Neues Sanierungsgebiet in der Innenstadt

Böblinger Gemeinderat beschließt, sieben Hektar großes Areal zwischen City-Center und Sindelfinger Straße auf Vordermann zu bringen

Vom Bahnhof bis zum Elbenplatz ist Böblingen in diesen Tagen eine einzige Großbaustelle. Eine weitere wartet bereits auf Bearbeitung: Der Gemeinderat hat in seiner vergangenen Sitzung beschlossen, den Bereich "Mühlbachstraße" als Sanierungsgebiet festzulegen, das bis Ende 2023 auf Vordermann gebracht werden soll.

Von Dirk Hamann

Artikel vom 23. Juli 2013 - 19:18

BÖBLINGEN. Das Sanierungsgebiet, das den Namen "Mühlbachstraße" trägt, ist ein um einiges dickerer Brocken, als es die Bezeichnung vermuten lässt: Ein Karree beginnt an der Sindelfinger Straße, wird abgegrenzt durch die List-Straße auf der einen und die Bahnlinien auf der anderen Seite, umschließt das Einkaufzentrum und endet an der Wolfgang-Brumme-Allee. Ein weiteres ist rund um den Bereich des City-Centers und der Ara-Passage gezogen.

Die Ausgangslage: Böblingens Unterstadt verändert ihr Gesicht: Eine großzügig angelegte und bis zum kommenden Jahr fertiggestellte Unterführung, die sich dann unter einem runderneuerten Bahnhof befindet, schafft eine schmucke Verbindung zwischen einem boomenden Flugfeld und einer Bahnhofstraße, die bis Ende 2014 eine feine Fußgängerzone sein soll und dazu einen modernen Einkaufstempel, das Mercaden, erhält. Gespräche mit weiteren Investoren, die sich in diesem Bereich auch mit Neubauten ansiedeln wollen, finden bereits statt, hat Oberbürgermeister Wolfgang Lützner erklärt. Die komplette Verkehrsführung wird darauf ausgelegt, Böblingen die Aufenthaltsqualität zu verschaffen, damit der in den vergangenen Jahrzehnten verloren gegangene Titel "Einkaufstadt" wiedererlangt werden kann. Demgegenüber stehen direkt angrenzende Bereiche, die den Attraktivitätsverlust des innerstädtischen Handels bezeugen - die Bereiche, die nun als Sanierungsgebiet "Mühlbachstraße" festgelegt worden sind.

Vorbereitende Untersuchungen: Die STEG Stadtentwicklung GmbH wurde Ende 2011 damit beauftragt, das knapp sieben Hektar große Gebiet "Mühlbachstraße" genauer unter die Lupe zu nehmen. Dr. Frank Friesecke, Leiter der STEG-Akademie, berichtete Gemeinderäten und Verwaltung von seinen Untersuchungen im Sanierungsgebiet, für die er unter anderem mit 21 Eigentümern gesprochen hat - darunter mit allen, denen Objekte im Einkaufszentrum gehören. Fazit: Er stieß auf erhebliche städtebauliche Mängel, mehr als die Hälfte aller Gebäude im Gebiet weisen erhebliche substanzielle Defizite auf, er stieß auf große versiegelte Freiflächen die kaum genutzt werden, auf leerstehende Immobilien, auf offenkundige Gestaltungsmängel. Kurzum: Es gibt jede Menge dringend zu beackernde Baustellen.

Sanierungsziele: Friesecke unterteilte seine Anregungen, die abgearbeiteten werden sollten, um das Sanierungsgebiet in ein wieder vorzeigbares Quartier zu entwickeln. So soll das Kaufzentrum kräftig aufgepeppt werden, indem unter anderem die bestehenden Einzelhandelsflächen aufgewertet werden, das Mömax-Parkhaus modernisiert, das Parkplatzangebot auch für Anlieger nutzbar gemacht und die Tankstelle aufgegeben wird. Weiterhin soll die Ebene im Erdgeschoss umgestaltet werden und die Fassade ein ansprechendes Antlitz erhalten. Zudem sollen die Straßenräume aufgewertet und speziell die Mühlbachstraße umgestaltet werden. Unter Punkt drei nahm Friesecke die Wegeverbindung ins Visier - und schlug vor, den Durchgang zwischen Mercaden und Charlottenstraße ebenso attraktiver zu gestalten, wie die Wege in Richtung Altstadt. Die Brücken, die über die Brumme-Allee führen, sollten je nach funktionalem Bedarf verändert werden. Seine Punkte vier und fünf tragen die Überschrift "Quartiersentwicklung" - dahinter versteckt sind unter anderem ein Neubau einer Halle des Gospel Centers in der Sindelfinger Straße, die gestalterische Aufwertung der Rückseite des Einkaufzentrums. Durch Schließung von Baulücken und Sanierung bestehender Gebäude soll das Gebiet nachverdichtet werden. Für das City-Center und die Ara-Passage schlug Friesecke vor, die Einzelhandelsflächen aufzuwerten, diese auch nach außen in Richtung Brumme-Allee zu orientieren sowie die Fassaden, Eingänge und Gebäudezugänge neu zu gestalten.

Die Planung: In den Jahren 2014 bis 2016 soll die Bausubstanz der Einkaufszentren links und rechts der Brumme-Allee samt der Parkierungsangebote erneuert werden. In den Fördertopf für diese Maßnahmen gibt die Stadt 900000 Euro. Die Gestaltung von öffentlichem Raum - Verbindung Uhlandstraße über die Brumme-Allee zur Charlottenstraße, Umgestaltung der Mühlbachstraße sowie der Aufwertung von Teilen der Talstraße, Sindelfinger Straße und List-Straße - soll in den Jahren 2015 bis 2019 erfolgen und rund zwei Millionen Euro kosten. Mit 130000 Euro städtischen Mitteln sollen von 2014 bis 2021 von Eigentümern getroffene Gebäude-Modernisierungen von geringerer Intensität im Quartier zwischen der Sindelfinger Straße und der Mühlbachstraße gefördert werden. Rund sechs Millionen Euro will die Stadt von 2014 bis 2018 für Grunderwerb ausgeben - davon aber wieder drei Millionen durch Verkäufe auf der Habenseite verbuchen. Für Untersuchungen, Bürgerbeteiligungen, Öffentlichkeitsarbeit, Antragstellungen oder das Erstellen von Vereinbarungen werden zudem 175000 Euro veranschlagt.

Die Gesamtkosten: Die ins Auge gefassten Maßnahmen kommen auf rund 9,4 Millionen Euro städtisches Fördergeld, die allerdings durch zu erwartende Grundstückserlöse und Ausgleichsbeträge auf rund 6,3 Millionen reduziert werden dürften. Sollte das Sanierungsgebiet Mühlbachstraße in das Förderprogramm des Landes aufgenommen werden - der Antrag hierzu wird im Herbst diesen Jahres gestellt - wird es aus diesem mit rund 3,5 Millionen Euro gespeist, womit sich die Belastung des städtischen Haushalts auf rund 2,8 Millionen Euro reduzieren würde.

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