Eine nahe Gedenkstätte für NS-Opfer

Zeitung in der Schule: Neunte Klasse der Sonnenbergschule Aidlingen auf Spurensuche

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    Die Aidlinger Schüler besuchten die KZ-Gedenkstätte und erhielten einen Eindruck von den Gräueltaten während des Nationalsozialismus Foto: red

Artikel vom 04. Februar 2019 - 17:18

AIDLINGEN/HAILFINGEN/TAILFINGEN. Die Klasse 9 der Sonnenbergwerkrealschule besuchte die Gedenkstätte für NS-Opfer in Hailfingen-Tailfingen. Sie fuhr mit der S-Bahn nach Herrenberg, anschließend weiter mit dem Bus nach Tailfingen.

Seit 2010 ist dieser Ort eine Gedenkstätte der Judenverfolgung und ein Mahnmal gegen die nationalsozialistische Herrschaft. Im Ausstellungsraum des Konzentrationslagers Hailfingen-Tailfingen in den Räumlichkeiten des alten Rathauses in Tailfingen begrüßten zwei ehrenamtliche Mitarbeiter, Daniel und Andreas, die Schülergruppe. In einem Ausstellungsraum zeigten sie viele Bilder und Videos über Interviews mit den KZ-Insassen. 1938 fingen die Nationalsozialisten im Gäu an, einen Ausweichflugplatz für Kriegsflugzeuge zu bauen. Die Bedingungen vor Ort waren den Nationalsozialisten wichtig: eine nebelfreie Hochebene. Das Lager war ein Außenlager des KZ Natz-weiler-Struthof, das nahe Straßburg vor allem durch seine medizinischen Experimente grausame Bekanntheit erlangte.

Viele KZ-Gefangene mussten im Steinbruch arbeiten und die Lande- und Startbahn bauen. Rund 600 Menschen, vor allem Juden, die 1944 aus dem KZ Auschwitz angefordert wurden, und Andersdenkende schufteten sich dort zu Tode. Die unmenschlichen Arbeitsbedingungen wie Hunger und Kälte setzten den Menschen sehr zu. Einzelne Schicksale, aber auch die Frage von Opfer oder Täter, wurden in Fallbeispielen in Gruppenarbeit erforscht.

Anhand von Zeitzeugen wurde das Geschehen dort ins Gedächtnis gerufen. Es gibt dort nur noch den Flugplatz und das Mahnmal zu sehen. Von einem Massengrab zeugt nur ein Schild, das immer wieder zerstört wird. Das Mahnmal selbst bildet einen Platz mit einer Pyramide aus Aluminium, auf welcher die Namen der 601 Juden eingraviert sind. Überlebende des Lagers und ihre Angehörigen kommen öfter an den Ort des Verbrechens, teilweise sind auch Angehörige aus Australien dabei.

"Die Gedenkstätte wurde von der Dorfgemeinde am Anfang nicht willkommen geheißen. Jetzt ist aber die Akzeptanz da, die deutsche Geschichte aufzuarbeiten", freuen sich Daniel und Andreas. Und die Aidlinger Klasse hat gelernt, dass die NS-Zeit zwar schon relativ fern ist, jedoch auch heute noch vor Ort eine Mahnung ist.

Pascal Austen Sonnenbergschule Aidlingen

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