold und der Elternschaft und dem Kollegium beigelegt. Wahl: "Dies ist natürlich ein schmerzhafter, aber unvermeidbarer Schritt, der auch im Sinne der Eltern und Kollegen sein dürfte."

Florian Wahl bittet, seine öffentliche Zurückhaltung in dieser Angelegenheit zu entschuldigen, doch sei es ihm ein großes Anliegen gewesen, die vertraulichen Gespräche zu keinem Zeitpunkt zu gefährden. "Ich denke, das Ergebnis zeigt, dass der Weg der diskreten und stillen Lösungssuche der richtige gewesen ist. Ich bin sehr erleichtert, dass es uns gelungen ist, so diese schwierige Situation im Sinne der Eltern, Schülern und Lehrer zu meistern."

Nichtsdestotrotz fordert der Abgeordnete eine umfassende Aufklärung der Ereignisse in den letzten Wochen. "Ich bin sehr betrübt, dass überhaupt so eine verheerende Situation in der Öffentlichkeit entstanden ist. Das Krisenmanagement des Staatlichen Schulamtes Böblingen muss umfassend analysiert werden", so Wahl abschließend.

Klagen aus der Elternschaft haben lange kein Gehör gefunden

An der EMS hatten sich über einen langen Zeitraum Probleme angestaut, worüber die KRZ in den vergangenen Wochen mehrfach berichtet hat. Eltern beklagten zuvorderst eine starke Zunahme von zum Teil extremer Gewalt an der Schule - und dass die Schulleiterin nichts unternehmen würde, um dieser Entwicklung entgegenzutreten. Dazu warfen sie der Rektorin vor, die Elternschaft aus dem Schulleben bewusst auszugrenzen, und klagten, dass das Vertrauensverhältnis "zerstört" worden sei. Nachdem Lehrer die Arbeitsstelle für Weltanschauungsfragen der Evangelischen Landeskirche kontaktiert hatten, kam zudem der Vorwurf auf, die Schulleiterin stünde unter dem Einfluss einer Psychogruppe. Klagen, die lange kein Gehör gefunden haben. Umso größer fiel nach Bekanntgabe der Mitteilung aus dem Kultusministerium die Erleichterung aus, wie die KRZ aus zahlreichen Rückmeldungen erfuhr. Siehe Rückspiegel Seite 11.

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