Aktion gegen Corona-Isolation: Mit Postkarten den Senioren ein Lächeln ins Gesicht zaubern

Der Aidlinger Michael Schwartz hat eine Aktion für Pflegeheimbewohner ins Leben gerufen

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    Motiv und Inhalt sind ganz den Einsendern überlassen: Hauptsache ist, die Postkarten erheitern den Alltag der Senioren Foto: Dan Gold/Unsplash

Artikel vom 27. April 2020 - 14:54

AIDLINGEN (red). Die Idee des 37-Jährigen: "Menschen aus ganz Deutschland sollen Postkarten mit aufmunternden Worten schicken, die den Alltag der Senioren ein kleines bisschen verschönern." Postkarten mit tollen Motiven aus der Gegend des Absenders oder gerne auch von weiter weg. Eventuell mit süßen Tierbildern. Postkarten, die möglicherweise irgendwo zu Hause im Schrank rumfahren, oder die es im Zeitungsladen um die Ecke für kleines Geld zu kaufen gibt. Kurzum: Postkarten, die denjenigen die Welt ins Heim bringen, die gerade relativ von der Welt außerhalb des Heims abgeschnitten sind.

Was auf dieser Postkarte draufstehen kann? "Irgendetwas Positives auf jeden Fall", betont Michael Schwartz. "Möglicherweise ja eine persönliche Geschichte zum Ort, der auf dem Foto der Postkarte abgebildet ist", regt der Aidlinger an. "Eine Schilderung, warum es einem dort so gefällt oder warum man das Tier darauf so mag. Wieso man das Motiv ausgesucht hat. Oder einfach eine kurze, nette allgemeine Geschichte." Auch ein Witz, der ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann, sei denkbar. Eigene Ideen sind selbstverständlich ebenso erlaubt. "Und schön wären abschließend ein paar nette Worte für die Senioren", setzt Michael Schwartz voll auf die Kreativität der Einsender.

Das Prozedere ist recht simpel. Wer mitmachen möchte, kann eine oder mehrere Postkarten zum Initiator nach Hause schicken (Adresse: Michael Schwartz, Oberer Wengertweg 17, 71134 Aidlingen). Dieser sammelt sie in einer luftdichten Schüssel und verteilt sie regelmäßig an Pflegeheime. "Wobei ich mir erstmal das ,Haus am Zehnthof' des Deutschen Roten Kreuz in meinem Heimatort Aidlingen ausgesucht habe", stellt der 37-Jährige klar. Er erklärt auch, warum zunächst nur dieses eine Heim: "Ich hab' keine Ahnung, wie meine Aktion ankommt, ob sie überhaupt funktioniert, oder ob mein Briefkasten leer bleibt - was sehr schade wäre." Falls es jedoch wie erhofft klappt, würde er die Postkarten auch an andere Pflegeheime verteilen, verspricht er. "Das würde ich dann wie beim ,Haus am Zehnthof' telefonisch mit der Heimleitung besprechen."

Um seine Aktion bekannt zu machen, hat er zunächst die sozialen Medien in Anspruch genommen. "Der Beitrag wurde auch schon 56-mal geteilt", freut sich der KRZ-Redakteur über die Unterstützung von Bekannten und Unbekannten gleichermaßen. "Aber da geht bestimmt noch mehr", fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu.

Seit er sein Social-Media-Posting abgesetzt hat, läuft er täglich mehrfach zum Briefkasten, um zu schauen, ob die Post schon da war, und hofft, dass der Bote vieles einwerfen konnte.

Die allererste Einsendung flatterte aus Bremen in den Briefkasten

"Die allererste Einsendung kam zwei Tage später aus Bremen", ist er selbst erstaunt, bis wohin sich die Idee mittlerweile via Facebook herumgesprochen hatte. Der Schneeballeffekt lässt grüßen. "Jemand aus Steinenbronn hat gleich mehrere Karten in einem Briefumschlag gesendet", zeigt der Daumen von Michael Schwartz nach oben. "Genau wie eine Bekannte aus Aidlingen, die mittlerweile in Rottenburg lebt." Besonders gefreut hat er sich auch über die Einsendung von zwei elfjährigen Zwillingen aus Dagersheim. "Sowas muntert die alten Menschen bestimmt auf und bringt ein Lächeln in ihre Gesichter."

Was dem Aidlinger außerdem noch wichtig ist: "Ich werde in hygienischer Hinsicht größte Sorgfalt walten lassen." Die Heimleitung habe in dieser Hinsicht auch keine Bedenken, das wurde bereits telefonisch besprochen. Papier als Übertragungsweg ist bei der Einhaltung einiger Aspekte praktisch unmöglich. "Die Postkarten lagern auf jeden Fall erstmal ein paar Tage in einer verschlossenen Schüssel. Wenn ich sie dann übergebe, verwende ich selbstverständlich ebenfalls Handschuhe."

Jetzt hofft Michael Schwartz aber erst einmal auf möglichst viel Material - damit er nicht allzu oft mit leeren Händen von seinem Briefkasten zurückkehren muss.