Weltpremiere von Béla Bartók

Warum man das Notos Quartett in Dätzingen nicht verpassen sollte

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    Vier preisgekrönte Ausnahme-Musiker: Das Notos Quartett Foto: red

Artikel vom 12. Oktober 2018 - 18:00

Von Jan Renz

DÄTZINGEN. Im Oktober 2014 schrieb der Autor dieser Zeilen über das Notos Quartett: "Es war ein phantastisches Konzert im Maltesersaal von Schloss Dätzingen. An diesem Ort wird man ja mit hochrangiger Kammermusik verwöhnt, aber dieser Abend war ein ganz besonderer Höhepunkt." Das junge Ensemble war wohl niemandem ein Begriff. Den Kritiker wunderte vor allem eines: Warum gab es von diesem phänomenalen Ensemble keine CD?

Inzwischen ist die erste CD erschienen, und sie wurde gleich mit einem Echo Klassik ausgezeichnet (den die Musiker dann im Zuge des Skandals um die Verleihung des Pop-Echos zurück gaben). Gunter Pichler, erster Geiger des berühmten Alban Berg Quartetts, wird oft zitiert: "Das Notos Quartett ist das beste mir bekannte Klavierquartett!" 2007 gegründet, wurden die Vier mit Preisen förmlich überschüttet. "Hungarian Treasures" - "Ungarische Schätze" ist die Debüt-CD überschrieben. Sie versammelt drei musikalische Juwelen.

Aus verschiedenen Gründen lohnt eine Anschaffung dieser CD. Die vier Gipfelstürmer sind das erste Ensemble, das das Klavierquartett von Béla Bartók (1881-1945) eingespielt hat, ein spätromantisches Werk des 17jährigen Komponisten, der später zu einem der bedeutenden Vertreter der Moderne reifen sollte. Sein Klavierquartett klingt sehr Brahms- nah, es ist noch ganz 19. Jahrhundert. Vom "stile barbaro" (aus dem Jahr 1911) ist noch nichts zu ahnen. Auch an den Bartók der Streichquartette oder Klavierkonzerte darf man nicht denken, dieser frühe Bartók ist deutlich spätromantischer und eingängiger.

Die Noten des Klavierquartetts waren unauffindbar

Im Booklet heißt es: "Uns war schon lange bekannt, dass das Werk existiert. Es taucht in verschiedenen Werkaufzählungen auf, die Noten waren aber unauffindbar." Nach aufwendigen Recherchen stießen die Vier dann doch auf eine Handschrift des Werks.

Das Bartók-Finale wirkt sehr folkloristisch. Bartók erforschte ja die Volksmusik seiner Heimat. Mit überbordendem Klang endet dieses Klavierquartett. Ihm gegenübergestellt wird das Klavierquartett von Ernst von Dohnányi (1877-1960). Er und Bartók waren zeitlebens eng befreundet. Bartók studierte die Werke des vier Jahre älteren Erfolgskomponisten genau. Wie Bartók, so war auch Dohnányi 17 Jahre alt, als er sein Klavierquartett schrieb. Ausgangspunkt für Dohnanyi war Johannes Brahms.

In der Region ist der Ungar bekannt geworden durch den Schönaicher Pianisten Michael Kuhn, der ihn gelegentlich aufführte. Der ausufernde erste Satz dauert über 12 Minuten. Der Anfang: geheimnisvoll brodelnder Klang. Man hört schnell: auch dieses Werk ist der Spätromantik verpflichtet. Harmonisch ist es nicht so interessant wie Richard Wagner oder Gustav Mahler.

Das Zusammenspiel des Notos Quartett setzt Maßstäbe. In der Kritik ihres Dätzingenkonzerts schrieb der Autor im Oktober 2014 damals: "Man hörte rasende Läufe, perfekt abgestimmt, und massiv donnernde Akkorde. Endete Schumann wie ein Wirbelsturm, so klang das Brahms-Finale wie ein Tornado. Das Publikum quittierte das mit vielen Bravos."

Auch auf der CD fällt der Gestaltungswille auf. Es gibt keine gleichgültige Note. Mitreißend ist der Elan, musikantischer Glanz und Ausdrucksintensität verbinden sich. Passion und Präzision schließen einander nicht aus. Der Klang des Quartetts ist immer opulent. Johannes Brahms erklingt nicht auf dieser CD, ist aber immer gegenwärtig. Wer also Johannes Brahms liebt, wird an dieser Silberscheibe seine Freude haben.

 

  Am Sonntag, 14. Oktober, tritt das Notos Quartett erneut in Schloss Dätzingen auf. Das Konzert beginnt um 18 Uhr. Die CD "Hungarian Treasures" erschien beim Label RCA Red Seal und enthält Stücke von Béla Bartók, Ernst von Dohányi und Zoltán Kodály. Preis: 7,99 Euro.
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