Ausgefallene Hobbys: Ein Foto ist dem Dätzinger Hans Zelener zu wenig

Serie "Ausgefallene Hobbys" (3): Hans Zelesner liefert nicht nur Aprilscherze, sondern kreiert auch eigene kleine Welten

  • img
    Das Dätzinger Schloss als abgeschiedene, kleine Welt ist nur eine von vielen, die sich der gelernte Reproduktionsfotograf und Unternehmer erschaffen hat. Auch Weil der Stadt, Sindelfingen und der Schönbuch sind so verewigt Fotos: Hans Zelesner

Manchmal haben es Fotografen leichter als Biologen. Erstere können nämlich am Computer Fabelwesen einfacher kreieren als Tierforscher im Reagenzglas, wie die Computeranimationen des Dätzingers Hans Zelesner in der 1.-April-Ausgabe des Jahres 2016 zeigen. Der gelernte Reproduktions- fotograf kann aber noch weit mehr.

Artikel vom 12. August 2019 - 16:20

Von Matthias Weigert

DÄTZINGEN. "Ich habe meinen Beruf mit nach Hause genommen und zum Hobby gemacht, als ich mich zur Ruhe setzte und meine Firma mit zehn Mitarbeitern verkaufte", gibt der 70-Jährige seine Passion zu kreativen Bildkompositionen zu. In seinem Beruf war das auch nötig. "Da kamen Agenturen zu mir mit einer Idee, die wir dann umsetzten. Da war kreatives Hirnen und Spinnen angesagt." Das sagt einer, der mit seinen Ideen auch schon mal seine Frau nerven kann, etwa wenn er bei einem Spaziergang mal wieder mit seinem "Stengele" auffällt.

 

Zum Beispiel in Stuttgart: "Wo ich bei neugierigen Passanten locker als Feinstaubmesser durchgehe", schmunzelt Zelesner über einen seiner Traumberufe. Das Stengele hat ausgefahren eine Länge von vier Metern. An dessen Ende ist eine 360-Grad-Kamera justiert, die allerlei Aufnahmen ermöglicht. Das zeigt zum Beispiel eine kinoreife Sequenz, aufgenommen aus luftiger Höhe mit dem Gleitschirm bei Kapstadt. Dort lebte und arbeitete er in den 70er Jahren im Repro-Bereich. Und dorthin zieht es ihn auch heute noch immer wieder "zum Haushüten, wenn ein guter Freund Urlaub macht von Südfafrika".

Hans Zelesner kommt viel herum auf der Welt - oder besser auf den Welten. Die hat er nämlich gleich dutzendweise erschaffen nach gelungener 360-Grad-Aufnahme von den verschiedensten Sehenswürdigkeiten in der näheren und weiteren Umgebung. Da ist natürlich an erster Stelle das Dätzinger Schloss, dann das Sindelfinger Freibad, der Weil der Städter Marktplatz und der Schönbuch-Aussichtsturm, gefolgt von unzähligen weiteren Motiven. Sogar sich und Ehefrau Birgit nimmt der gelernte Reproduktionsfotograf mit seinem "Stengele" aufs Korn. Über das Ergebnis kann da selbst noch ein Profi-Repro-Mann wie Zelesner staunen: "Denn bei Fotografieren kommt es trotz aller Technik immer auch noch auf den idealen Zeitpunkt an, wenn der Finger den Auslöser betätigt." Trotz seines immer größer werdenden Schatzes an Aufnahmen und Kompositionen hat er sich noch nie zu einer Ausstellung durchringen können. So gesehen gehört der Dätzinger zu der Spezies von Mensch, die mit ihrem Hobby vor allem ihren eigenen Spaß haben und in der Regel nur eine überschaubare Zahl von Zeitgenossen daran teilhaben lassen. Gut, dass es Ausnahmen gibt.