Das Team Roboss ist bereit für Jakarta

Nils Niemann, Colin Geuder und Chris Vogt, Schüler des Böblinger Otto-Hahn-Gymnasiums, haben das WRO-Deutschlandfinale gewonnen

  • img
    Bild 1 von 2
    Nils Niemann, Colin Geuder und Chris Vogt (von links): Als Team Roboss das Deutschlandfinale der World Robot Olympiad in Dortmund gewonnen und fürs Weltfinale qualifiziert Fotos: Volker Winkler
  • Bild 2 von 2
    Roboss in Aktion: Das Legomännchen wartet auf Evakuierung

Beim Deutschlandfinale der World Robot Olympiad (WRO) in Dortmund haben unlängst drei Achtklässler des Böblinger Otto-Hahn-Gymnasiums den Sieg ergattert. Sie setzten sich gegen 19 weitere qualifizierte Teams durch und sicherten sich die begehrte Startberechtigung zum WRO-Finale in Jakarta (Indonesien).

Von Dirk Hamann

Artikel vom 24. Juni 2013 - 16:54

BÖBLINGEN/GÄRTRINGEN. Roboss ist startklar. Leise setzt sein Elektromotor Greifer in Bewegung, die ein Holzbrett über einen Graben werfen. Dann nehmen seine vier Räder an Fahrt auf, brettern schnurstracks über den eben installierten Steg, geradewegs auf ein weißes Feld, das mit schwarzen Linien überzogen ist. Markierungen, die Roboss helfen, sich ohne fremde Hilfe zurechtzufinden. Zügig fährt er ein Stück voran, dann bleibt er stehen, dreht sich um 90 Grad und nimmt ein schwarzes Lego-Türmchen ins Visier. Augenblicke später hat er es schon in seinen Klauen, räumt es zur Seite und lädt ein darin verstecktes Männchen auf. Roboss hat den ersten Teil seines einprogrammierten Auftrags tadellos gemeistert. Gelungener Auftakt einer Vorführung im Hobbyraum im Hause Niemann.

Die Menschen, die diesem Haufen gewöhnlichen und programmierbaren Legosteinen, Elektromotoren, Sensoren und Lego-Technik-Teilen zu eigenständigem Handeln verholfen haben, sind 13 und 14 Jahre alt, gehen in die achte Klasse des Böblinger Otto-Hahn-Gymnasiums und wohnen in Gärtringen. Nils Niemann, Colin Geuder und Chris Vogt: drei Jungs, die bis vor wenigen Monaten mit Robotern kaum etwas am Hut hatten, lieber Programmiertes konsumierten, als in Sachen technischem Fortschritt selbst aktiv zu sein. Chris Vogt hatte zwar schon einen Lego-Mindstorms-Baukasten, doch so richtig ins Thema eingestiegen sind die drei erst, als sie vom Wettbewerb gehört hatten. Jungs, die sich dann aber so sehr in ihr Projekt gekniet haben, dass es in Deutschland aktuell keine Altersgenossen gibt, die einen Lego-Mindstorms-Roboter besser anleiten können als sie. Nach Rang eins im Regionalentscheid am Böblinger Lise-Meitner-Gymnasium durften sie in Dortmund den Sieg auf Bundesebene feiern und werde sich im November in Jakarta mit den Besten der Welt - ursprünglich sind rund 15000 Teams aus mehr als 35 Ländern angetreten - messen. "Damit haben wir nie gerechnet", sagt Nils Niemann. "Ursprünglich sind wir ganz ohne Erwartungen angetreten, hatten auf einen guten Platz beim Regionalentscheid gehofft. Mehr nicht."

Roboss dreht sich im Kreis. Der Bundessieger ganzer Stolz hat seine Spur verlassen, irrt planlos auf dem weißen Übungsfeld umher. Die Vorführung im Hobbyraum nimmt ein unerwartetes Ende. "Nein!", ruft Colin Geuder. "Normalerweise macht er so etwas nicht! Das war beim Bundesfinale noch ganz anders!" Sein Vater Dietmar, der das Team bei den Wettkämpfen begleitet und betreut, beruhigt und erklärt: "Der Lichteinfall ist hier anders als er in Dortmund war. Das bereitet den Sensoren Probleme."

Schwierigkeiten, die das Team eigentlich kennt. Und mit Erfolg gemeistert hat. Auch in Dortmund. Dort waren der Belag und die Maße der Bahn sowie die Lichtverhältnisse im Wettbewerb nicht ganz so wie erwartet. Nachdem Roboss vor Ort zusammengebaut war, verlangte er deshalb zudem nach leicht modifizierter Programmierung. In den drei Vorrundenläufen lief es prompt nicht wie geplant, nur knapp schrammte Roboss mit seinen Auftritten am Aus vorbei. Im Halbfinale zeigte er sich schon von seiner besseren Seite - bei Punktgleichheit mit zwei Kontrahenten schafften die Gärtringer es, mit der besten Zeit ins Finale vorzustoßen. In diesem sorgten sie in zwei Durchgängen für klare Verhältnisse, mit den besten Punktzahlen des Tages fuhr Roboss den großen Erfolg samt einen aus gelben Legosteinen zusammengesetzten Siegerpokal ein. "Die Qualifikation für Jakarta war nach dem Halbfinale schon sicher", erzählt Chris Vogt. Und blickt grinsend zurück: "Als wir das geschafft hatten, waren wir sogar noch mehr am Jubeln als nach dem Finale - es war spannend bis zur Verkündung des Ergebnisses. Wir hatten gar nicht mehr ans Weiterkommen geglaubt!"

Colin Geuder startet im Hobbyraum einen weiteren Versuch. Er möchte, dass Roboss zeigt, was in ihm steckt. Und das selbst konstruierte Vehikel, das die Maß-Vorgaben von maximal 25 Zentimeter Höhe, Breite und Länge einhält, erfüllt diesmal die ihm gestellten Aufträge nach Wunsch: Brückenbau und Überfahrt meistert Roboss ebenso wie die Evakuierung von Legomännchen und die Fahrt auf der vorgegeben Spur. Ein Auftritt wie gemalt, um sich mit den besten Konkurrenten der Welt zu messen, oder? "Naja", wiegelt Nils Niemann ab. "Da kommen Teilnehmer aus anderen Ländern wie Japan oder Russland, die ganz anders gefördert werden, um diesen Wettbewerb zu gewinnen. Wir hoffen, dass wir uns gut aus der Affäre ziehen - und freuen uns natürlich auf eine Reise, die wir sonst wohl nicht machen würden." Apropos Reise: Die Kosten dafür müssen die Bundessieger selbst berappen. "Die Startberechtigung war der Gewinn, die IBM hat den ausrichtenden Verein 'Technik Begeistert', der den Wettbewerb in Deutschland durchführt, als Sponsor für die Regionalwettbewerbe unterstützt. Alles weitere müssen wohl wir Eltern stemmen", sagt Dietmar Geuder, der zugesagt hat, das Team Roboss auch bei seinem großen Abenteuer nach Jakarta zu begleiten. "Wir sind schon froh, dass die Jungs wenigstens vom Otto-Hahn-Gymnasium fürs Weltfinale von der Schule freigestellt werden."

Verwandte Artikel