Tierliebe Familie aus Aidlingen rettet Teichhuhn-Küken nach Wolkenbruch

Das Küken war auf der Aid von den Wassermassen davongeschwemmt worden und hatte seine Eltern verloren.

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    Da liegt es und erholt sich von den Strapazen: Das von den Wassermassen davongespülte Teichhuhn-Küken wurde kurz darauf in der Aid mit seiner Familie wiedervereint Foto: Facebook

Artikel vom 30. Juni 2020 - 09:02

Von Michael Schwartz

AIDLINGEN. Es war ganz schön viel Nass, das da am Freitagnachmittag auf Aidlingen hernieder geprasselt ist. Nicht nur der Regen strömte in Bindfäden Richtung Boden, zwischendrin waren sogar einige eher kleinere Hagelkörner dabei. Das Unwetter verschaffte der Heckengäugemeinde nicht nur eine bisher nicht gekannte Nennung an prominenter Stelle im Fernsehen, sondern rief auch die Ortsfeuerwehr auf den Plan und löste ein kleines Drama in der Natur aus - allerdings mit schönem Happy End.

80 Liter Wasser pro Quadratmeter - das ist in etwa eine halbvolle Badewanne. Und das wohlgemerkt alle 100 mal 100 Zentimeter. Auf ein durchschnittlich großes Fußballfeld hochgerechnet sind das ungefähr eine halbe Million Liter, der Inhalt von circa 500 Müllcontainern. Zahlenspiele hin oder her: Die Wolken schütteten aus, was sie nur konnten. Damit gehörte der Ort zu den Top Fünf in der Bundesrepublik, was die Niederschlagsmenge an diesem 26. Juni anging. Grund genug für die berühmten "Tagesthemen", Aidlingen in den Wetternachrichten zu erwähnen. An der Seite von deutschlandweit ähnlich bekannten Orten wie Grapzow und Wildberg (beide Mecklenburg-Vorpommern), Schleiden (Nordrhein-Westfalen) oder Buch am Erlbach (Bayern).

Feuerwehr gleich zu mehreren Umwelteinsätzen alarmiert

Für die Aidlinger Feuerwehr bedeutete das viel Arbeit. Sie wurde gleich zu mehreren Umwelteinsätzen auf dem Sonnenberg und im Ortskern alarmiert. Ein vollgelaufener Keller musste dabei ausgepumpt werden. Zudem bewahrten die Floriansjünger mehrere Garagen, Keller und örtliche Einkaufsläden vor schlimmeren Schäden. Nachdem alle Einsätze im Gemeindegebiet abgearbeitet waren, riefen die Kollegen aus Ehningen noch zur Überlandhilfe. Eine Öl-Sperre in der Würm musste dabei eingerichtet werden.

Beinahe unbemerkt davon spielte sich ein herzzerreißendes Drama in der Aid ab. Erst Anfang Mai waren hier ein paar Teichhühner geschlüpft. Die kamen natürlich mit den immensen Wassermassen, die am Freitag den Bach mit großer Geschwindigkeit herunterflossen, gar nicht zurecht. Ein Küken wurde an der Fischtreppe weggespült, hatte keine Kraft, sich gegen den nassen Strom zu wehren und wurde von seinen Eltern getrennt. Gegen 22 Uhr lag es noch leise fiepend in einem Garten, Mama und Papa waren weit weg. Wie schön, dass es noch Menschen gibt, die sich bei so etwas kümmern. Der Vater einer jungen Familie hörte das hilflose Küken und verfrachtete es vorsichtig in einen mit Sägespänen weich ausgekleideten Karton. Nur wie sollte er es mit den anderen Teichhühnern wiedervereinen? Schließlich wusste er nicht, wo diese nisten.

Also setzte sich die junge Familie kurzerhand an den PC und schrieb eine Suchmeldung. "Heute Teichhuhn in Aidlingen gesehen? (schwarzer Vogel mit rotem Fleck auf dem Schnabel)", schrieb das Trio, schilderte zudem die Situation und stellte Kontaktdaten zur Verfügung. "Vogelstationen sind leider am Wochenende geschlossen", erklärten die drei. "Das Küken ist noch sehr klein und benötigt seine Eltern." Diesen DinA4-Zettel wiederum hängten sie im Ortskern aus. Dort sah ihn eine Tierliebhaberin, knipste ein Foto und postete das der Reichweite wegen auf Facebook.

Es half. Ein Autofahrer, der den Beitrag gesehen hatte, entdeckte die aufgeregt schnatternde und suchende Teichhuhn-Mama (oder den Papa) bachaufwärts, fuhr schnell rechts ran und alarmierte die Küken-Retter-Familie telefonisch. Die machte sich gleich auf und fand die Wasservögel ein kleines Stückchen weiter tatsächlich vor. Mit einem Kescher wurde das gestrandete Baby zurück in die Aid gesetzt - und dort von Eltern und den beiden Geschwistern willkommen geheißen.

Die Tierfreunde beobachteten noch ein Weilchen, ob das Küken nach seinem Menschenkonktakt auch von seiner Familie angenommen wird und konnten dann erleichtert eine erfolgreiche Wiedervereinigung feststellen. Ente gut, alles gut.

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